Lithium aus Kärnten sucht Geldgeber aus Europa

22. März 2019, 17:27
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European Lithium will eine österreichische AG werden und von Wolfsberg aus Rohstoff für Batterieproduktion liefern

Wien – European Lithium sieht sich durch die vielfältigen Bemühungen um den Aufbau von Batterieproduktionskapazitäten in Europa in der seinerzeitigen Entscheidung bestätigt, in den Lithiumbergbau in Österreich zu investieren. Nun sucht das formell australische Unternehmen, das aber noch heuer eine Aktiengesellschaft österreichischen Rechts werden will, Geldgeber, um den geplanten Produktionsstart Ende 2021, Anfang 2022 schaffen zu können.

Der Geldbedarf ist groß. Auf etwa 430 Millionen Dollar (377 Millionen Euro) taxiert Stefan Müller, nichtgeschäftsführendes Mitglied der Unternehmensleitung, die notwendigen Investitionen, um die Wertschöpfungskette weitestgehend auszureizen. Dazu gehört der Abbau des Erzes, die Abspaltung des nichtlithiumhaltigen Materials und die Umwandlung desselben in sogenanntes Lithium-Hydroxid. Für den letzten Schritt ist der Bau einer Chemiefabrik notwendig, für die noch ein passendes Grundstück in Wolfsberg oder in der nahe gelegenen Gemeinde St. Paul definiert werden muss.

Auswahl des Grundstücks

"Wir können zwischen Angeboten wählen, die zusammen mehr als 300 Hektar umfassen", sagte Müller am Freitag bei einer Projektpräsentation in Wien. Man selbst benötige ein fünf Hektar großes Grundstück, das über logistische Anschlüsse wie Strom, Gas, Wasser und nach Möglichkeit auch Bahn verfügt. Eine Entscheidung soll bis Jahresende fallen.

Wesentlich früher, nämlich schon 2011, ist die Entscheidung gefallen, in Kärnten die Mine mit den Schürfrechten zu erwerben. Die nahe Wolfsberg in der Koralpe gelegene Mine befand sich jahrzehntelang im Besitz der Republik Österreich und ist 1991 um einen Schilling von der damaligen Verstaatlichtenholding ÖIAG an die Kärntner Montanindustrie (KMI) des Industriellen Andreas Henckel-Donnersmarck gegangen. Verkauf und Kaufpreis hatten damals zu parlamentarischen Diskussionen geführt. Letztlich war die Zeit damals aber nicht reif für einen Abbau.

Vorläufige Machbarkeitsstudie

Die KMI, die über die Jahre die Instandhaltung der Grube sicherstellen musste, verkaufte sie vor acht Jahren um kolportierte 9,25 Millionen Euro an die Australier. Das Leichtmetall Lithium ist einer der essenziellen Rohstoffe bei der Herstellung von Batteriezellen für Elektroautos. Lithium wird aber auch für stationäre Stromspeicher, für Handys und Laptops benötigt.

Laut Müller werden sich die Produktionskosten in Wolfsberg auf 6.500 Dollar je Tonne belaufen. Eine unabhängige vorläufige Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass bei einer Gesteinsabbaurate von 800.000 Tonnen pro Jahr etwa 67.000 Tonnen sogenanntes Spodumenkonzentrat gefiltert und aus diesem durch chemische Umwandlung rund 10.000 Tonnen Lithium-Hydroxid gewonnen werden können. Bei einem angenommenen Preis von 16.000 Dollar pro Tonne wäre das ein Erlös von fast 9.500 Dollar pro Tonne.

400 Arbeitsplätze

Nicht alle sind froh über die Aktivitäten von European Lithium, auch wenn in Summe an die 400 Arbeitsplätze entstehen sollen – im Berg, in der Fabrik und beim Abtransport des Materials. Wasserschutzverbände, aber auch Waldbesitzer im betroffenen Gebiet sind sensibilisiert. Müller ist dennoch optimistisch, dass der Zeitplan hält und die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Chemiewerk sowie eine verkürzte UVP für die Mine kein größeres Problem darstellen werden.

In einem Konsortium hat sich European Lithium auch um ausgelobtes Fördergeld des deutschen Wirtschaftsministeriums beworben. Das und andere direkte wie indirekte Zuwendungen sollten die Summe, die European Lithium selbst stemmen müsse, in etwa auf knapp 200 Millionen Euro halbieren, glaubt Müller. (Günther Strobl, 22.3.2019)

  • Auf 1.500 Metern Seehöhe liegt der Eingang in die Lithium-Mine in den Koralpen. Spätestens ab 2022 soll die Produktion des für die Batterieerzeugung wichtigen Rohstoffs beginnen.
    foto: ho

    Auf 1.500 Metern Seehöhe liegt der Eingang in die Lithium-Mine in den Koralpen. Spätestens ab 2022 soll die Produktion des für die Batterieerzeugung wichtigen Rohstoffs beginnen.

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