Böhmermann klagt Merkel wegen Kritik an Erdoğan-Schmähgedicht

    2. April 2019, 08:42
    159 Postings

    Verhandlung findet am 16. April statt – Deutsche Kanzlerin hatte Aussagen später als Fehler bezeichnet

    Berlin – Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel wegen ihrer kritischen Einschätzung seines "Schmähgedichts" auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geklagt. Am 16. April soll die Klage vor dem Verwaltungsgericht Berlin verhandelt werden, bestätigte ein Gerichtssprecher am Dienstag. Formal richtet sich die Klage gegen das deutsche Kanzleramt.

    Diplomatischer Eklat

    Böhmermann hatte mit dem Gedicht "Schmähkritik" in seiner Fernsehsendung 2016 einen diplomatischen Eklat zwischen Deutschland und der Türkei ausgelöst. Merkel nannte das satirische Gedicht damals "bewusst verletzend", wie Regierungssprecher Steffen Seibert nach einem Telefonat Merkels mit dem damaligen türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu berichtete. Später bezeichnete sie diese Aussage als Fehler.

    Erdoğan selbst hatte Böhmermann wegen Beleidigung geklagt, das Landgericht Hamburg gab der Klage teilweise statt. Der Moderator darf "ehrverletzende" Verse des Gedichts nicht wiederholen. Der türkische Präsident hatte den Beitrag komplett verbieten lassen wollen. Böhmermann will das Urteil anfechten. (APA, 2.4.2019)

    Nachlese

    Gericht: Erdoğan kann Böhmermann-Satire nicht ganz verbieten lassen – Hamburger Oberlandesgericht bestätigt aber Urteil des Landgerichts gegen Böhmermann: "Satire kann Kunst sein, muss sie aber nicht"

    Schmähgedicht: Auswärtiges Amt muss Medien Auskunft geben – Böhmermann unterstützt Auskunftsklage des "Tagesspiegel" – Er wolle "Klarheit darüber, warum das Bundeskanzleramt sein Gedicht für strafbar hielt"

    • Angela Merkel nannte Böhmermanns Erdogan-Gedicht"bewusst verletzend".
      foto: apa/dpa/rolf vennenbernd

      Angela Merkel nannte Böhmermanns Erdogan-Gedicht"bewusst verletzend".

    Share if you care.