Francesca Habsburg: Warten auf die perfekte Welle

    4. April 2019, 09:51
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    Die Kunstsammlerin wollte Teile ihrer Kollektion nach Prag auslagern. Der Deal platzte. Statt festen Boden für ihr eigenes Museum zu suchen, kreuzt sie nun über die Meere

    Vor zwei Jahren hat sich die Kunstsammlerin Francesca Habsburg aus Wien verabschiedet. Der Aufbruch zu neuen Ufern erfolgte mit dem Ende des Pachtvertrags im Augarten, wo sie von 2011 bis 2017 Ausstellungen gezeigt hatte. Privat verlegte die 60-jährige Millionärin ihren Wohnsitz nach London. Habsburgs Kunststiftung Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21) verblieb zwar in Wien, aber ein wichtiger Teil davon sollte als Dauerleihgabe in das Nationalmuseum in Prag wandern.

    Für die Gattin von Kaiserenkel Karl Habsburg-Lothringen erschien ein Palais im ehemaligen Kronland Böhmen, noch dazu auf dem Hradschin, eine würdige Präsentationsfläche. Das tschechische Museum wiederum freute sich, seine Bestände mit Werken zeitgenössischer Stars wie Sarah Lucas oder Ólafur Elíasson aufzupeppen. Aber der stolz verkündete Deal platzte schon nach kurzer Zeit.

    Zu wenig Platz

    Zu wenig Platz, lautet die offizielle Erklärung von TAB21, warum die Kooperation nicht zustande kam. Das vom Nationalmuseum zur Verfügung gestellte Palais Salm wurde um 1800 als erzbischöfliches Wohngebäude errichtet. Bei der Planung der Eröffnungsschau stellte sich heraus, dass durch die Türen und Fenster keine großen Skulpturen passten. Zudem hätten die Räume nur schwer für Multimediainstallationen adaptiert werden können.

    Aber hat die Kunstmäzenin das Palais nicht geprüft, bevor sie den Tschechen zusagte? Offenbar erschien die Logistik erst bewältigbar, aber mit den Hürden verhärteten sich die Fronten. Dem Vernehmen nach reagierte die Prager Museumsleitung mehr bürokratisch als hilfreich. Auch von zugesagten Depots war keine Rede mehr, und gerade die Ersparnis von Lagerkosten soll ein Argument für Prag gewesen sein.

    "Österreich ist doch nicht meins", vertraute Habsburg schon 2015 einer Schweizer Zeitung an. Damals schmiedete die 1958 in Lausanne geborene, am Luganersee und im Nobelinternat Le Rosey aufgewachsene Industriellentochter Umzugspläne nach Zürich. Bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie halfen aber auch Gespräche mit der Zürcher Stadtpräsidentin nicht.

    Geplatzte Träume

    Bereits im Jahr 2010 hatte die Stiftung TBA21 ihren Plan verlautbart, die Temporäre Kunsthalle Berlin von Architekt Adolf Krischanitz nach Wien zu holen. Habsburgs Lieblingslocation für diesen mobilen Kubus wäre beim Schweizergarten gewesen. Nachdem aus diesem Traum nichts geworden ist, verschaffte die damalige Belvedere-Direktorin Agnes Husslein ihrer Freundin einen kostengünstigen Standort im Augarten.

    Geht es nach den Fotos auf Instagram, hält sich Habsburg jüngst lieber auf dem Meer als an Land auf. Für die Rettung der Ozeane hat die begeisterte Taucherin die Ökoinitiative TBA21 Academy ins Leben gerufen, bei der Künstler und Wissenschafter auf ihrer Yacht Dardanella segeln. Die letzte Wiener Ausstellung zeigte den Output dieser interdisziplinären Expeditionen, kürzlich hat in Venedig eine neue Schau eröffnet.

    Bereits 2015 vertraute Venedigs Bürgermeister der "Peggy Guggenheim des 21. Jahrhunderts" (Die Zeit) die renovierungsbedürftige Kirche San Lorenzo an. In dem aufgelassenen Sakralbau zwischen San Marco und Arsenale fand Ende März die erste Vernissage statt. Die Schau der US-Künstlerin Joan Jonas wird bei der kommenden Biennale von Venedig (ab 11. Mai) garantiert zu den externen Hotspots zählen. Zudem hat die Kunstmäzenin jüngst einen Kooperationsvertrag mit dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid abgeschlossen, das die hochkarätige Sammlung ihres 2002 verstorbenen Vaters zeigt. Sie selbst träume aber von keinem Museum mit ihrem Namen, beteuerte sie in einem Interview.

    Distanz zum Adel

    Apropos Namen: Francescas Nochehemann Karl Habsburg-Lothringen, von dem sie sich schon lange getrennt hat, wurde kürzlich wegen der Verwendung seines Adelstitels angezeigt. Dem Kaiserenkel wird das "von" hierzulande verboten, aber seine Frau muss in ihrem Schweizer Pass kurioserweise nicht darauf verzichten. Die Pressefotos auf der TBA21-Homepage verraten derweil Distanz zu dem Adelsgeschlecht, in das die Erbin eingeheiratet hat: Habsburgs Download-Porträts laufen unter "Francesca Thyssen-Bornemisza". (Nicole Scheyerer, 4.4.2019)

    • "Österreich ist doch nicht meins", vertraute Millionenerbin und Kunstmäzenin Francesca Habsburg einer Zeitung an. Sie lebt derzeit in London
      foto: regine hendrich

      "Österreich ist doch nicht meins", vertraute Millionenerbin und Kunstmäzenin Francesca Habsburg einer Zeitung an. Sie lebt derzeit in London

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