Explosion im "Tatort" aus Köln: Top oder Flop?

    Ansichtssache31. März 2019, 20:45
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    In der Folge "Bombengeschäft" kommt ein erfahrener Sprengmeister ums Leben. Die Umstände lassen Ballauf und Schenk zweifeln.

    Sein Beruf war riskant, doch die Umstände, unter denen Peter Krämer ums Leben kam, werfen Fragen auf. Ein Unfall erscheint den Kollegen des erfahrenen Sprengmeisters unwahrscheinlich. Offenbar war einiges im Leben des Toten von geballter Sprengkraft.

    foto: orf/ard/martin valentin menke

    "So wie der Bauer seine Schweine am Gang erkennt, weiß die Tatort-Gemeinde: Wird in Köln ermittelt, droht meist keine intellektuelle Überforderung. Auch muss niemand die Hand vor Augen halten, um unerträgliche Spannung zu reduzieren", sah Birgit Baumann im TV-Tagebuch des STANDARD. Und ist am Ende doch versöhnlich: "Wider Erwarten nimmt der Krimi dann doch noch Fahrt auf. Aus dem Wirrwarr von Geschichten, die alle zusammenhängen, aber irgendwie nicht zusammenpassen, schält sich ein Motiv heraus."

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    foto: orf/ard/martin valentin menke

    "Der 'Tatort' folgt dem Erfolgsrezept der guten alten Verwechslungskomödie", schreibt Colette M. Schmidt im TV-Tagebuch des STANDARD. "Dabei bleibt natürlich jede Menge Spielraum für witzige Dialoge, in denen sich die Kollegen und Kolleginnen ihre gegenseitige Zuneigung in Spitzen und Seitenhieben beweisen. Denn dass sich Klemm, Thiel, Boerne und Haller eigentlich richtig gerne mögen, wird deutlich, wenn sie glauben, jemand von ihnen sei ein Mordopfer geworden oder könnte eines werden."

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    foto: orf/ard/martin valentin menke

    Christian Buß von Spiegel Online analysiert: "Drehbuchautor und Regisseur Thomas Stiller zeigt eine so verschworene wie versehrte Gruppe von Menschen; in der furiosen Münchner Folge "Macht und Ohnmacht" aus dem korrupten Milieu der Streifenpolizisten hatte er bereits ähnlich brutale Abhängigkeitsverhältnisse inszeniert. Sein Kölner "Tatort" ist nun eine Art "Hurt Locker" aus dem deutschen Mittelstand.

    Doch anders als in Kathryn Bigelows Kriegsdrama über ein US-Bombenräumkommando im Irak sieht man hier oft nicht, wie sehr der Druck sich in die Figuren einschreibt. Die Traumata werden oft eher rausgeschrien als sich etwa im ewig alerten oder ewig nervösen Gebaren der Figuren zu zeigen. Es wird zu viel erklärt, zu wenig gespielt."

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    foto: orf/ard/martin valentin menke

    Wenig begeistert ist auch Tobias Sedlmaier von nzz.ch: "Behäbig und routiniert ziehen die Ermittler ihre Kreise in einer aus Eifersüchteleien, Enttäuschungen und Begehrlichkeiten geprägten Verdächtigenkonstellation. Letztlich geht es um die vorgelagerte Frage, wieso Menschen immer wieder Bomben werfen müssen. So zündet der «Tatort» immer wieder kleine Seelenexplosionen, bei denen ein versöhnliches Ende an der rheinischen Imbissbude unpassend wäre.

    Dazu passt die stilsicher triste Inszenierung von Regisseur Thomas Stiller, mit angeschnittenen Gesichtern und Kameraflügen über das Land. Doch die Verbindung des kriminellen Individuums mit dem Gesellschaftlichen mag man hier nicht recht ziehen. Vielleicht, weil das grosse Drama gar nicht so gross und das kleine gar nicht so klein ist."

    Und wie sehen Sie den neuen "Tatort" aus Münster? Top oder Flop? (red, 31.3.2019)

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