Wissenschaftsfonds erwägt, Frauenförderung für Männer zu öffnen

    25. März 2019, 15:25
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    Firnberg- und Richter-Programm könnten in zwei Förderschienen für Männer und Frauen umgewandelt werden. Bei der Liste Jetzt schrillen die Alarmglocken

    Wien – Der Wissenschaftsfonds FWF erwägt, seine Programme zur Karriereentwicklung für Forscherinnen auch für Männer zu öffnen. Statt des Hertha-Firnberg- und des Elise-Richter-Programms könnte es bald zwei neue Karriereprogramme für Frauen und Männer geben, wobei "im Sinne eines konsequenten Gender-Budgetings" die für Frauen reservierten Mittel erhöht werden sollen. Kritik daran kommt von der Liste Jetzt.

    Es handle sich dabei allerdings nur um einen Vorschlag, wird im FWF auf APA-Anfrage betont. Man habe einen "ergebnisoffenen Diskussionsprozess" über eine Neugestaltung der Karriereförderschienen gestartet. Ziel der möglichen Umgestaltung sei dabei keinesfalls eine Abschaffung der Frauenförderung, es gehe um eine "Straffung und Stärkung". Am Ende sollen demnach auch nicht weniger, sondern mehr Mittel für Frauenkarriereförderung und – durch Einbindung der Start-Preise, der derzeit höchstdotierten Förderung für Jungforscher – mehr Renommee der Karriereförderprogramme stehen.

    50 Prozent für Frauen

    Der aktuelle Vorschlag sieht vor, dass 50 Prozent der Fördermittel für Frauen reserviert sind und die Bewilligungsquote nicht unter jener von Männern liegen darf. Wie viel Geld in die möglicherweise neu einzurichtenden Förderschienen fließen sollen, steht freilich noch nicht fest. Bis Ende des Jahres läuft nun ein Konsultationsprozess mit den FWF-Gremien (Unis, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen), dem mit Wissenschaftern besetzten Kuratorium sowie Repräsentanten der Frauenförderungsprogramme. Die ersten Projekte im neuen System könnten 2021 bewilligt werden.

    Konkret könnten laut dem FWF-Mehrjahresprogramm 2019 bis 2021 das Hertha-Firnberg- und das Lise-Meitner-Programm in ein "Early-Stage-Postdoc-Programm" überführt werden. Dessen Ziel: das "Gewinnen", "Wiedergewinnen" sowie "Halten" in Österreich tätiger exzellenter Forscherinnen und Forscher. Hochqualifizierten Postdocs, "in besonderem Ausmaß Frauen", soll dabei ein dreijähriges eigenes Forschungsprojekt finanziert werden, damit sie ein persönliches Forschungsprofil entwickeln können. Mentoring und Coaching wären Teil der Ausbildung.

    Alarmglocken

    Das Elise-Richter- und das Start-Programm könnten den Überlegungen nach in ein "Advances-Stage-Postdoc-Programm" überführt werden. Das wäre mit einer "enormen Prestigesteigerung" verbunden, wie ein FWF-Sprecher auf Anfrage der APA hervorhob. Mit der Förderschiene sollen maßgebliche, innovative Forschungsprojekte ermöglicht werden und so herausragende Wissenschafter an Österreichs Forschungsinstitutionen gebunden werden. Auch dieses Programm richtet sich laut Mehrjahresprogramm "in besonderem Maß an Frauen".

    Jetzt-Bildungssprecherin Stephanie Cox betonte gegenüber der APA die wichtige Rolle spezieller Frauenförderprogramme in der Wissenschaft. Frauen würden bei Einreichungen in gemischten Fördertöpfen noch immer diskriminiert, vor allem im MINT-Bereich (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). "Bei mir schrillen alle Alarmglocken, wenn bei der Förderung von Frauen in der Wissenschaft eingespart werden soll. Frauenförderung vor allem für Nachwuchswissenschafterinnen muss ausgebaut werden, nicht eingebremst." Dazu hat sie eine Anfrage an Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) gestellt, geplant ist auch eine an Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP). (APA, 25.3.2019)

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