Nasa verurteilt Indiens Satellitenabschuss als "schreckliche Sache"

    2. April 2019, 13:34
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    Indien empfindet sich seit dem Testabschuss als vierte Weltraummacht. Die Nasa sieht die ISS bedroht, 400 Trümmer Müll seien entstanden

    Neu Delhi – Der Direktor der US-Weltraumorganisation Nasa, Jim Bridenstine, hat am Montag scharfe Worte zu Indiens Testabschuss eines Satelliten gefunden. Er bezeichnete den Abschuss vor Nasa-Angestellten als "schreckliche, schreckliche Sache."

    Am vergangenen Mittwoch hatte Indiens Premier Narendra Modi in einer großen Rede verkündet, dass Indien nun die vierte Weltraummacht sei – nach den USA, Russland und China. Denn das Land hat erfolgreich eine Antisatellitenwaffe (Asat) getestet, indem es einen eigenen Satelliten in einem niedrigen Orbit von etwa 300 Kilometer Höhe abschoss.

    Bridenstine kritisierte, dass durch den Abschuss 400 Trümmer Weltraummüll entstanden seien. 24 Trümmer seien nachweislich in eine Höhe befördert worden, die höher als der Orbit der Internationalen Raumstation (ISS) sei. Das Risiko, dass die ISS getroffen werde, sei um 44 Prozent gestiegen.

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    Anders als bei einem chinesischen Antisatellitentest 2007 sind die Trümmer laut dem Nasa-Chef aber niedrig genug geblieben, dass sie sich über die Jahr auflösen würden.

    Angst vor Wettrüsten im All

    Das betonte auch das indische Außenministerium. "Jeglicher entstandener Weltraummüll wird innerhalb von Wochen zerfallen und auf die Erde zurückstürrzen", hieß es in einer Aussendung. Man haben testen wollen, inwiefern man in der Lage ist, die eigenen Weltraumgüter zu beschützen. "Es ist die Verantwortung der Regierung, die Interessen des Landes im Weltraum zu verteidigen." An einem Wettrüsten im All habe Indien kein Interesse, betonte das Außenministerium.

    Doch die Nasa kritisiert, dass der Schritt genau das Erzeugen kann. "Wenn ein Land damit beginnt, dann glauben andere Länder, dass sie das auch tun müssen", sagte Bridenstine. Der Schritt sei nicht vereinbar mit der Zukunft der Raumfahrt. Deren Herausforderungen seien die Kommerzialisierung des niedrigen Orbits oder die Frage, wie man das Weltall für die Menschheit nutzen könnte – etwa durch Herstellung künstlicher Organe im schwerelosem Zustand. Der Testabschuss bringe das in Gefahr.

    Weltraum voller Müll

    Modi, Chef der regierenden BJP, befindet sich außerdem im Wahlkampf. Seine Herausforderer haben ihm vorgeworfen, aus dem Abschuss politischen Nutzen ziehen zu wollen. Von 11. April bis Mitte Mai sind fast eine Milliarde Inder zur Wahl aufgerufen.

    Insgesamt schwirren laut der Europäische Weltraumbehörde (Esa) bis zu 900.000 murmelgroße Trümmer im Erdorbit. Rund 34.000 Objekte sind größer als zehn Zentimeter. (saw, 2.4.2019)

    • Am Montag beförderte ein indisches Vehikel wieder Satelliten aus 28 Ländern ins All. Mit dem Launch von Satelliten aus aller Welt verdient das Land gutes Geld.
      foto: afp/arun sankar

      Am Montag beförderte ein indisches Vehikel wieder Satelliten aus 28 Ländern ins All. Mit dem Launch von Satelliten aus aller Welt verdient das Land gutes Geld.

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