Wann schlafen Tiere im Stehen, wann im Liegen?

    27. März 2019, 16:04
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    Schweizer Forscher versuchten ein System hinter den unterschiedlichen Schlafpositionen zu finden und hatten Erfolg

    foto: apa/afp/wang zhao
    Bei Säugetieren beeinflussen verschiedene Faktoren die Schlafposition – das Ergebnis ist ein bunter Mix.

    Zürich – Warum schlafen manche Tiere im Stehen, manche im Liegen und andere an einen Baum oder eine Wand gelehnt? Und wenn sie sich schon niederlassen – was ist die Ursache dafür, dass manche auf dem Bauch, andere hingegen lieber auf der Seite liegen? Schweizer Forscher haben versucht, ein System hinter den von Art zu Art wechselnden Vorlieben auszumachen. Und sie haben auch eines gefunden – allerdings weist es jede Menge Ausnahmen auf.

    Das Team um Marcus Clauss von der Universität Zürich ging in Zoos und beobachtete das Schlafverhalten von 250 pflanzenfressenden Säugetieren, vom kleinen Klippschliefer bis zum Afrikanischen Elefanten. Mehr als 30.000 Ruhephasen konnten dabei studiert werden, wie die Forscher im "Journal of Mammalogy" berichten.

    foto: ap/alessandro della bella
    Die charakteristische Ruheposition von Kühen auf der Alm war einer der Ausgangspunkte der Studie.

    Als Grundtendenz stellten die Forscher fest: Kleinwüchsige Tiere legen sich gerne auf den Bauch, große und schwere hingegen lieber auf die Seite, da dies bequemer für die Beine ist. Letzteres gilt für Elefanten ebenso wie für Flusspferde oder Kamele – nicht jedoch für Rinder, obwohl diese ja auch keine Leichtgewichte sind.

    Bei Rindern und mit ihnen verwandten Spezies dürfte der Faktor Verdauung die Größe ausstechen: Sie sind Wiederkäuer und in ihrem Magen werden Futteranteile, die es noch einmal zu kauen gilt, anhand der Schwerkraft aussortiert. Der Magen muss daher auch im Ruhen die gleiche Ausrichtung zur Schwerkraft haben – die Seitenlage würde diesen Prozess stören.

    foto: christian schiffmann
    Viel Gewicht auf kurzen Beinen – zwischenzeitliche Entlastung ist da willkommen.

    Elefanten und Flusspferde können nicht wiederkäuen, also dürfen sie sich getrost auf die Seite legen. Kamele wiederum sind zwar Wiederkäuer – anders als Rinder können sie ihren Verdauungsprozess jedoch kurzzeitig unterbrechen und damit in Seitenlage Pausen zur Entlastung ihrer Beine einlegen, so die Forscher.

    Bei Pferden würde sich von der Größe her ebenfalls die Seitenlage anbieten. Allerdings können sie auch problemlos im Stehen schlafen – eine Eigenschaft, die sich im Fall einer plötzlichen Bedrohung als strategisch günstig erweisen kann. Möglich ist ihnen dies, indem sie jeweils im Stand mit ihrer Kniescheibe eines ihrer Hinterbeine "fixieren", ohne dafür die Muskeln anspannen zu müssen.

    foto: christian schiffmann
    Solange es das Alter zulässt, legen sich Elefanten auf die Seite.

    Bei Elefanten kommt überdies der Faktor Alter ins Spiel: In jüngeren Jahren schlafen sie bevorzugt in Seitenlage. Im Alter kommen sie aus der aber nicht mehr so leicht hoch – also schlafen sie dann lieber im Stehen, gerne an etwas gelehnt, das sie stützen kann. Deshalb, so die Uni Zürich, ist es wichtig, dass Zoos im Elefantengehege Sandhügel aufschütten. Das ermöglicht den Tieren ein Schlafen in Schräglage, aus der sie leichter wieder in den Stand kommen.

    Als einzigartig unter den beobachteten Zootieren erwiesen sich laut den Forschern übrigens Riesenkängurus: Sie sind nicht nur Zweibeiner wie wir Menschen, sie schlafen offenbar auch wie wir gerne einmal auf dem Rücken. (red, 27. 3. 2019)

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