Zweiter Standort Künstlerhaus: Warum Schröder Albertina-Chef bleibt

    Analyse1. April 2019, 05:59
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    Der Vertrag des seit 1999 amtierenden Albertina-Direktors wurde am Wochenende bis 2024 verlängert

    Am Ende musste man sogar Headhunter ausschicken – zu wenige ernstzunehmende Kandidaten sollen sich beworben haben. Ein möglicher Konkurrent, Leopold-Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger, saß in der Findungskommission – und sollte mitentscheiden, dass Klaus Albrecht Schröder, seit 1999 Chef der Albertina, bis 2024 weitermachen darf. Bei Antritt des neuen fünfjährigen Vertrags wird Schröder 64 Jahre alt sein.

    Der Kommission gehörten außerdem Kultursektionschef Jürgen Meindl, der Albertina-Kuratoriumsvorsitzende Christian Konrad und Bernhard Graf (Leiter des Berliner Instituts für Museumsforschung) an – eine Jurybesetzung, von der wahrlich nicht zu erwarten war, dass sie sich für jemand anderen als den schon jetzt längstdienenden Chef eines Bundesmuseums entscheiden würde.

    Neun Bewerbungen

    Immerhin waren doch neun Bewerbungen eingegangen. Schröder war nach einem Hearing von der Kommission als bestgeeigneter Bewerber vorgeschlagen worden, Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) bestellte ihn daraufhin für eine weitere Periode, wie er am Samstag in einer knappen Aussendung verlautbaren ließ.

    "Das Renommee der Albertina in Österreich und auch international spricht für sich", hieß es darin. "Unter Klaus Albrecht Schröder hat das Museum Erfolgsgeschichte geschrieben, die seiner äußerst professionellen Führung des Hauses und seinem Weitblick hinsichtlich der Zukunft mitgeschuldet ist", so Blümel.

    Tatsächlich hatte sich Schröder, der ursprünglich bereits laut über seinen Ruhestand nachgedacht hatte, im Februar 2017 gewissermaßen selbst verlängert: Damals präsentierte er mit Ex-Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) die Übernahme der Kunstsammlung von Karlheinz Essl und Mehrheitseigentümer Hans Peter Haselsteiner als Dauerleihgabe für die Albertina.

    Das Projekt Künstlerhaus

    Präsentiert werden soll diese künftig in einem Teil des Wiener Künstlerhauses, wo mit Peter Zawrel ein einstiger Studienfreund Schröders die Zügel in der Hand hält. Haselsteiner wiederum saniert das altehrwürdige Ausstellungshaus am Karlsplatz mit bis zu 40 Millionen Euro. Mit den Gründungseigentümern, der Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, hatte man sich nicht ohne Konflikte geeinigt. Für Schröder war damals klar, dass die Entwicklung dieses neuen, zweiten Albertina-Standorts nicht ohne sein Zutun vonstatten gehen soll. Er entschloss sich zu einer erneuten, bereits vierten Bewerbung um Vertragsverlängerung.

    Drozdas Nachfolger Gernot Blümel schien es wohl widersinnig, das große Steuerrad, an dem der Albertina-Chef gedreht hatte, jemand anderem als Schröder selbst anzuvertrauen. Einfach durchwinken wollte Blümel das Dauerleihgabenprojekt mit Essl/Haselsteiner trotzdem nicht: Er erwirkte zumindest, dass Essl seine 40 Prozent der Leihgabe in eine Schenkung umwandelt.

    Mit Schröders Wiederbestellung zeigt Blümel aber auch, dass er mit der oft von Experten kritisierten und von Schröder maßgeblich betriebenen Verwässerung der Museumsprofile keine Probleme hat. Museumsordnungen, die gesetzlich festlegen, welches Haus welche Kunst zeigen, sammeln und beforschen soll, gibt es zwar nach wie vor; genau genommen muss man aber längst von totem Recht sprechen. (ANALYSE: Stefan Weiss, 31.3.2019)

    • Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder mit einem seiner Dauerleihgeber und Schenker: Kunstsammler Karlheinz Essl.
      foto: apa/schlager

      Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder mit einem seiner Dauerleihgeber und Schenker: Kunstsammler Karlheinz Essl.

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