Umweltjournalismus ist nicht zwingend Katastrophenjournalismus

6. April 2019, 08:00
1 Posting

Journalist und Forscher James Painter kritisiert negativen Zugang zur Berichterstattung über Klimawandel

Kein Platz, keine Zeit, kein Interesse des Publikums, schlecht für die Balance: Für den Wissenschafter und Journalisten James Painter (früher BBC, Reuters) sind das die vier Hauptgründe, warum Umweltjournalismus und im Speziellen Berichterstattung über den Klimawandel ein Problem in vielen Medien sind. Beim Journalismusfestival in Perugia (3. bis 7. April) diskutiert der Research Associate am Reuters Institute of Journalism in Oxford auf mehreren Panels über Klimawandel und Medien.

Eine neue Rolle für Umweltjournalisten

Umweltjournalismus ist laut James Painter bisher vor allem negativ. Bilder von Fischen, die sich in Plastikmüll verfangen haben, oder von Vögeln, deren Flügel mit Erdöl verklebt sind, stehen sinnbildlich für eine Form von Katastrophenjournalismus. Umweltjournalismus muss aber nicht zwingend Katastrophenjournalismus sein, Umweltjournalismus kann auch positiv sein, erklärt Painter. Er spricht von einer vertanen Chance vor allem im Videojournalismus, statt abschreckender und negativer Bilder Positives zu zeigen.

Journalisten sollten aus seiner Sicht Wissen vermitteln, Ideen und Dialog. Sie sollen über Unternehmen berichten, die Ökologie und Ökonomie gleichermaßen im Blick haben, Ressourcen sparen und zugleich Wirtschaftswachstum fördern.

Wirtschaftswachstum schlägt Umweltschutz

Für den Kommunikationswissenschafter Robert Hackett (Simon Fraser University, Vancouver) konzentrieren sich viele Redaktionen zu sehr auf Wirtschaftswachstum, Konsum und Unternehmensberichterstattung.

Hackett schlägt vor, statt nur über die negativen Folgen des Klimawandels zu berichten, Hoffnung, Wirksamkeit und Kraft des Einzelnen zu schreiben. Es gelte, die Aufmerksamkeit und besonders das Engagement der Öffentlichkeit in Sachen Umweltschutz zu steigern. Lokalmedien könnten dafür verstärkt über Klimaschutzorganisationen und -aktivisten berichten, da diese für Leser nahe und greifbar sind.

Das kann durchaus funktionieren, findet wiederum Painter. Aber: Lokalmedien hätten oft geringe Ressourcen haben und seien oft auch auf Werbung und Sponsoring angewiesen, was zu einem Interessenkonflikt führen könne.

Mehr Aktivismus gefordert

Painter vermisst in den traditionellen Medien Aktivismus gegen den Klimawandel. Kleinere Plattformen wie unearthed.co.uk von Greenpeace berichteten zwar regelmäßig über negative und positive Nachrichten im Bereich Klimaschutz, würden aber eher als Special-Interest-Medium gesehen.

Painter fordert, dass auch in Finanz-, Gesundheits- und Wirtschaftsressorts über Probleme des Klimawandels berichtet wird. Dringender ist laut Painter kein Thema zu behandeln. (Rafael Gindl, X.4.2019)

Rafael Gindl (22) studiert Content-Produktion & digitales Medienmanagement an der FH Wien. Steht auf Wissenschaftsjournalismus und hört gern Bilderbuch.

Zum Projekt: Vom Internationalen Journalismusfestival in Perugia berichten Studierende des Studienbereichs für Journalismus und Medienmanagement der FH Wien der WKW. >>> Mehr hier im Schwerpunkt über Perugia.

  • Umweltjournalismus muss aber nicht zwingend Katastrophenjournalismus sein, Umweltjournalismus kann auch positiv sein, sagt James Painter, Research Associate am Reuters Institute for the Study of Journalism.
    foto: james painter

    Umweltjournalismus muss aber nicht zwingend Katastrophenjournalismus sein, Umweltjournalismus kann auch positiv sein, sagt James Painter, Research Associate am Reuters Institute for the Study of Journalism.

Share if you care.