Sneaker-Tipps von David Rüb: "Preiswahnsinn nicht mitmachen"

    Interview9. Mai 2019, 07:00
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    Der Geschäftsführer der Zapateria im 7. Wiener Gemeindebezirk über den Trend der Ugly Sneakers, sein ideales Turnschuh-Starterpack und Kai Pflaume

    STANDARD: Sie sind Sneaker-Experte. Welchen Trend konnten und können Sie nicht verstehen?

    Rüb: Ich kann mit dem Hype um superteure Fashionsneaker nichts anfangen. Die werden oft in China produziert und sind einfach von schlechter Qualität, kosten aber trotzdem 700 Euro. Marken möchte ich dazu nicht nennen. Man muss den Preiswahnsinn auf jeden Fall nicht mitmachen. Ich bin davon überzeugt, dass es immer zeitlose Sneaker geben wird, die vor zehn Jahren cool waren und es jetzt immer noch sind. Und dann gibt es eben Trends, die kommen und sterben. Es reicht einfach, eine Adilette mit weißen Socken zu tragen, das ist auch cool.

    STANDARD: In der Sneaker-Szene gibt es immer wieder Trends, die polarisieren. Ugly Sneaker sind ein aktuelles Beispiel. Sie sind im Trend, aber auch umstritten. Wie passt das zusammen?

    Rüb: Nachdem Sneaker ein Teil der Mode sind, ist das gar nicht so unüblich. Es geht oft darum, Sachen zu tragen, die andere bemerken. Je mehr etwas polarisiert, desto mehr wird es auch wahrgenommen. Nebenbei macht es Spaß, mit seinen Sneakern die Blicke auf sich zu ziehen. Ich persönlich bin ein Purist. Wenn dieser Ugly Sneaker relativ nah an einem alten Original ist, dann finde ich den auch ziemlich cool. Modelle wie die Triple S von Balenciaga gefallen mir gar nicht, wobei dicke Buffalos an 15-jährigen Mädchen schon lustig ausschauen.

    foto: mytheresa
    Das Modell Triple S von Balenciaga.

    STANDARD: Welche drei Schuhe würden Sie einem Sneaker-Neuling als Starterpack empfehlen?

    Rüb: Einem Sneaker-Neuling würde ich den Mexiko 66 von Onitsuka Tiger, den Handball Spezial von Adidas und den 997H von New Balance ans Herz legen. Das sind drei Klassiker, teilweise schon 50 Jahre alt, teilweise etwas jünger. Der Mexiko ist ein sehr schmaler, leichter Sneaker mit einem guten Leder. Der Handball ist ein klassischer Indoorschuh, der eigentlich schon immer in Mode war. Und der 997 ist jetzt in einer neuen Variante rausgekommen, die nennt sich eben 997H. Der ist etwas leichter als früher und extrem bequem.

    foto: zapateria
    Der New Balance 997H: für David Rüb ein perfekter Sneaker für Einsteiger.

    STANDARD: Welche Sneaker kann man auch so kombinieren, dass man sie locker ins Büro anziehen kann?

    Rüb: Sneaker von Clae sind sehr klassisch, aber trotzdem coole Modelle. Die kann man wirklich gut im Büro tragen. Ansonsten gibt es von jeder Marke einen schwarzen Schuh, den man kombinieren kann. Oder eben weiße Converse oder Vans, die gehen immer gut im Büro.

    STANDARD: Muss ich meine Sneaker pflegen? Und wenn ja, wie?

    Rüb: Man sollte so gut wie alle Sneaker am Anfang imprägnieren. Wenn man Baumwollschuhe hat, kann man die ruhig mal in die Waschmaschine werfen. Es gibt viele Pflegeprodukte, wenn einem das wichtig ist. Ansonsten ist es auch nicht so schlimm, wenn man einfach mal mit einem feuchten Tuch über seinen Sneaker geht.

    STANDARD: Musiker wie Kanye West oder Pharrell Williams, Sportler wie Michael Jordan, der aktuelle "Spider-Man"-Film: Wie stark ist der popkulturelle Einfluss auf die Sneaker-Szene?

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    Hauptcharakter und "Spider-Man" Miles Morales trägt im Animationsfilm "Spider-Man: Into the Spiderverse" die ikonischen Air Jordan 1 "Chicago".

    Rüb: Dieser Einfluss ist schon seit 30 Jahren stark, seit Run-D.M.C. Und der wird auch weiter bestehen. Im besten Falle beflügelt sich das gegenseitig: Musiker singen weiter über ihre Lieblingssneaker und verändern so auch die Sicht der Hersteller auf die Szene.

    STANDARD: Wie sehen die Sneaker-Trends für 2019 aus?

    Rüb: Es gibt aktuell sehr viele 2000er-Modelle, die im Trend sind. Dazu kommt der Peak der Court-Schuhe, so wie bei Reebok der Club C oder der Revenge. In Sachen Farben sehe ich mehr die 1990er-Jahre: Ich habe in letzter Zeit viel Gelb, Violett und Türkis gesehen, meist dazu noch in Neon.

    STANDARD: Sind nachhaltige Sneaker gefragt?

    Rüb: Ja, sind sie. Und das immer mehr. Wir waren mit der Zapateria vor zwei Jahren etwas zu früh dran, da war die Nachfrage noch nicht so hoch. Aber auch jetzt haben wir vegane Schuhe im Angebot, die in den USA, England oder Portugal hergestellt werden.

    STANDARD: Welchen Instagram-Channel verfolgen Sie, um immer auf dem neuesten Stand zu sein?

    Rüb: Der Account whatsonmyfeettoday ist für mich immer inspirierend.

    STANDARD: Und von wem lässt man sich am besten für Sneaker-Outfits inspirieren?

    Rüb: Von Kai Pflaume, Punkt. (Thorben Pollerhof, 9.5.2019)

    • David Rüb, Geschäftsführer der Zapateria, gibt Tipps rund um das Thema Sneaker.
      foto: zapateria

      David Rüb, Geschäftsführer der Zapateria, gibt Tipps rund um das Thema Sneaker.

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