In der Arktis fehlt es an Eisnachschub und damit auch an Nährstoffen

    9. April 2019, 09:00
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    Immer weniger frisches, vor Russland entstandenes Meereis schafft es in das Nordpolarmeer

    Bremerhaven – Die Ökosysteme des hohen Nordens sind von Nährstoffen abhängig, die eingeschlossen im Eis aus den Randgebieten der Arktis herbeitransportiert werden. In früheren Jahrzehnten war das in ausreichendem Ausmaß der Fall. Mittlerweile jedoch schmilzt immer mehr vor Russland gebildetes Eis auf seinem Weg in die zentrale Arktis. Damit kommen immer weniger Nährstoffe dort an, wie nun Forscher vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (Awi) für Polar- und Meeresforschung im Fachmagazin "Scientific Reports" berichten.

    Wenn das Eis durch die Auswirkungen des Klimawandels frühzeitig schmilzt, werden eingeschlossene Nährstoffe nicht im Nordpolarmeer verteilt, so die Wissenschafter. Langfristig sei zu erwarten, dass sich dadurch die Arktis nicht nur physikalisch, sondern auch biologisch und chemisch verändere, sagte Awi-Forscherin Eva-Maria Nöthig: "Das Ausmaß kennen wir noch nicht."

    Einmal quer durch die Zentralarktis

    In den sogenannten russischen Randmeeren des Arktischen Ozeans entsteht im Winter fortwährend Meereis, auch weil dort die Lufttemperaturen extrem niedrig sind – bis zu minus 40 Grad Celsius. Ein starker, ablandiger Wind schiebt dann das im Flachwasser gebildete junge Eis auf das Meer hinaus. Ein Teil wandert durch die Transpolardrift wie auf einem Förderband innerhalb von zwei bis drei Jahren einmal quer durch die zentrale Arktis bis in die Framstraße.

    In diesem Seegebiet zwischen Grönland und Spitzbergen schmilzt es schließlich. Vor rund 20 Jahren erreichte noch etwa die Hälfte des in den Randmeeren gebildeten Eises die zentrale Arktis. Mittlerweile seien es nur noch 20 Prozent, schreiben die Forscher. Der Großteil schmelze vorzeitig.

    Weniger Mineralien und Schwebstoffe

    Da immer weniger in den flachen Küstenzonen erzeugtes Meereis bis zur Framstraße gelangt, kommen dort auch immer weniger Schwebstoffe und Mineralien an, die beim Gefrieren des Wassers im Meereis eingeschlossen werden. Das zeigen Analysen, die Awi-Biologen seit zwei Jahrzehnten in der Framstraße durchführen. Mit dem vorzeitigen Schmelzen des Meereises sinken die Partikel früher ab. In den vom Awi aufgestellten Sedimentfallen in der Framstraße finde man immer weniger sibirische Mineralien, sagte Nöthig.

    Die Forscher verfolgten die Wanderung des Meereises mithilfe von Satellitendaten aus den Jahren 1998 bis 2017. "Jenes Eis, welches heutzutage die Framstraße erreicht, wird zum größten Teil nicht mehr in den Randmeeren gebildet, sondern stammt aus der zentralen Arktis", sagte Thomas Krumpen, ebenfalls Awi-Forscher. "Wir werden derzeit Zeuge, wie ein wichtiger Transportstrom abreißt und die Welt einem meereisfreien Sommer in der Arktis einen großen Schritt näherkommt."

    Bestätigt wird das Ergebnis der Studie durch Messungen der Meereisdicke in der Framstraße. "Eis, das heutzutage die Arktis durch die Framstraße verlässt, ist rund 30 Prozent dünner als noch vor 15 Jahren", betonte Krumpen. Gründe dafür seien die steigenden Temperaturen im Winter und eine früher beginnende Schmelzsaison im Sommer. (red, APA, 9.4.2019)

    • Das Meereis der Transpolardrift hat heute deutlich weniger Zeit, durch die Arktis zu treiben und zu mächtigem Packeis heranzuwachsen.
      foto: alfred-wegener-institut / esther horvath

      Das Meereis der Transpolardrift hat heute deutlich weniger Zeit, durch die Arktis zu treiben und zu mächtigem Packeis heranzuwachsen.

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