Trail-Sufragetten auf Moutainbikes

Kolumne27. März 2019, 11:40
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Das Mountainbike ist ein geeignetes Instrument um das Selbstbild von Mädchen zu verbessern, wie die Dirt Divas zeigen

Dass Fahrrad und Emanzipation zusammengehören, ist nicht neu. Blöderweise wissen das meist genau jene Menschen nicht, die von diesem Wissen am meisten profitieren könnten: Junge Mädchen, deren Selbstbild und Selbstbewusstsein gerade von den Entsprech- und Gefallzwängen von Instagram und Co definiert werden, haben dann, wenn sie von furchtlos-fröhlichen Mädchen zu rollenbildkonformen "Mädchen" werden, selten gehört, welche Rolle das Fahrrad im 19. Jahrhundert in der Frauenbewegung spielte: Es machte Frauen mobil und damit unabhängig. Es ermächtigte – und führte einschränkende Bekleidungsnormen ad absurdum: Sufragetten und das Rad – das gehört zusammen.

Mädchen auf Mountainbikes

Klar: Historisches Wissen ist keine Handlungsanleitung – schon gar nicht für Teenager. Aber man kann Theorie ins Hier und Jetzt übersetzen: In den USA adaptieren Initiativen wie die "Dirt Divas" den Sufragetten-Rad-Ansatz – und schicken Mädchen auf Mountainbikes in den Wald: Abseits der permanenten Sicht- und Überwachbarkeit von Schulhof und Social Media verfliegt die Scheu, Herausforderungen auf Anhieb und fotokompatibel zu meistern.

Insta No-Gos

Die Mädchen begreifen, dass sie nur sich – sonst niemandem – etwas beweisen müssen. Nur dann, wenn sie es selbst wollen. Darüber hinaus lehren Erfolgserlebnisse, wie wurscht Dreck und Styling-"Fehler" sind, die auf dem Campus und auf Insta No-Gos wären. Und: Die Mädchen lernen, dass sie schaffen, was ihre Mütter nie wagten. Denn BMX-Räder bekamen in den 1990ern meist nur die Buben. (Thomas Rottenberg, 27.3.2019)

  • Abseits der Überwachung durch Social Medias verfliegt das Bedürfnis permanent fotokompatibel zu sein.
    foto: elmar gubisch

    Abseits der Überwachung durch Social Medias verfliegt das Bedürfnis permanent fotokompatibel zu sein.

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