"#Abschiebechallenge": Rechte Hasskampagne sorgt für Empörung

    3. April 2019, 14:59
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    Kreise rund um die rechtsextreme NPD nominieren ihnen missliebige Personen für eine symbolische Außerlandesbringung

    Twitter-User von und rund um die rechtsextreme Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) sorgen derzeit für Aufregung auf Twitter. Denn in ihren Kreisen kursiert eine neue "Challenge". Dabei geht es allerdings nicht um eine riskante Mutprobe, sondern um Angriffe auf Personen, die man als politische Gegner erachtet.

    SPD-Politikerin und Journalisten

    In der "Abschiebechallenge" zeigen sich die Teilnehmer mit einem Schild, auf dem der Name einer Person aufgeführt ist, deren Außerlandesbringung man sich wünsche. NPD-Chef Frank Franz posiert etwa mit einem Zettel, auf dem der Name der SPD-Politikerin Sawsan Chebli notiert ist.

    screenshot: twitter

    Auch andere bekanntere Gesichter der Partei sind am Start. Der ehemalige Vorsitzende und nunmehrige Europaabgeordnete Udo Voigt würde demnach Deniz Yücel abschieben lassen, "weil er ein übler Hetzer" sei. Dabei wirft er dem deutschen Journalisten ein acht Jahre altes Zitat vor, das laut "Correctiv"-Faktencheck aus einem satirischen Text stammt. Yücel gelangte zu größerer Bekanntheit, da er von Februar 2017 bis Februar 2018 in der Türkei wegen angeblicher "Terrorpropaganda" inhaftiert war.

    screenshot: twitter

    Ebenfalls auf eine Journalistin abgesehen hat es Ricarda Riefling. Die Nutzerin, die sich selbst als "aktivistisch und revolutionär" sieht, kandidiert bei der kommenden Europawahl auf Listenplatz drei für die NPD. Auf ihrem Wahlsujet fordert sie die Abschaffung des Paragrafen 130 des deutschen Strafgesetzbuchs, der unter anderem Hetze, Gewaltaufrufe und die Verherrlichung des Nationalsozialismus verbietet.

    screenshot: twitter

    Twitter untätig

    Bei zahlreichen anderen Twitter-Nutzern löst die "Abschiebechallenge" Entsetzen aus. Einige sind dazu übergegangen, die der Challenge zugehörigen Beiträge zu melden oder sich direkt an Twitter zu wenden. Ersten Rückmeldungen des Twitter-Supports zufolge sieht das Netzwerk die Abschiebeaufrufe allerdings nicht als Verstoß gegen seine Richtlinien an.

    Andere wiederum verbreiten nun bearbeitete Varianten der Challenge-Fotos weiter. Darauf zu sehen sind Botschaften, die den Botschaften der NPD wohl diametral entgegenstehen – etwa auf einer Aufnahme des Parteivorstandsmitglieds Claus Cremer. (red, 3.4.2019)

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