Heumarkt: Wiener Hochhausdynamik und untergrabenen Autonomie

    23. März 2019, 18:00
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    Kommentare der STANDARD-Leser zur Debatte um das geplante, nunmehr auf Eis gelegte, Heumarkt-Projekt

    Seltsame Bündnisse

    Betrifft: "Ein hoher Preis für das Welterbe" von Eric Frey

    Eric Frey vernebelt – ganz im Tonfall der Projektbetreiber – die Argumentationen zum geplanten Heumarkt-Turm. "Niemand will neue Türme innerhalb des Rings errichten. Aber auf dem ehemaligen Glacis braucht Wien (...) auch Hochhäuser."

    Frey will glauben machen, der "Ring" bestehe aus der Fahrbahn und den beiderseitigen Fassaden. Aber der Bereich der Ringstraße, in dem nur wenige öffentliche Monumentalbauten die einheitliche Gebäudehöhe überragen, umfasst – mit zwei Quadratkilometern – eben alle ehemaligen Festungs- und Glacis-Flächen. Von den 25 Monumentalbauten liegen 17 außerhalb des "Rings". Dagegen fällt es niemand ein, "den Bau von Hochhäusern in Zentrumsnähe zu verbieten", weil der "Ring" eben kein solcher, sondern ein "U" ist, der zu schonende Bereich deshalb am Donaukanal endet und sogar die Weltkulturerbezone die Hochhausdynamik bis ans Ufer zulässt.

    Und freilich braucht bei einer vernünftigen Stadtplanung niemand, nicht einmal die "einstige Kaiserstadt", einen Weltkulturerbestatus. Im Fall von Verständnislosigkeit allerdings muss die Vernunft seltsame Bündnisse eingehen.

    Hermann Czech, Architekt, 1010 Wien

    Dank für zwei Feststellungen

    Ich danke Herrn Frey speziell für zwei Feststellungen: "mittelmäßig" für den Entwurf Isay Weinfelds und "spannende Architektur" als Erfordernis. Ein meines Erachtens unschönes Hotel abzureißen, um etwas Mittelmäßiges, ich meine, noch weniger Schönes hinzubauen, finde ich armselig und einer modernen Weltstadt nicht angemessen. Weinfelds Entwurf hat die Ausschreibung leider gewonnen. War unter den anderen Entwürfen wirklich keiner, der Freys Wunsch nach "dynamischem Bauten mit spannender Architektur" entsprochen hätte?

    Michael Ledwinka, 3435 Zwentendorf an der Donau

    Gähnfaktor am Rande

    Betrifft: "SPÖ will zwei Jahre über Heumarkt nachdenken"

    Jetzt hat die SPÖ Wien eine "Nachdenkpause" verordnet. So etwas gilt in Österreich als gute Tradition. Aus einer Nachdenkpause ist der heutige Nationalpark Donauauen entstanden. Und warum soll Nachdenken etwas Schlechtes sein, wenn es im Einzelfall um sehr viel geht und das Ergebnis von Zu-wenig-Nachdenken kaum umkehrbar wäre?

    Dass die Bundesregierung reflexartig nachhakt, damit sie mehr als die Stadtregierung verlangen und sich selbst als die eigentliche Retterin in Not verkaufen kann, ist ein Gähnfaktor am Rande, der mit dem Fall an sich nichts zu tun hat.

    Gerfried Schmidt, 8551 Wies

    Untergrabene Autonomie

    Die Bundesregierung ist im Rahmen der österreichischen EU-Präsidentschaft nachdrücklich für das Subsidiaritätsprinzip eingetreten. Nur scheint ihr nicht bewusst zu sein, dass dieses Prinzip auch innerhalb von Österreich gilt. Ihr Vorgehen beim Heumarktprojekt zeigt, dass sie die Gemeindeautonomie, in diesem Fall von Wien, untergraben will. Dazu will Vizekanzler Heinz-Christian Strache, stets auf der Spur des von ihm offen bewunderten Viktor Orbán, auch die Autonomie des ORF und damit die Pressefreiheit untergraben, indem der ORF künftig aus dem Bundesbudget finanziert werden soll, womit der Einfluss der Bundesregierung gestärkt wird. Freiheit sieht anders aus.

    Walter Sandtner, per E-Mail (23.3.2019)

    • Das Heumarkt-Areal, eine umstrittene Ecke Wiens.
      foto: apa/hans punz

      Das Heumarkt-Areal, eine umstrittene Ecke Wiens.

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