Glaubwürdigkeit von Onlinebewertungen hängt von Branche ab

    3. April 2019, 11:05
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    Umfrage: Ärzte- und Krankenhäuserbeurteilungen am vertrauenswürdigsten – 45 Prozent finden Forderung nach Gegenleistung für positives Feedback nicht okay

    Die Glaubwürdigkeit von Onlinebewertungen hängt für 58 Prozent der Österreicher von der Branche beziehungsweise dem Anbieter ab. Noten für Ärzte und Krankenhäuser sowie Bewertungen bei Thalia wird am meisten geglaubt, Immobilienanbieter und Facebook rangieren am Ende der Skala. Das ergab eine im März 2019 durchgeführte Umfrage der Market-Marktforschung in Linz.

    Wie glaubwürdig Bewertungen von Produkten, Hotels und Ähnlichem im Internet sind, kommt für die Österreicher – 1.000 Personen ab 16 Jahre wurden online befragt – zum größten Teil darauf an, wo die Benotung zu lesen ist. Eine gewisse Skepsis ziehe sich laut Market durch. Am glaubwürdigsten sehen die Befragten die Beurteilungen für Ärzte und Krankenhäuser, elf Prozent halten sie für sehr glaubwürdig, 39 Prozent vergaben die zweitbeste Note. Hier gilt es jedoch, Vorsicht zu bewahren. So ergab eine Recherche des STANDARD, dass die Pharmabranche massiv mit Fake-Postings und Bewertungen im Netz wirbt. In dem spezifischen Fall wurde die Wiener Werbeagentur Modern Mind Marketing engagiert, die zuvor angeblich für die ÖVP Wien gearbeitet haben soll.

    Thalia seriös

    Als seriös empfinden Testpersonen die Bewertungen auf der Homepage der Buchhandelskette Thalia. Kommentare über Unterhaltungsangebote wie Konzerte und Kinofilme (9/37), Restaurants und Gasthäuser (8/39) gehören zu den vertrauenswürdigeren. Hotels und Reiseportale liegen ein wenig dahinter. Am unteren Ende der Skala finden sich Immobilienanbieter und Bewertungen auf Facebook. Für ein Viertel sind Kommentare auf der Social-Media-Plattform gar nicht glaubwürdig, ebenso viele vergaben die zweitschlechteste Note, und nur drei Prozent glauben den Meldungen vorbehaltlos.

    Bezahlte Bewertungen

    Mehr als die Hälfte findet es nicht in Ordnung, wenn man für eine positive Bewertung eine Gegenleistung des Unternehmens fordert. Einen ehrenwerten Zugang haben 45 Prozent der Befragten. Sie gaben an, man solle online nur das schreiben, was man dem Verkäufer, Kellner et cetera auch ins Gesicht sagen würde. Ein Drittel kann sich vorstellen, dass die Bewertungen im Internet künftig nur noch unter dem eigenen Namen möglich sein sollen. Immerhin lassen sich drei Viertel der Befragten zumindest teilweise von Onlinerezensionen beeinflussen. Nur sechs – bei den über 50-Jährigen zehn – Prozent sind immun gegen die Aussagen im Internet.

    Fast drei Viertel der Befragten lesen vor einem Kauf oder einer Buchung zumindest ab und zu Onlinebewertungen, 18 Prozent tun dies so gut wie immer. Tendenziell sind es bei den Jüngeren mehr, bei den Älteren weniger, die sich so informieren. Über 50 Prozent geben selbst im Internet Bewertungen ab, fünf Prozent tun das häufig, sieben nur, wenn es etwas zu bemängeln gibt. Über die Hälfte der über 50-Jährigen, aber nur ein Drittel der Jüngeren gibt online keine Meinung zu Dienstleistungen oder Produkten ab. (APA, red, 3.4.2019)

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