Monsterwellen vor der US-Westküste werden immer extremer

    Video26. März 2019, 13:55
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    Dafür nimmt ihre Zahl im Durchschnitt leicht ab, wie nun britische Ozeanologen nachgewiesen haben

    foto: noaa
    Riesenwellen können über 30 hoch werden. Hier rollt ein fast 19 Meter hohes Exemplar an einem Schiff vor der Küste von Charleston, South Carolina, vorüber.

    Meist werden sie als Monsterwellen bezeichnet, doch man kennt sie auch als Kaventsmänner oder, im Englischen, als Rogue- oder Freakwaves: Unvermittelt auftauchende, gewaltige Wasserwände im offenen Ozean, die trotz zahlreicher Zeugenberichte bis vor wenigen Jahren noch als Seemannsgarn abgetan worden waren. Spätestens jedoch seit 1995 eine über 25 Meter hohe Riesenwelle in der Nordsee auf die Ölbohrplattform Draupner-E traf und dort von Sensoren registriert wurden, ist klar: Das Phänomen ist keineswegs ein Hirngespinst. Erst vor wenigen Wochen haben Forscher von der Oxford University in einer Studie den Entstehungsmechanismus solcher Kaventsmänner entschlüsselt.

    Als ausgesprochene Kerngebiete für Riesenwellen gelten insbesondere während der Wintersturmsaison der Nordatlantik und die Region vor der nordamerikanischen Pazifikküste. Außerdem zeigte eine Untersuchung aus dem Jahr 2017, dass Monsterwellen nicht so selten sind wie man bis dahin angenommen hatte: In einem Sturmgebiet können demnach kleinere Varianten im Durchschnitt bereits zweimal pro Tag auftreten. Die steilsten und damit auch höchsten Roguewaves kommen immer noch alle drei Wochen vor. Das könnte sich in Zukunft jedoch ändern, wie nun der Vergleich zwischen aktuellen und älteren Messdaten zeigt.

    rogier boer
    Video: Anfang Februar 2008 wurde die Mv.Metsaborg im Nordatlantik von einer über 20 Meter hohen Welle getroffen.

    Leichter Rückgang

    Ein Wissenschafterteam um Meric Srokosz von der University of Southampton (Südengland) veröffentlichte nun im Fachjournal "Scientific Reports" die Auswertung einer Messreihe, die von 15 Bojen vor der nordamerikanischen Westküste zwischen Seattle im Norden und San Diego im Süden stammen. Dabei zeigte sich, dass im Zeitraum von 1994 bis 2016 die Zahl der registrierten Riesenwellen leicht abgenommen hat.

    Doch es gibt auch schlechte Nachrichten: Die Durchschnittshöhe der Freakwaves nahm während dieser Zeit vor allem im Winter kontinuierlich zu, im Mittel um ein Prozent pro Jahr. Verblüffenderweise ebenfalls angestiegen ist die Anzahl der Riesenwellen während Phasen ruhigerer See. Keine guten Aussichten also für die verkehrsreiche Region.

    Viele Schiffe potenziell betroffen

    "Häfen entlang der Westküste Nordamerikas bewältigen annähernd die Hälfte des Containerhandels des Landes. Gemeinsam mit dem Schifffahrtsbetrieb in Zusammenhang mit den kalifornischen Ölbohrplattformen ergibt dies eine große Zahl von Fracht- und Passagierschiffen, die von Riesenwellen betroffen sein könnten", meint Srokosz. "Unsere Untersuchungen könnten dabei helfen, die Industrie besser mit wichtigen zeitlichen und geografischen Daten zu versorgen."

    Die Wissenschafter regen an, ähnliche Analysen für Meeresregionen in anderen Teilen der Welt durchzuführen. Als nächstes planen die Forscher, weitere Studien darüber durchzuführen, wie es zum Auftreten der destruktiven Monsterwellen kommt und warum sich die Frequenz und die durchschnittlichen Höhen der Riesenwellen vor der US-Westküste in den vergangenen Jahrzehnten so verändert haben. Möglicherweise, so die Ozeanologen, haben sich auch die Windverhältnisse gewandelt, was zu stärkeren Stürmen geführt haben könnte. (tberg, 26.3.2019)

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