Brexit könnte Milchmarkt aufwirbeln, weil man Kühe "nicht abstellen kann"

    24. März 2019, 12:14
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    Der Molkereienverband hofft auf geringe Verwerfungen für den europäischen Milchmarkt

    Wien – Der Brexit könnte Auswirkungen auf den Milch- und Käsemarkt in der EU haben und etwa die Milchpreise senken. Zwar exportieren heimische Molkereien verhältnismäßig wenig nach Großbritannien und die Tendenz war zuletzt sinkend. Aber beispielsweise für Deutschland ist die Insel eine wichtige Milch-Exportdestination.

    Durch etwaige Brexit-Verwerfungen könnte mehr Milch aus der EU in der EU bleiben und so könnten die Preise sinken.

    Aus Österreich wurden im Vorjahr nur mehr Milchprodukte im Warengesamtwert von gut 10 Mio. Euro nach UK exportiert. Das Land ist mit dem Anteil an den milchwirtschaftlichen Gesamtexporten von nur 0,89 Prozent nicht in den Top 10 der Ausfuhrdestinationen. 2012 waren es immerhin noch Waren im Wert von 20 Mio. Euro gewesen, so die Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM).

    Die Mengen an Milchprodukten von Flüssigmilch über Milchprodukte, Molkeprodukte, Butter und Käse nach Großbritannien ist aber groß. So gingen voriges Jahr an die 500.000 Tonnen Käse vom Kontinent auf die Insel. Bei flüssiger Milch waren es gut 200.000 Tonnen.

    VÖM-Präsident Helmut Petscher, er ist auch Geschäftsführer der Kärntnermilch mit Sitz in Spittal/Drau, hat wegen der möglichen Brexit-Verwerfungen im Gespräch mit der APA die Hoffnung geäußert, dass die Sache "gemäßigt abgeht" und dass "nicht eine Problematik entsteht wie bei den Russland-Sanktionen".

    Russland-Sanktionen und der Milchpreis

    Nach Russland waren vor den Sanktionen 300.000 Tonnen Käse und 50.000 Tonnen Butter aus der EU gegangen. Als das nicht mehr möglich war, brach der Milchpreis ein. "Beim Brexit wären es 500.000 Tonnen, also praktisch Russland mal zwei", so Petschar. "Gebe es einen harten Brexit und plötzlich bliebe die Gesamtmenge in der EU, das wäre eine ziemliche Auswirkung auf den Milchpreis, weil viel zu viel Milch da wäre." Petschar gab aber zu bedenken, dass von britischer Seite angedeutet wurde, im Zuge des Brexit so wenige Zölle wie möglich aufzubauen. "Und beispielsweise der Käse ginge dort ja ab. Da wären ja die Regale leer."

    Für Deutschland ist das Vereinigte Königreich eines der wichtigsten Exportländer für Agrarprodukte, vor allem für Käse und Butter, zitierte die Deutsche Presseagentur dpa hingegen Karsten Schmal, Milchpräsident im Deutschen Bauernverband (DBV). Der Brexit sei eine "große Unbekannte". Niemand wisse, wie es kommt. Niemand könne planen.

    Bisher fahren die Kühllaster einfach über die Grenze und liefern die Produkte in die britischen Supermärkte. Ist Großbritannien nicht mehr in der EU, müsste jeder Lastwagen am Zoll abgefertigt werden und möglicherweise Zollgebühren zahlen.

    Das wäre für alle exportierenden Branchen eine Schwierigkeit, aber für die Milchbranche ganz besonders: "Das sind alles leicht verderbliche Waren, die müssen mit einem Kühl-Lkw gefahren werden. Was passiert, wenn der angehalten wird über mehrere Stunden, und der Motor muss abgestellt werden? Wie erfolgt dann eine Kühlung?" Wird der Transport so verkompliziert – und vor allem verlängert -, müsse man sich möglicherweise andere Märkte suchen, sagt Schmal. Weniger zu produzieren, sei keine Option, da man "die Kuh ja nicht einfach abstellen kann". (APA, 24.3.2019)

    • Das ist Enzo, der auf einem deutschen Hof an der Leine der 17-jährigen Kuh Belinda zieht, die bereits fast 150 000 Liter Milch gegeben hat. Nicht immer ein Vorteil, wie die Milchbranche findet.
      foto: apa/dpa/thomas frey

      Das ist Enzo, der auf einem deutschen Hof an der Leine der 17-jährigen Kuh Belinda zieht, die bereits fast 150 000 Liter Milch gegeben hat. Nicht immer ein Vorteil, wie die Milchbranche findet.

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