Zehn Gebote: Die Modetrends des Frühjahrs

    18. April 2019, 08:31
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    Blazer mit breiten Schulterpolstern, Haarreifen und Radlerhosen: In diesem Frühjahr wird den modischen Hinterlassenschaften der 1980er-Jahre gehuldigt. Zehn Modetrends zum Nachmachen

    foto: ap / invision / chris pizzello

    1 Hosenanzug

    Lady Gaga wusste, was sie tat, als sie vor einigen Monaten bei den Women in Hollywood Awards in einem Ungetüm von einem Hosenanzug erschien. Breite Schultern, weite Hosen, das Modell von Marc Jacobs sollte signalisieren: Ich habe hier heute die Hosen an. Der Popstar führte vor, dass der Hosenanzug mehr als eine zurückhaltende Uniform für Fernsehjournalistinnen wie Corinna Milborn oder Politikerinnen wie Pamela Rendi-Wagner ist. Er muss nicht seriös, er kann auch einmal exzentrisch ausfallen.

    Eingefleischten Modefans braucht das nicht mehr erklärt zu werden. Der Zweiteiler wurde schon im letzten Jahr von Influencerinnen wie Pernille Teisbaeck oder Camille Charriere auf Instagram rauf- und runtergetragen. Oft kommen die Modelle ähnlich breitschultrig wie damals in den 1980ern an Melanie Griffith im Film Working Girl (übersetzt: Die Waffen der Frauen) daher, manchmal auch kariert oder mit gekürzten Hosenbeinen. Wer seine Unabhängigkeit unterstreichen will, trägt dazu Sneaker oder eine Bauchtasche.

    foto: salamander

    2 Dicke Sohle

    Bevor der "Ugly Sneaker" in die ewigen Jagdgründe eingehen wird, gilt es noch einmal, sich auf dicken Sohlen auszutoben. Die Auswahl fällt allerdings schwer. Seit dem Siegeszug des Balenciaga-Modells Triple S, jenes bunten Lego-Klotzes, der 2017 auf den Markt kam, mag kaum ein Hersteller auf ähnlich klobige Varianten verzichten. Allein 20 Yeezy-Modelle sollen in diesem Jahr noch auf den Markt kommen. Wem der Ugly-Sneaker-Trend (hier Tommy Hilfigers Variante in Pastell) nur noch ein müdes Lächeln entlockt, kann noch eine Runde auf seinen Buffalos (ja genau, den Schuhtürmen!) drehen oder sich schon einmal auf schwere schwarze Springerstiefel vorbereiten. Wenn man den Prognosen von Prada oder Bottega Veneta vertrauen darf, werden die nämlich im kommenden Herbst die Nachfolge der Sneaker antreten.

    foto: hersteller

    3 Kunststoff

    Manchmal gelingt es der Mode tatsächlich noch zu provozieren. Nicht wie in den 1960ern mit Miniröcken, sondern mit unzeitgemäßen Materialien wie Kunststoff und Vinyl. Während wir uns daran gewöhnt haben, an der Supermarktkassa fürs Plastiksackerl zu bezahlen, sich Trends wie das Plogging (beim Joggen Müll aufsammeln) verbreiten und Länder wie Jamaika Plastik- und Styroporverpackungen verbieten, flirten Modedesigner ungehemmt mit Kunststoff und Vinyl. Im letzten Herbst wurden beschichtete Trenchcoats ausgeführt, in diesem Frühjahr Accessoires aus transparentem Kunststoff (Tasche im Bild von Acne). Die tragen wir selbstverständlich länger als nur eine Saison.

    foto: hersteller

    4 Haarreif

    Wer hätte gedacht, dass Herzogin Kate tatsächlich einmal modisch ganz vorn mit dabei ist? Ihre aufgepolsterten Samthaarreifen, gefertigt von der britischen Hutdesignerin Jane Taylor, haben Ähnlichkeit mit den auffälligen Modellen, die Miuccia Prada für das Frühjahr verordnete. Seither verbreiten sich die breiten Heiligenscheine (hier von Simone Rocha) rasant, kaum eine Influencerin mag auf das von Miuccia abgesegnete Accessoire verzichten. Dabei gerät in Vergessenheit: Wegbereiterin des Trends war Hillary Clinton. Anfang der 1990er-Jahre absolvierte sie den Wahlkampf von Ehemann Bill – mit Haarreifen in Samt.

    foto: net-a-porter / ap photo / christophe ena

    5 Cargohosen

    Einfach zu tragen ist dieses Kleidungsstück nicht. Die Hose mit den seitlich aufgesetzten Blasebalgtaschen, die vor zwanzig Jahren aus einer Mischung aus Militär-, Arbeits- und der Snowboardhose entstanden ist, ist nicht sonderlich vorteilhaft geschnitten. Meist vermochten es Frauen, die etwas von Mode verstanden, die Cargohose sexy erscheinen zu lassen: Mädchenbands wie TLC oder die Spice Girls kombinierten sie mit bauchfreien Oberteilen. Nun trauen sich auch Luxusmodehersteller wie Louis Vuitton oder Fendi (siehe Bild) ran. Und wir!

    foto: apa / afp / andreas solaro

    6 Neue Opulenz

    Valentino-Designer Pierpaolo Piccioli hat derzeit einen Lauf. Seine aufgeplusterten Couture-Roben bedienen eine neue Sehnsucht nach Opulenz. Die wird derzeit auf dem roten Teppich ausgelebt. Richtungsweisend: Lady Gagas Auftritt im Jänner bei den Golden Globes. Sie trat in einem schulterfreien Traum in Babyblau vor die Kameras, ein lässiger Tribut an Judy Garlands Auftritt in A Star Is Born, dem Original von 1954. Sandra Bullock trat im New Yorker Lincoln Center in einem aufgebauschten Kleid von Martin Grant auf. Auch Picciolis Pret-à-Porter-Kollektion lieferte von den Schultern gerutschte Puffärmel und Schleifen – das Leben der Valentino-Kundinnen: ein Baiser-Traum in Rot, Flieder und weißer Spitze.

    foto: irina gavrich / margaret and hermione

    7 Radlerhosen

    Dank der großartigen Vorarbeit von Trendsettern wie Kanye West und Kim Kardashian ist die Radlerhose nun da angekommen, wo sie hingehört: in der allerersten Reihe. Die Radlerhosen, englisch Bike Shorts, werden jetzt sowohl zum Yoga als auch lässig zum Blazer getragen. Deshalb empfiehlt es sich, sich nicht nur in den Sportabteilungen umzuschauen: Das Wiener Label Margaret and Hermione zum Beispiel bietet farbenfrohe Modelle mit Pinselstrich-Print (siehe Bild) an, beim französischen Modeunternehmen Chanel gehört die Radlerhose gar zu Karl Lagerfelds letzten Hinterlassenschaften. Die gilt es hochzuhalten!

    foto: reuters / andrew kelly

    8 Transparenz

    Okay, manche Ideen von den internationalen Laufstegen müssen nicht eins zu eins nachgeahmt werden. Es reicht, sie als Anregung zu verstehen. Marc Jacobs zum Beispiel schlang den Models in New York semitransparente Tücher um die Köpfe (siehe Bild), Anthony Vaccarello versucht sich bei Saint Laurent Saison für Saison an einsichtigen Entwürfen. Was man davon mitnehmen kann: der neuen Spießigkeit sollte mit gelassenem Selbstbewusstsein begegnet werden. Frauen dürfen ihre Körper zeigen – und das selbstverständlich nicht nur in Größe 36!

    foto: hersteller

    9 Asymmetrie

    Die 1980er-Jahre sind zurück. Diesmal so richtig, auch dank aufregender Netflix-Serien wie Pose. Die amerikanische Produktion verbeugt sich vor der schäbig-glamourösen Ballroom-Kultur im New York der 1980er-Jahre. In diesem Frühjahr schneiden wir uns von den Protagonisten Blanca, Damon, Elektra und Angel eine Scheibe Extravaganz ab. Zum Einstieg beginnen wir mit Asymmetrien und tragen Kleider mit nur einem Ärmel oder versetzten Volants (hier ein Jeanskleid des dänischen Labels Blanche). Bei Louis Vuitton werden die Haare noch dazu seitlich gescheitelt und in alter Popper-Manier auf die rechte Seite übergeworfen – gute Idee.

    foto: hersteller

    10 Muschelschmuck

    Meerjungfrauen, aufgepasst: Der Muschelschmuck muss in diesem Jahr nicht selbst gebastelt oder aus dem Italien-Urlaub hertransportiert werden. Wenn der spanische Retailer Mango ihr eine eigene Kollektion widmet und kleine Nischenlabels wie Wald Berlin (siehe Bild) die Muschel zu Ohrringen, Armbändern, Haarspangen verarbeiten, kann gut und gerne von einem Trend gesprochen werden. Selbst vor der Inneneinrichtung machen die irisierende Oberfläche und die geriffelte Oberfläche der Muschel nicht halt: Wer sich jetzt keine Muschellampe anschafft, ist selbst schuld. (Anne Feldkamp, RONDO Exklusiv, 18.4.2019)

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