Wie sich weiße Blutkörperchen durch unseren Körper bewegen

    Video4. April 2019, 08:00
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    Österreichische Forscher richteten einen Hindernisparcours für Leukozyten ein

    Wien/Klosterneuburg – Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) sind die mobile Einsatztruppe des Immunsystems. Pro Stunde decken sie in ihrer Gesamtheit eine Strecke von 100.000 Kilometern im menschlichen Körper ab. Und sie bewegen sich, indem sie den Zellkern als dickste Stelle voranschieben und stets den Weg des geringsten Widerstands wählen, berichten Forscher des IST Austria im Fachjournal "Nature".

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    Auf ihrer Patrouille durch den Körper und zu Einsatzorten, wo Krankheitserreger eingedrungen sind, müssen sich die Leukozyten einen Weg durch ein dreidimensionales Labyrinth bahnen. Dort tummeln sich andere Zellen, Stützelemente und diverse Substanzen. Ein Team um Michael Sixt vom Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg stellte nun ein künstliches Pendant dieser extrazellulären Matrix her – einen Hindernisparcours aus künstlichem Gewebe.

    Immer dem Zellkern nach

    Mit richtungsweisenden (chemotaktischen) Reizen lockten die Forscher Leukozyten durch dieses Labyrinth. Dabei konnten sie beobachten, dass die weißen Blutkörperchen nicht mit irgendwelchen Fortsätzen vorsichtig die Umgebung abtasten, sondern gleich ihren "Kopf", nämlich den Zellkern, als klobigste Stelle nach vorne verlagern und vorausschicken.

    Er schiebt sich nacheinander in verschiedene, benachbarte Poren und sondiert dadurch deren Durchmesser. "Wann immer sie die Wahl hatten, entschieden sich die Zellen für die größte Porenweite und somit den Weg des geringsten Widerstands", berichten die Wissenschafter.

    Schnelle und schonende Fortbewegung

    Sobald der Zellkern eine Pore passiert hat, muss die Zelle Vorstülpungen in andere Poren zurückziehen, sonst zerreißt es sie, so die Forscher. Zerstörten die Wissenschafter jene Struktur, die das Signal zum Rückzug gibt (Mikrotubuli), verfingen sich die Zellen in den Poren, wurden zerstückelt und starben.

    Diese Art der Fortbewegung macht Leukozyten 100 Mal schneller als andere Zellen, die sogenannten Fibroblasten im embryonalen Bindegewebe, die nicht den besten Weg taxieren, sondern sich durch den Körper fressen, indem sie das vor sich liegende Gewebe verdauen.

    Dies könnte sich der Körper bei den weißen Blutkörperchen wohl auch kaum leisten, denn bei deren Bewegungsdrang würden sie so jeden Tag Schneisen der Verwüstung mit einer Gesamtlänge von über zwei Millionen Kilometern durch den Körper ziehen, so die Forscher. (APA, red, 4. 4. 2019)

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