Erst Schwangerschaftsdiabetes, dann Wochenbettdepression

    24. März 2019, 06:00
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    Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt behandelnden Ärzten, Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes – nach der Geburt des Babys – auf Depressionen zu untersuchen

    Bis zu 15 Prozent aller jungen Mütter entwickeln nach der Entbindung eine postpartale Depression (PPD), auch Wochenbettdepression genannt. Im Gegensatz zu einem kurzzeitig anhaltenden "Baby-Blues" kann sie zu einer dauerhafte Depression oder zu Bindungsstörungen zum Kind führen. Nun zeigt eine aktuelle Meta-Analyse, dass Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes (GDM) häufiger unter PPD leiden als Frauen ohne diese Stoffwechselerkrankung.

    Die Autoren um Milad Azami kamen in ihrer Studie zum Schluss, dass Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes ein erhöhtes Risiko für Wochenbettdepressionen haben. "Es ist die erste systematische Übersichtsarbeit über den Zusammenhang zwischen beiden Krankheitsbildern", sagt Monika Kellerer von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) . "Bislang existierten nur einzelne Studien mit oft widersprüchlichen Aussagen. Nun gibt diese Publikation ein aktuelles und einheitliches Resümee aller relevanten Kohortenstudien zu diesem Thema ab."

    In ihrer Meta-Analyse beziehen sich die Forscher auf 18 Studien, die sich dem Zusammenhang zwischen GDM und PPD widmeten. Insgesamt wurden die Daten von über zwei Millionen Patientinnen berücksichtigt. Als mögliche Ursachen für den Zusammenhang zwischen GDM und PPD nennen die Autoren neuroendokrinologische Vorgänge wie eine gestörte Wechselwirkung zwischen Gehirn und Nebennieren, aber auch den Einfluss des erhöhten Insulinwertes im Blut auf die Schilddrüse. Auch entzündliche Prozesse und Störungen bei der Serotonin-Ausschüttung könnten eine Rolle spielen.

    Depression oder Baby-Blues?

    Nicht zu vernachlässigen sei schließlich der psychische Stress, den der GDM bei der Frau auslöse. Eine Wochenbett-Depression tritt meist innerhalb des ersten Monats nach der Entbindung auf. Charakteristische Symptome sind gedrückte Stimmung, Interessen- und Appetitverlust, Schlafstörungen, erhöhte Ermüdbarkeit, Wertlosigkeits- und Schuldgefühle, verminderte Konzentration sowie Suizidgedanken und -handlungen.

    "Familie oder Umfeld bemerken die Depression nicht immer gleich, oder sie wird mit dem häufiger auftretenden `Baby-Blues´ verwechselt", erläutert Michael Hummel von der DDG. "Denn bis zur Hälfte aller Wöchnerinnen sind von dieser kurz anhaltenden grundlosen Traurigkeit aufgrund einer hormonellen Umstellung nach der Geburt betroffen." Es sei daher wichtig, Patientinnen schnell zu identifizieren.

    Screening nach der Geburt des Kindes

    "Denn eine Wochenbett-Depression kann sich – im Gegensatz zum Baby-Blues – zu einer chronischen Depression mit dauerhafter Bindungsstörung zum Kind entwickeln", ergänzt Ute Schäfer-Graf, Leiterin des Berliner Diabeteszentrums für Schwangere am St. Joseph Krankenhaus in Berlin. "Beim Säugling wiederum können Verhaltensauffälligkeiten sowie Störungen der emotionalen und kognitiven Entwicklung entstehen." Die DDG weist daher darauf hin, Wöchnerinnen mit Schwangerschaftsdiabetes möglichst rasch nach der Entbindung auf PPD zu untersuchen.

    In diabetologischen Schwerpunktpraxen findet meist schon statt: Bei der Nachuntersuchung des Zuckerstoffwechsels füllt die Patientin einen aus zehn Fragen bestehenden Fragebogen aus, mit dem das Risiko auf eine Depression zuverlässig eingeschätzt werden kann. (red, 24.3.2019)

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