Rassistische Beschimpfung: Am Pranger

Kommentar1. April 2019, 12:47
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In der Radikalisierung der Standpunkte werden alle zu Opfern

Wenn der Mob online erst marschiert, ist er kaum noch aufzuhalten. Dass sich so viele Menschen berufen fühlen, einer jungen Muslimin, die rassistisch beschimpft und bespuckt wurde, wenigstens virtuell beizuspringen, wäre grundsätzlich begrüßenswert. Wenn damit nicht neue Opfer geschaffen würden.

Auch der Kanzler fühlte sich – nach einem Bericht der "Krone" – gefordert, den Vorfall zu verurteilen. In dem Video ist zu sehen und zu hören, wie eine Frau bei einer Haltestelle eine andere Frau, offenbar eine Muslimin mit Kopftuch, obszön und rassistisch beschimpft. Die Angreiferin beruft sich dabei auch auf die FPÖ. Empörend.

Natürlich. Aber wer sich dieses Video anschaut, müsste auch erkennen, dass es sich bei dieser Frau um eine psychisch derangierte Person handelt. Das entschuldigt die Attacke nicht, hilft aber bei der Einordnung. Im Empörungsschwall, der sich im Netz kanalisiert, wird aber nicht differenziert, da wird ordentlich reingedroschen.

So funktioniert nun einmal das Internet, könnte man sagen. An dieser Zuspitzung trägt aber auch die türkis-blaue Regierung Mitschuld: Diese lebt davon, Feindbilder zu schaffen und zu pflegen, die Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander auszuspielen. Da werden eben Frauen mit Kopftuch attackiert, da fällt die Meute auch über verwirrte Personen her. In der Radikalisierung der Standpunkte werden alle zu Opfern. (Michael Völker, 1.4.2019)

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