Krebs: Bislang unbekannte Proteinvariante spielt zentrale Rolle

    2. April 2019, 15:20
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    Die Entdeckung der neuen Proteinvariante bietet laut Onkologen die Chance auf neue Möglichkeiten in der Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen

    Tübingen – Onkologen der Universität Tübingen und des Universitätsklinikums Tübingen haben eine neue Proteinvariante entdeckt, die bei der Entstehung von Krebs und dem Verlauf der Erkrankung eine wichtige Rolle spielt. Möglicherweise lassen sich daraus neue Möglichkeiten in der Diagnostik und Therapie von Tumorerkrankungen ableiten. Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Fachmagazin EBioMedicine veröffentlicht.

    Die neue Proteinvariante namens ASPP2kappa wurde ursprünglich in den Zellen von Leukämiepatienten entdeckt. Die Forscher konnten beobachten, dass der Krebs schneller wächst und sich medikamentös schwerer behandeln lässt, sobald diese besondere Eiweißform vorkommt. Auch in einer Vielzahl anderer Tumore konnte schließlich die Proteinvariante nachgewiesen werden.

    Das Besondere an der neu entdeckten Proteinvariante, die ein zentrales Gen im Signalweg des programmierten Zelltods betrifft, ist der dynamische Charakter der Entstehung: ASPP2kappa ist in gesunden Zellen nicht oder nur gering nachweisbar – sie entsteht vermehrt als Reaktion auf Zellschädigungen, etwa durch radioaktive bzw. ultraviolette Strahlung, schädliche Umwelteinflüsse oder durch den Kontakt mit Giftstoffen.

    Ein weiteres Puzzlestück

    Die Tübinger Forscher gehen davon aus, dass die bislang unbekannte Proteinvariante entsteht, weil die DNA in den betroffenen Zellen fehlerhaft abgelesen wird. Im Anschluss daran bildet sich ein Protein, dem wichtige Bauteile fehlen. Im Normalfall würde die Zelle bei einer Schädigung von außen den kontrollierten Zelltod einleiten. Die fehlerhafte Proteinvariante aber bremst offenbar diesen Prozess aus und schützt die Zelle vor dem Absterben.

    Diese geschädigten Zellen werden längerfristig zum Problem für den Organismus: Zellschäden häufen sich an und können schließlich zur Entartung der Zelle führen. Ein Tumor entsteht. Die bislang gültige These, dass Genmutationen ursächlich zur Entartung von Zellen führen, wird durch diese Erkenntnis entscheidend ergänzt. "Im vorliegenden Fall konnten wir zeigen, dass die entsprechende DNA der Zelle keinerlei Fehler aufweist", sagt Studienleiterin Kerstin Kampa-Schittenhelm.

    Neuer Therapieansatz erst in mehreren Jahren

    Nun arbeiten die Tübinger Wissenschafter an Möglichkeiten, diese neuen Erkenntnisse in verbesserte Therapiemöglichkeiten umzusetzen. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass es künftig sinnvoll sein kann, schon vor dem Start einer Therapie zu prüfen, ob Krebspatienten in ihren Zellen ASPP2kappa aufweisen oder nicht", erklärt Kampa-Schittenhelm.

    Darüber hinaus lasse sich aus einem Anstieg der Proteinkonzentration während der Behandlung ablesen, ob diese erfolgreich verlaufe: "Tritt das Protein vermehrt auf, ist das nach unseren Erkenntnissen ein Hinweis darauf, dass der Patient auf die Therapie schlechter anspricht."

    Im nächste Schritt müssen die Ergebnisse der Studie noch validiert werden. Dazu sind klinische Patientenstudien mit möglichst großen Fallzahlen notwendig. Darüber hinaus wollen die Tübinger Wissenschaftler Medikamente entwickeln, mit denen die Bildung des neu entdeckten Proteins verhindert werden kann. "Es wird sicherlich noch mehrere Jahre dauern, bis die Erkenntnisse der jetzt veröffentlichten Studie im klinischen Alltag eingesetzt werden könnten", sagt Kampa-Schittenhelm. (red, 2.4.2019)

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