Österreich blamiert sich mit 2:4-Pleite in Israel

    Video24. März 2019, 19:53
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    Die Foda-Elf fällt nach früher Führung auseinander und startet mit der zweiten Niederlage in die EM-Quali

    Haifa – Andreas Herzog hat beim Abspielen der österreichischen Bundeshymne natürlich keinen Nervenzusammenbruch erlitten. Bei Franco Foda stellte sich die Frage nicht, er ist Deutscher. Das Sammy-Ofer-Stadion in Haifa war am Sonntagabend mittelmäßig besucht (16.180 Zuschauer), aber Willi Ruttensteiner ist ja erst seit acht Monaten Technischer Direktor des israelischen Verbandes. Und Markus Rogan macht den Mentalcoach seit ein paar Tagen.

    der standard
    Die Standardsituation zur 2:4-Niederlage in Israel.

    Beide Teams sind fern von Perfektion in die EM-Qualifikation gestartet, Herzog erreichte daheim gegen Slowenien ein 1:1, Foda musste ein 0:1 in Wien gegen Polen hinnehmen, er war aber mit der Leistung durchaus zufrieden, ja fast angetan gewesen. Wobei er schon zugab, dass das Toreschießen nicht zu den Stärken seiner Mannschaft zählt.

    Drei Umstellungen und Blitztor

    Er nahm drei Änderungen vor, eine gezwungenermaßen, David Alaba musste aufgrund eines leichten Muskelschadens im Oberschenkel passen. Andreas Ulmer rückte nach. Freiwillig wurden Florian Grillitsch und Stefan Lainer ersetzt, Xaver Schlager und Peter Zulj waren die Auserkorenen. Das System wird mitunter überschätzt, es war eine flexible 3-3-3-1-Formation. Kapitän Julian Baumgartlinger, Marcel Sabitzer Zulj und Schlager sollten eine Raute bilden. Zulj war der Zehner, Marko Arnautovic die Solospitze. Valentino Lazaro war defensiver als gegen Polen positioniert.

    Die ersten paar Minuten dienten dazu, sich abzutasten, Herzog war in der Coaching-Zone recht aktiv, seine Spieler hingegen verbargen die angebliche Heimstärke. 8. Minute: Österreich kann doch Tore schießen – Arnautovic kann es. Wunderbarer Wechselpass von Baumgartlinger zu Lazaro, der bedient Zulj, es folgt ein Genieblitz des Anderlecht-Legionärs, er spielt Arnautovic frei, der bleibt kalt wie eine Hundeschnauze, macht das 0:1. Es war sein 21. Treffer im 79. Einsatz. Herzog applaudierte, allerdings war das ein Zeichen der Aufmunterung, ein Hinweis an sein Team, dass es weitergeht. Das Niveau des Weltranglisten-92. war überschaubar. Die ebenfalls nicht gigantische ÖFB-Auswahl vergab Chancen (Arnautovic, Lazaro), Tormann Heinz Lindner hatte frei.

    Spiel gedreht aus dem Nichts

    Bis zu 34. Minute. Aus dem sogenannten Nichts fällt der Ausgleich. Chaos in Österreichs Abwehr, Flanke Eli Dasa, Eran Zahavi köpfelt das 1:1. Herzog applaudierte, ein Hinweis auf Freude. Zwischen der 40. und 41. Minute wurde das Problem mit dem Toreschießen offensichtlich. Arnautovic überwindet aus vier Metern Goalie Ariel Harush nicht, Aleksandar Dragovic köpfelt an die Latte, ein weiterer Kopfball des Innenverteidigers stellt Harush vor eine Prüfung, die er mit Auszeichnung besteht. 45. Minute: Freistoßflanke Bibras Natcho, Zahavi, Legionär in China, köpfelt das 2:1. Die ÖFB-Abwehr hatte ihm nicht einmal Begleitschutz gewährt, ein haarsträubendes Verhalten. Nach der Pause wollte Israel kontern. 54. Minute: Zahavi kontert nicht, sein strammer Schuss aus 18 Metern führt zum 3:1. Herzog applaudiert, applaudiert, applaudiert, Foda verfällt, verfällt, verfällt.

    Er brachte nach einer Stunde Marc Janko und Karim Onisiwo. Die Peinlichkeit nahm trotzdem ihren Lauf. 66. Minute: Salzburg-Legionär Munas Dabbur schließt einen Konter zum 4:1 ab, er trifft im zweiten Versuch. Somit war die Bankrotterklärung des österreichischen Fußballteams besiegelt. 75. Minute. Nach einem Lattenschuss von Sabitzer staubt Arnautovic zum 2:4 ab, er ist nun 22-facher Schütze. Wurscht. Zahavis vierten Treffer verhinderte in der Nachspielzeit die Stange.

    Herzog hat alles richtig gemacht. Er umarmte nach Abpfiff den gebeutelten Foda, sprach ihm länger Mut zu. Wöber, weil schon länger aus dem Spiel, fand als Erster Worte: "Das ist sehr bitter. Es gibt keine Erklärung für diese Niederlage." (Christian Hackl aus Haifa, 24.3.2019)

    EM-Qualifikation, Gruppe G, 2. Runde, Sonntag

    Israel – Österreich 4:2 (2:1)
    Haifa, Sammy-Ofer-Stadion, 16.180 Zuschauer, SR Aranowski (UKR)

    Torfolge:
    0:1 (8.) Arnautovic
    1:1 (34.) Zahavi
    2:1 (45.) Zahavi
    3:1 (55.) Zahavi
    4:1 (66.) Dabbur
    4:2 (75.) Arnautovic

    Israel: Harush – Dasa, Taha (77. Habashi), Yeini, Dgani, Ben Harush – Kayal (72. A. Cohen), Peretz, Natcho – Dabbur (80. Hemed), Zahavi

    Österreich: Lindner – Dragovic, Hinteregger, Wöber (60. Janko) – Lazaro, Baumgartlinger, Ulmer – Schlager (61. Onisiwo), Zulj (85. Kainz), Sabitzer – Arnautovic

    Gelbe Karten: Taha, Dgani, Zahavi bzw. Lazaro, Zulj, Dragovic, Arnautovic, Onisiwo

    Stimmen:

    Franco Foda (Teamchef Österreich): "Wenn man solche Tormöglichkeiten hat auswärts, muss man schon bis zur Pause den Sack zumachen. Wir waren nach der Führung plötzlich nicht mehr so fokussiert im Zweikampfverhalten. Wir hatten nach vorne noch riesige Umschaltmomente, wo wir dann Hacke eins, zwei, drei gespielt haben. Ich bin verantwortlich für die Mannschaft, ich übernehme auch komplett die Verantwortung. Aber wir werden sicher einige Veränderungen vornehmen müssen. Es sind erst zwei Spiele absolviert, wir haben noch acht Möglichkeiten. Aber wenn du so gut im Spiel bist und eigentlich alles im Griff hast, dann musst du konzentriert und fokussiert sein. Das hat etwas mit Mentalität zu tun, das müssen wir schleunigst ändern."

    Andreas Herzog (Teamchef Israel): "Wir sind mit einer 2:1-Führung in die Pause gegangen und haben eigentlich nicht gewusst, warum. Da war Österreich schon stärker. Meine Mannschaft ist jetzt zum dritten oder vierten Mal von einem Rückstand zurückgekommen. Das ist schon eine Mentalität, die sich vielleicht geändert hat. Ein paar wichtige Spieler von uns haben einen absoluten Sahnetag erwischt. Das war auch notwendig. Ich bin extrem stolz auf die Mannschaft. Zwei Spiele, vier Punkte – es schaut gut aus."

    Julian Baumgartlinger (ÖFB-Kapitän): "Es ist sehr bitter. Wir waren zu nachlässig. Wir haben gemerkt, wir sind ganz ordentlich im Spiel, mit Betonung auf ordentlich – es war kein überragendes Spiel von uns. Wir haben trotzdem im eigenen Ballbesitz einiges liegengelassen. Dann reicht eine Standardsituation, dass man vor der Halbzeit in Rückstand ist. Es ist nicht zu entschuldigen. Wir müssen uns selbst an der eigenen Nase packen, es geht nicht, wenn wir alles unter Kontrolle haben, dass wir solche einfachen Dinge herschenken."

    Maximilian Wöber (ÖFB-Verteidiger): "Eine sehr bittere Niederlage. Ich denke, nach dem 1:0 hatten wir die Partie unter Kontrolle, und dann haben wir begonnen, mit Fersler herumzuspielen. Dann ist Israel auch gefährlich geworden, zwei Flanken, zwei Tore. Jetzt stehen wir wie die Beschissenen da."

    • Zwei Arnautovic-Tore waren zu wenig.
      foto: apa/barbara gindl

      Zwei Arnautovic-Tore waren zu wenig.

    • Österreicher verzweifelte ...
      foto: apa/afp/jack guez

      Österreicher verzweifelte ...

    • ... und verzweifelte.
      foto: (ap photo/ariel schalit

      ... und verzweifelte.

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