Unternehmen sehen Roboter kaum als Jobvernichter

22. März 2019, 09:30
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Roboter können immer mehr. Die Angst vor einem Jobabbau ist in China viel größer als hierzulande, zeigt eine Untersuchung

Amazon macht vor, wie Arbeit künftig auch in anderen Betrieben aussehen kann. In den Logistikzentren des US-Konzerns rollen Roboter selbstständig riesige Hallen entlang, tragen bunte Regale, vollgepackt mit Büchern, Waschmittel, Zahnbürsten und was sonst das Herz der Kunden weltweit begehrt. Sie bewegen vollbeladene Regale zu Mitarbeitern, die Waren herauspicken, und leere Regale zu anderen Mitarbeitern, die diese wieder auffüllen. Künstliche Intelligenz trägt ihren Teil dazu bei, dass die Millionen Produkte, die in einer dieser Hallen – zum Beispiel in Deutschland – lagern, rasch ihren Weg zu den Kunden finden.

Für Hannes Pichler ist dies die oberste Liga der Anwendungen, die Roboter derzeit können. Pichler ist beim Unternehmensberater Boston Consulting Experte für das Thema Robotereinsatz in der Fabrik der Zukunft. Diese Zukunft, so seine Einschätzung, ist näher, als manch einer glauben möchte. "Das ist keine Science-Fiction mehr, viele Unternehmen haben heute entsprechende Anwendungen im Test", sagt Pichler.

Maschinen immer vifer

Es sind nicht nur die üblichen Verdächtigen wie etwa die hocheffiziente Automobilindustrie oder Logistikunternehmen, die auf sogenannte Advanced Robotic setzen. Im Unterschied zu herkömmlichen Industrierobotern können solche fortgeschrittenen Roboter selbstständig handeln, ohne menschliche Einflussnahme. Auch in der Fertigung anderer Branchen seien viele Lösungen im Betastadium. Bei Pharmaunternehmen ebenso wie bei der Herstellung von Schokolade.

Der Grund, warum Unternehmen auf die neue Robotergeneration setzen: Die Maschinen können sehr viel mehr als vor einigen Jahren. Vollgestopft mit Sensoren, sind sie etwa immer besser darin, komplexe Greifbewegungen zu vollziehen oder den Weg von A nach B selbstständig zu finden. Scheinbar trivial klingende Aufgaben wie einen Lkw entleeren können sie in ein bis zwei Jahren autonom, ist Pichler überzeugt.

Die Sorgen Chinas

Das Interesse für die Anwendungen sei da. Boston Consulting hat sich in der Sache weltweit bei 1300 Unternehmen umgehört: Produktivitätsfortschritt und Kostensenkung, darauf liegt die Hoffnung, so das Ergebnis. Auch wenn viele einräumen, derzeit eher unzufrieden mit laufenden Prozessen und deren Implementierung zu sein.

Eine Rolle spielen dabei auch die Kosten. Kleinere Systeme sind laut Pichler ab 30.000 bis 40.000 Euro zu haben. In zwölf bis 24 Monaten würde sich das in Europa rechnen. Aufgelegt ist der Erfolg aber nicht. 80 Prozent der Unternehmen haben Erfahrungen mit Advanced Robotics gesammelt, nur elf Prozent haben die Lösungen erfolgreich implementiert.

Indien und China liegen bei Einsatzplänen vorn

Europäische und asiatische Staaten stehen übrignes dem Einsatz von Advanced Robotics deutlich positiver gegenüber als die USA und Kanada. Österreich liegt im Mittelfeld: 89 Prozent der befragten Unter nehmen planen die Implementierung entsprechender Lösungen in den nächsten drei Jahren, Japan (72 Prozent), Kanada (73 Prozent) und die USA (80 Prozent) sind zurückhaltender. Spitzenreiter sind Indien, China und Polen mit Werten von fast 100 Prozent.

Was die Studie auch zeigt: Die Angst vor Jobabbau durch den Einsatz von Robotern ist in China besonders hoch. 67 Prozent der Unternehmen gehen von Jobverlusten aus. Etwa ein Fünftel der Befragten glaubt sogar, dass durch den Einsatz von Robotern mehr als 20 Prozent der Arbeitsplätze verloren gehen. Die Österreicher sehen das entspannter: Dieser Wert liegt hierzulande nur bei fünf Prozent. Nur jedes dritte Unternehmen geht davon aus, dass maximal zehn Prozent der Arbeitsplätze wegfallen. (Regina Bruckner, 22.3.2019)

  • Im Porsche-Werk in Leipzig spielen Roboter bei der Karosseriefertigung eine wichtige Rolle.  Dem Beispiel der Autoindustrie folgen aber mittlerweile auch andere Unternehmen.
    foto: imago

    Im Porsche-Werk in Leipzig spielen Roboter bei der Karosseriefertigung eine wichtige Rolle. Dem Beispiel der Autoindustrie folgen aber mittlerweile auch andere Unternehmen.

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