Rassismusvorwürfe gegen Welser Buslenker

    1. April 2019, 16:57
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    Ein dunkelhäutiger Bub durfte nicht im Schulbus mitfahren. Die Polizei spricht von einem rabiaten Angriff auf den Fahrer

    Linz – Rassismus im Schulbus oder doch ein Mitfahrverbot nach rabiaten Ausfällen? In Wels gehen aktuell die Versionen über einen Zwischenfall am 29. März an einer Bushaltestelle nahe dem Welser Hauptbahnhof diametral auseinander. Version eins wurde am Montag via Facebook von der Mutter des Schülers in die soziale Welt gesetzt. Demnach habe ihr dunkelhäutiger Sohn zum "x-ten Mal" ohne Gründe nicht in den Schulbus einsteigen dürfen.

    Rassismusvorwürfe

    Die Mutter wirft dem Fahrer rassistische Motive vor. Der Bub dürfe nicht mitfahren, weil er dunkelhäutig sei. Am vergangenen Freitag eskalierte dann die Situation. Als der Bursch erneut vor verschlossenen Bustüren stand – begleitet von seinen beiden älteren Geschwistern, die den Zwischenfall filmten –, kam es zu einem heftigen Wortwechsel, der letztlich in einem Polizeieinsatz mündete.

    Ins Lenkrad gegriffen

    Version zwei servierte dann am Montag die Polizei. Demnach wurde am besagten Tag gegen 7.30 Uhr eine Streife zu der Bushaltestelle gerufen. Dort habe der 64-jährige Schulbuslenker den Beamten mitgeteilt, dass er in der Haltestelle die Schulkinder habe einsteigen lassen, um sie zum Gymnasium zu bringen.

    Er fahre täglich diesen Bus, die Schulkinder seien ihm teilweise bekannt. In den vergangenen Tagen habe sich jedoch der 14-Jährige "mehrmals unangenehm verhalten", außerdem habe er seinen Fahrausweis nicht vorzeigen können. Daher habe er ihm an diesem Tag die Mitfahrt verweigert.

    Diesen Sachverhalt hat der Lenker laut eigenen Angaben auch dem 22-jährigen Bruder des betroffenen Schülers, der in den Bus eingestiegen war, mitgeteilt, sagt Polizeisprecher David Furtner zum STANDARD. Als der Buslenker aus der Haltestelle fuhr, habe ihm der 22-Jährige plötzlich ins Lenkrad gegriffen, den Fahrzeugschlüssel aus dem Zündschloss gezogen und in Richtung der vorderern Einstiegstür geworfen.

    Anschließend sei der 22-Jährige zwischen Lenker und Tür stehen geblieben, sodass der Chauffeur nicht zum Schlüssel gelangen konnte. Dieser verständigte daraufhin die Polizei. Da sich die Türen nur bei eingeschalteter Zündung öffnen lassen, mussten die etwa 70 Schulkinder bis zum Eintreffen der Polizei im Bus warten. Erst als der 22-Jährige die Polizisten bemerkte, hob er den Schlüssel auf und übergab diesen dem Buslenker. Gegen 7.45 Uhr konnten die Schulkinder den Bus verlassen. Der Sachverhalt wurde nun der Staatsanwaltschaft Wels übermittelt.

    In einer Stellungnahme reagierte der Geschäftsführer von Sabtours, die die Fahrt durchgeführt hatte. So sei für Mittwoch ein Termin mit den Eltern, dem Schüler und Vertretern des Busunternehmens angesetzt: "Wir erwarten uns, dass dieses Gespräch zur Deeskalation beiträgt und sich das Verhalten des Schülers ändert." (Markus Rohrhofer, 1.4.2019)

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