Vorwürfe gegen Lehrerin: Dunkler Sarkasmus im Klassenzimmer?

21. März 2019, 19:27
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Die Wiener AHS-Lehrerin bestreitet, Schüler erniedrigt zu haben. Eltern wollen ihr aber die Kinder nicht mehr anvertrauen

"No dark sarcasm in the classroom", heißt es im Pink-Floyd-Klassiker Another Brick in the Wall aus dem Jahr 1979. Darin geht es um Lehrer, die Schüler bloßstellen, lächerlich machen und einschüchtern.

40 Jahre später ist die Problematik immer noch aktuell, wie Vorwürfe gegen eine Lehrerin an einer Wiener AHS zeigen. In der Wiener Bildungsdirektion sind bis Donnerstagmittag 15 Stellungnahmen zu der Pädagogin eingegangen, der Schülerinnen und Schüler systematische Erniedrigung vorwerfen. Darin fanden sich zwar "wenige konkrete Hinweise auf neue Verdachtsfälle", wie es hieß. Bis Freitagmittag wurden aber noch Meldungen gesammelt. Eine Elterngruppe kündigte ein ganzes Konvolut an, das die vergangenen zehn Jahre betreffe.

Konkret wird der Pädagogin vorgeworfen, sie habe psychischen Druck ausgeübt und einzelnen Schülern oder auch Gruppen schon zu Beginn des Schuljahres gesagt, dass sie in ihrem Fach durchfallen werden. Willkür bei der Benotung habe dazu geführt, dass sich in der Oberstufe ganze Klassen aufgelöst hätten, weil Schüler durchgefallen seien oder die Schule verlassen hätten.

Nicht Existenz ruinieren

Ziel sei es nicht, die Existenz der betreffenden Lehrerin zu ruinieren, betonten die Eltern. Die Frau könnte ja auch in der Schulverwaltung arbeiten. "Uns geht es um den Schutz der Kinder."

Die beschuldigte Lehrerin hat sich inzwischen via Anwalt zu Wort gemeldet. Die schon lange zurückliegenden Vorwürfe hätten sich bereits in einem Verfahren der Volksanwaltschaft im Jahr 2017 "als vollkommen unbegründet und haltlos" erwiesen, teilte der Anwalt in der ORF-Sendung Wien heute mit: "Es liegen aus der Sicht meiner Mandantin keine neuen Fakten oder Sachverhalte vor." Von einem zweiten Verfahren, das die Volksanwaltschaft nach weiteren Beschwerden von Eltern vor kurzem eingeleitet hat, wisse die Lehrerin nichts.

26.000 Pädagogen in Wien

In der Bildungsdirektion (früher Stadtschulrat) wird betont, dass die ersten Vorwürfe dazu geführt hätten, dass die Lehrerin verpflichtend an einer Schulung für Sozialkompetenz teilnehmen habe müssen. Ob nun weitere Maßnahmen notwendig sind, soll kommende Woche entschieden werden. Auch das Bildungsministerium lässt sich informieren.

Bei 26.000 Pädagogen in Wien gibt es laut Bildungsdirektion einige Dutzend Fälle gravierender Vorwürfe pro Jahr. "Weniger als eine Handvoll" Lehrer würden wegen schwerer Verfehlungen, darunter auch strafrechtliche Verurteilungen, entlassen.

Deeskalationsplan

Ein Deeskalationsplan sieht mehrere Stufen vor: Kommen Eltern und Lehrer nicht zusammen, werden Klassenvorstände eingeschaltet, dann Direktoren. Manche Schulen haben Mediatoren. Dann folgt die Bildungsdirektion, die Schulaufsichtsbeamte, Juristen oder den psychologischen Dienst einschalten kann. Auch die Volksanwaltschaft ist eine Anlaufstelle.

Geht gar nichts mehr, bleibt zumindest noch Pink Floyds Soundtrack für Wutschüler: "Hey, teachers, leave them kids alone". (APA, simo, 21.3.2019)

  • Ist das Verhältnis zwischen Lehrenden und Schülern gestört, bleibt auch der Bildungsauftrag unerfüllt.
    foto: imago/photothek/grabowsky

    Ist das Verhältnis zwischen Lehrenden und Schülern gestört, bleibt auch der Bildungsauftrag unerfüllt.

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