Salzburg: Eine Skitour der Superlative auf den Gamskarkogel

    29. März 2019, 15:00
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    Famoser Firn, eine alte Hütte und ein großer Grasberg erwarten einen auf dieser Skitour

    Er hat ein erlesenes Platzerl ausgesucht, der "Bergnarrische" unter den Blaublütigen: Direkt am Gipfel des Gamskarkogels, im Salzburger Pongau, ließ Erzherzog Johann eine Hütte errichten, um das umwerfende Bergpanorama zu genießen. Seit 1828 klebt die Gamskarkogelhütte – auch Badgasteiner Hütte genannt – dort oben, zwischen den Tälern von Gastein und Großarl.

    Es soll die älteste noch bestehende Schutzhütte der Ostalpen sein, die rein für Bergsteiger errichtet wurde. Überdies steht sie auf dem höchsten Grasberg Europas (2.467 m). Wobei beide Superlative nicht unumstritten sind. Die Salmhütte am Großglockner entstand schon 1799, wurde aber später durch Neubauten ersetzt. Und Grasberge gibt’s in Europa viele. Es kommt wohl auf die Sichtweise an: Wie viel alte Bausubstanz muss erhalten sein, damit es noch die Originalhütte ist? Ud wie viele Felsen darf ein Grasberg haben?

    Lawinenverhältnisse beachten

    Fest steht: Die Gamskarkogelhütte ist meist bis Pfingsten unbewirtschaftet. Das soll uns aber nicht von einem Besuch abhalten. Denn der Weg zur ihr führt über herrliche, hindernislose Riesenhänge. Wie sich’s für einen Grasberg im Großformat gehört. Ein früher Aufbruch ist geboten, denn der Aufstieg von Hüttschlag übers Toferntal dauert etwa vier Stunden und die steilen Osthänge oben firnen bald auf. Wer hier zu spät dran ist, lebt gefährlich. Auch bei instabilen Lawinenverhältnissen sucht man sich besser sichere Alternativen für eine Skitour.

    Wer am Gamskarkogel, nach gut 1.200 Höhenmetern, noch genügend Dampf in den Beinen hat, kann den benachbarten Frauenkogel (2.424 m) anhängen. Zusatzaufwand: eine Dreiviertelstunde oder 120 Aufstiegsmeter. Allerdings müssen die Skier auf der zweiten, aperen Hälfte des Verbindungskammes bereits getragen werden.

    Vom Frauenkogel fährt man dann direkt ins Tofernal ab – auch hier über hindernislose Hänge. Kein Wunder. Denn ist der Gamskarkogel tatsächlich der höchste Grasberg Europas, dann müsste der Frauenkogel der zweithöchste sein. Mutmaßlich zumindest. (Uwe Grinzinger, 29.3.2019)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service

    karte: der standard

    Ausgangspunkt: Hüttschlag, gekennzeichneter Parkplatz beim Bauernhof Hinterfeld (ca. 1.240 m).

    Anreise: Mit dem Pkw: Von St. Johann im Pongau über Großarl nach Hüttschlag. Dort unmittelbar vor dem Tunnel rechts (Tafel "Hinterfeld") und 2,6 km hinauf zum Hinterfeld-Bauern (bei zwei Straßengabelungen jeweils rechts: zuerst Tafel "Neuhaus", dann gelber Wander-Wegweiser "Gamskarkogel").

    Mit Öffis: Bus von St. Johann nach Hüttschlag-Neuhof (www.postbus.at), aber v. a. im Frühjahr wenig geeignet – zu späte Ankunft, 300 Höhenmeter zusätzlich.

    Aufstieg: Vom Parkplatz (Schranken) auf der Forststraße sanft bergauf und im Linksbogen ins Toferntal hinein. Bei einer Straßengabelung (bei einer "Respektiere deine Grenzen"-Tafel) leicht geradeaus weiter bergauf, nicht rechts bergab. Ins Tal hinein zu einer Kapelle (1.478 m). (Bis hierher wird die dünne Schneeauflage auf der Straße möglichweise bald verschwunden sein. An den Straßenrändern links und rechts der Straße wird man sich aber noch länger gut mit den Skiern durchschummeln können.) An einem kleinen Stausee vorbei und zu einer Linkskehre der Straße (3 km vom Ausgangspunkt entfernt). Hier die Straße nach rechts verlassen (Wegweiser "Toferscharte, Gamskarkogel"), zum Tofernbach queren und auf einer Brücke über ihn. Dann oberhalb des Baches, entlang der Sommermarkierung, nach Süden zur Harbachalm (1.621 m). Nun weiterhin weitgehend der Sommermarkierung folgen, durch die steileren, bewaldeten Osthänge hinauf. Zwischendurch dreht die Route nach Nordwesten, dann geht es im scharfen Knick nach Südwesten zur Tofernalm (ca. 1.830 m).

    Von ihr noch ca. 5 bis 10 Minuten weiter nach Südwesten, Richtung Tofernscharte. Dann aber, nach Querung eines kleinen Grabens, direkt rechts die steileren Hänge hinauf, in Richtung eines Felskopfes. Am Kopf rechts vorbei, um ihn herum und anschließend die noch steileren Hänge (Vorsicht!) nach Westen hinauf. Zwischen kleineren Felsen hindurch und wiederum um einen kleinen Buckel herum. Dann umgeht man einen steileren Hang leicht linkshaltend und steigt nach einem Rechtsbogen noch einmal steil den Schlusshang hinauf, ehe man sich zwischen den Wechten hindurchschummelt zum Gamskarkogel-Gipfel (2.467 m).

    Abfahrt: Im Wesentlichen entlang der Aufstiegsspur (einige Varianten möglich). Von der Tofernalm am besten nicht entlang des Aufstiegsweges, sondern direkt hinunter zur Harbachalm.

    Verlängerung Frauenkogel: Den Gamskarkogel-Nordostrücken ein Stück abfahren (nicht zu weit nach rechts auf die Wechten hinaus!). Ein kleiner Buckel am Kamm wird etwas links unterhalb umgangen, dann weiter hinunter in den tiefsten Sattel zwischen Gamskarkogel und Frauenkogel (ca. 2.300 m). Von dort am Südsüdwestkamm hinauf zum Frauenkogel (2.424 m).

    Vom Frauenkogel nicht gleich in der Falllinie nach Osten hinunter, sondern eher nach Nordosten. Erst später dann östlich halten (zwischen dem nördlichen und dem mittleren Bachgraben in der Frauenkogel-Ostflanke). Zuletzt nach Süden drehen und über einen Karrenweg hinunter auf eine ebene Wiese im Talboden. Über sie nach Osten, auf einer kleinen Brücke über den Tofernbach und hinauf zur Forststraße, die man etwas oberhalb des Mini-Stausees erreicht. Auf der Straße entlang der Aufstiegsroute zurück zum Ausgangspunkt.

    Achtung: Vom Frauenkogel bitte nicht über die Ebenalm abfahren – Wildruhezone!

    Anforderungen: Mittelschwere, steile und recht lange Tour. Stabile Lawinensituation und früher Aufbruch nötig! Ebenso solide Kondition und etwas Orientierungsvermögen. Harscheisen empfohlen!

    Einkehr: Hüttenwirt bzw. Gasthof Almrösl in Hüttschlag (Ortszentrum). Harbachalm, Tofernalm und Gamskarkogelhütte sind im Winter nicht bewirtschaftet.

    Karte: Alpenvereinskarte Nr. 45/1 ("Niedere Tauern I")

    • Schattenwesen: Bald erreicht der Skitourengeher die sonnigen Gipfelhänge des Gamskarkogels.
      foto: uwe grinzinger

      Schattenwesen: Bald erreicht der Skitourengeher die sonnigen Gipfelhänge des Gamskarkogels.

    • Die Tofernalm
      foto: uwe grinzinger

      Die Tofernalm

    • Hält nicht mehr lange: Beim Übergang zum Frauenkogel bleibt man besser auf Abstand zu den Wechten.
      foto: uwe grinzinger

      Hält nicht mehr lange: Beim Übergang zum Frauenkogel bleibt man besser auf Abstand zu den Wechten.

    • Zwergenhaft: Ziemlich winzig sind die Skitourengeher angesichts der Dimensionen am Gamskarkogel.
      foto: uwe grinzinger

      Zwergenhaft: Ziemlich winzig sind die Skitourengeher angesichts der Dimensionen am Gamskarkogel.

    • Zartorange: Die Frauenkogel-Ostflanke (Abfahrtsvariante) im Morgenlicht. Die Spuren zeigen: Auch sie ist gut besucht.
      foto: uwe grinzinger

      Zartorange: Die Frauenkogel-Ostflanke (Abfahrtsvariante) im Morgenlicht. Die Spuren zeigen: Auch sie ist gut besucht.

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