Wen der Affe laust

24. März 2019, 09:00
69 Postings

Rassismusvorwurf bei ,Dancing Stars'", Trost vom Jeannée für Gottschalk: Nur der gut genährten Regierungsboulevard kann uns Wege aus diesen Dickichten weisen

Wir leben in schweren Zeiten. Rassismusvorwurf bei "Dancing Stars". Petzner-Fans attackieren Gerald Grosz. Gottschalk: Ehe-Aus nach 42 Jahren. Haider: "Bohlen ist ein A****!" Und dabei blieb noch die Frage unbeantwortet: Ist es das Ende des Promi-Kriegs zwischen den Medien-Profis – gemeint waren Christian W. Mucha und Dominic Heinzl – oder nur eine Pause? Hätten wir nicht den mit Regierungsinseraten gut genährten Regierungsboulevard – wer sonst könnte uns Wege aus diesen Dickichten weisen?

Allen voran natürlich macht sich da Michael Jeannée an sein schweres Geschäft, dem lieben Thomas Gottschalk, aber nicht dessen Frau, einen rührenden Trostbrief unter Society-Männern hinweg über die Grenzen des Landes und den Wandel der Zeiten zu senden. Thomas und Thea – das war sakrosankt! Da traute sich kein schnüffelnder Schreiberling drüber, da gab es nichts aufzudecken. Das ist jetzt natürlich anders. Jetzt sind die besten, die härtesten Society-Enthüller der Branche am Zug, die niemals Pardon geben. Ihre Jagd ist eröffnet. Aber wem sag ich das?

"Pappenheimer-Journalisten"

Ja, wem? Wer wüsste das nicht besser als Du, der seine Pappenheimer-Journalisten kennt wie kaum ein anderer deutscher Entertainer, darunter auch den Pappenheimer-Journalisten, der sich den Lesern mit seiner Post als alter Bekannter des nunmehrigen Opfers der härtesten Society-Enthüller empfiehlt, an das sich jetzt auch der schnüffelnde Schreiberling drübertraut. Warum sich Jeannée gar so echauffierte, erklärt sich vielleicht damit, dass "Österreich" weniger überrascht von der Trennung melden und das auch bildlich belegen konnte: Bei einer Benefizgala Ende November machten die beiden kein Geheimnis mehr aus ihrer Zweisamkeit.

Offenbar hätte es doch etwas aufzudecken gegeben, aber entweder die Schnüffelqualitäten der härtesten Society-Enthüller oder die Enthüllungsqualitäten der Schnüffler lassen nach.

In einen Wirbel geraten

Mehr Erfolg hatte Jeannée, als er im Zusammenhang mit einem Streit unter "Dancing Stars" mit zutiefst humanistischer Aufklärung einspringen konnte. Zwei, die eigentlich gemeinsam über das glatte Parkett bei "Dancing Stars" wirbeln sollten, wie Mittwoch beim Adabei zu lesen war, waren in einem Wirbel geraten, in dessen Verlauf Tanz-Profi Helene Exel und Comedian Soso Mugiraneza wegen des in seine Richtung fallenden Wortes "Affe" auseinandergerieten.

Nun soll es vorkommen, dass sich tanzende Männer mit einer solchen Bewertung ihrer einschlägigen Fähigkeiten von weiblicher Seite öfter konfrontiert sehen, und hätte der Partner bei "Dancing Stars" Soso Maier geheißen, wäre vermutlich keinerlei Aufhebens entstanden. Soso aber sahen ORF-Mäuschen dahinter nun ganz klar einen Rassismus-Eklat.

Rassismusexperte Jeannée

Da kamen sie aber beim Rassismusexperten Jeannée schlecht an. Habt Ihr dort oben auf dem Küniglberg alle einen Affen? Seid Ihr vom Affen gebissen? Ist unsere öffentlich-rechtliche Anstalt ein Wald voller Affen?, sah er sich Donnerstag auf einen Planeten der Affen versetzt. Ich dachte, mich laust der Affe, als ich bei Adabei von einem "Rassismusvorwurf" bei "Dancing Stars" las.

Dabei konnte das gar nicht sein, denn tatsächlich hatte die bildhübsche Blondine den in ihrer Branche üblichen Ausdruck "Monkey Move", Affenschritt, gebraucht, um dem eher tanzfaulen Soso auf die Sprünge zu helfen. Und jetzt typisch: Der aber verstand nur Monkey, Affe, fühlte sich rassistisch beleidigt und fand dafür auch offene Ohren im Küniglberger Wald voller Affen. Denn anstatt ihm klarzumachen, dass in unserem Sprachgebrauch das Wort Affe eine ebenso beliebte wie harmlose Beleidigung ist, die seit Charles Darwin rassistisch komplett ausgedient hat, machte man sich mit Rassismusgeschrei einfach nur lächerlich.

Rassismusgeschrei einfach nur lächerlich

Wenn eher tanzfaulen Dancing Stars schon mit einer ebenso beliebten wie harmlosen Beleidigung auf die Sprünge geholfen werden muss, sollten sie nicht nur über unseren Sprachgebrauch, sondern auch über Charles Darwin so weit informiert sein zu wissen, dass man sich gerade in Österreich mit Rassismusgeschrei einfach nur lächerlich macht. Und für diese Belehrung sollten sie Michael Jeannée dankbar sein. Denn nun herrscht ja wieder eitel Wonne.

Nach so viel Ernst etwas Heiteres, auch aus der "Krone", von der Polizei. Sollte einer der beiden Wallachen, die wir von den Ungarn geschenkt bekommen haben, tatsächlich nicht einsatzfähig sein, können wir ihn jederzeit austauschen. Dieses Glück! (Günter Traxler, 23.3.2019)

  • Artikelbild
    foto: orf/günther pichlkostner
Share if you care.