Salzburg: Ein Skitouren-Dreitausender für die Osterfeiertage

    4. April 2019, 06:30
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    Der Hocheiser in der Glocknergruppe eignet sich für eine schöne Frühjahrshochtour.

    Was für eine Lage: Im Herzen der Hohen Tauern, südlich des Kitzsteinhorns und quasi gegenüber des Großen Wiesbachhornes, steht die wilde Felspyramide des 3.206 Meter hohen Hocheiser. Kaum zu glauben, dass dieses Felshorn eine vergleichsweise einfache Skihochtour bietet. Auch die Höhenmeterleistung hält sich mit rund 1.350 Höhenmetern in überschaubaren Grenzen.

    Die unmittelbare Nachbarschaft ist technisch gut erschlossen. Gleich zwei Seilbahnen führen vom Enzinger Boden, dem Talschluss des Pinzgauer Stubachtals, hinauf auf 2.315 Meter Seehöhe ins Zentrum der Granatspitzgruppe. Die eine ist die Weißsee-Gletscherbahn, sie bedient das heuer noch bis 28. April geöffnete Skigebiet und das Berghotel Rudolfshütte. Der wuchtige Bau im Hochgebirge war einst das Alpinzentrum des Österreichischen Alpenvereines und wird seit einigen Jahren von einem privaten Hotelier betrieben.

    Außenlager von Dachau

    Die Gletscherbahn ist auch für Skibergsteiger eine willkommene Aufstiegshilfe. Die meisten steuern prominente Gipfelziele wie den Stubacher Sonnblick (3.088 m) oder die Granatspitze (3.086 m) an. Wer nicht direkt vom Tal auf den Hocheiser will, nimmt ebenfalls die Bahn. Die zweite Seilbahn ist die Werksbahn der ÖBB. Die ÖBB produzieren in der Kraftwerksgruppe Stubachteil einen wichtigen Teil ihres Bahnstromes. Der Weißsee neben der Rudolfshütte und vor allem der Tauernmoossee sind die Hauptbestandteile der Kraftwerksanlage.

    Wie im benachbarten Kaprun stößt man auch im Stubachtal auf die Geschichte des Nazi-Terrors. Hier befand sich auf der Kraftwerksbaustelle auf 2.300 Meter Seehöhe ein Nebenlager des KZ-Dachau. Es gibt keine gesicherte Zahl der ermordeten, verhungerten und erfrorenen Zwangsarbeiter. Sie geht in die Tausende. Am Rücken der dünnen Häftlingsbekleidung waren rote Punkte aufgemalt, damit die SS-Schergen besser trafen.

    Wer heute bei einer Hocheiser-Tour über die 1,1 Kilometer lange Staumauer des Tauernmoossees geht, darf trotz der überwältigenden Schönheit der Hochalpenlandschaft kurz auch der von den Nazis Ermordeten gedenken. (Thomas Neuhold, 4.4.2019)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service

    karte: der standard
    • Anreise: Mit dem Pkw nach Uttendorf im Pinzgau und weiter bis an den Talschluss des Stubachtales. Wer auf der Rudolfshütte übernachtet, kann auch bequem mit den Öffentlichen anreisen. Fahrzeit ab Salzburg Hauptbahnhof 2:48 bis 3:22 www.fahrplan.oebb.at
    • Anforderung: Einfache Skihochtour, oft begangen, meist gespurt aber kein Anfängergelände. 1.350 Höhenmeter und 4,5 Stunden von der Rudolfshütte. Nur bei stabilen Bedingungen, im Frühjahr früh aufbrechen!
    • Route: Auffahrt mit der Weißsee-Gletscherbahn zur Rudolfshütte Bergstation. Von hier fährt man auf der morgendlich harten Piste – am besten noch vor der ersten Tourengeherseilbahn um acht Uhr, also mit Übernachtung – bis auf 1.950 m ab. Aus dieser Senke steigt man dann nach Osten rund 100 Höhenmeter in die Niedere Scharte (2.064 m) auf. In die Scharte kommt man auch, wenn man von der Rudolfshütte kurz auf den Hüttenberg Hinterer Schafbichl (2.352 m) über die Piste ansteigt und dann in etwa entlang des Sommerweges am Vorderen Schafbichl vorbei abfährt. Von der Niederen Scharte geht es dann am besten mit Fellen weiter nach Nordwesten zur Staumauer des Tauernmoossees (2.048 m) und über die gewundene Staumauer hinüber in eine kleine Einsattelung. Hier nach Osten durch einen schmalen Abfluss ins Schwarzkarl (Wegweiser, Brücke) und je nach Bedingungen in einem weiten Rechtsbogen oder direkt über den Mitterberg hinauf auf den Nordrücken des Hocheiser. Nun flacher und über einige Stufen über das Hocheiserkees nach Süden auf den Gipfel. Zuletzt gelangt man auf den schmäler werdenden Verbindungsgrat zum Grießkogel – eventuell muss man die letzten Meter ohne Ski bewältigen. Abfahrt wie Anstieg bis in den Sattel unter dem Schwarzkarl, hier aber nicht zurück zur Staumauer sondern nach Nordwesten hinunter bis man auf die ÖBB-Werkstraße trifft. Dieser in unzähligen Serpentinen folgend zum Tunnel kurz vor dem Enzingerboden. Obacht: Der Tunnel ist vereist, stein- und eisschlaggefährdet! Es empfiehlt sich ein Helm und unbedingt eine leistungsstarke Stirnlampe. Hat man diese Schlüsselstelle (es ist tatsächlich die gefährlichste Stelle der ganzen Tour) überwunden, weiter auf der Straße, die wenige Meter vor dem Enzingerboden auf die Zufahrtsstraße trifft.
    • Unterkunft/Einkehr: Berghotel Rudolfshütte www.alpinzentrum-rudolfshuette.at , Alpengasthof Enzingerboden www.enzingerboden.at
    • Ausrüstung: Skitourenausrüstung, Harscheisen, Stirnlampe, Helm, hochgebirgstaugliche Bekleidung.
    • Literatur : Markus Stadler/Uta Philipp, "Skitourenführer Hohe Tauern", Verlag Panico, Köngen 2017. Markus Pusch, "Rother Skiführer Hohe Tauern", Verlag Rother, München 2. Auflage 2014.
    • Karte: Kompass Nr.50, "Kartenset Nationalpark Hohe Tauern", 1:50.000.
    • Lawinenwarndienst: www.lawine.salzburg.at
    • Info Weißsee-Gletscherbahn: www.gletscherwelt-weissee.at , erste Bergfahrt für Skitourengeher um 8.00. Auskunft +43 (0)6563 20150
    • Der Hocheiser ist einer der formschönsten Gipfel der Glocknergruppe, aber es ist schwer vorstellbar, dass das ein Skigipfel ist.
      foto: thomas neuhold

      Der Hocheiser ist einer der formschönsten Gipfel der Glocknergruppe, aber es ist schwer vorstellbar, dass das ein Skigipfel ist.

    • Startpunkt Rudolfshütte: Ein mächtiger Hotelbau mitten im Hochgebirge.
      foto: thomas neuhold

      Startpunkt Rudolfshütte: Ein mächtiger Hotelbau mitten im Hochgebirge.

    • Der Gipfelrücken auf den Hocheiser präsentiert sich als überraschend sanftes Skigelände.
      foto: thomas neuhold

      Der Gipfelrücken auf den Hocheiser präsentiert sich als überraschend sanftes Skigelände.

    • Die Tour führt über die 1,1 Kilometer lange Stauermauer des Tauernmoossees.
      foto: thomas neuhold

      Die Tour führt über die 1,1 Kilometer lange Stauermauer des Tauernmoossees.

    • Gipfelrast im Herzen der Hohen Tauern auf 3206 Meter. In der Bildmitte hinten der Glockner.
      foto: thomas neuhold

      Gipfelrast im Herzen der Hohen Tauern auf 3206 Meter. In der Bildmitte hinten der Glockner.

    • Stirnlampe obligat, ein Helm wäre auch nicht overdressed: Der legendäre Eisvorhang im Tunnel bei der Abfahrt zum Enzinger Boden.
      foto: thomas neuhold

      Stirnlampe obligat, ein Helm wäre auch nicht overdressed: Der legendäre Eisvorhang im Tunnel bei der Abfahrt zum Enzinger Boden.

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