Neuer Trend: Shoppingcenter mit Indoor-Achterbahn

Ansichtssache23. März 2019, 09:00
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Einkaufszentren in Indonesien werden mit Indoor-Achterbahnen ausgestattet. Betreiber in Österreich setzen eher auf Kindererlebniswelten und Systemgastronomie

foto: vekoma

Entertainment wird in Shoppingcentern immer wichtiger, weil man dort, wo man unterhalten wird, gerne ein wenig länger bleibt. Das sogenannte Retailtainment, die Symbiose aus Retail (Einzelhandel) und Entertainment, ist deshalb in aller Munde.

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fotos: vekoma

In Indonesien ist man da schon recht weit: Das niederländisch-chinesische Unternehmen Vekoma hat 40 indonesische Shoppingmalls, die allesamt vom französischen Einzelhandelsriesen Carrefour betrieben werden, mit Indoor-Rollercoastern ausgestattet (Bild: Jakarta). Der asiatische Raum sei hier Vorreiter, sagte Vekoma-Manager Marc Koerts auf der jüngsten Mipim in Cannes zum STANDARD. Europa ziehe nach, in Kiew hat man etwa auch schon eine gebaut.

Mit solchen Achterbahnen könne man sich nicht zuletzt auch von anderen Malls abheben, sagt Koerts. "Überall gibt es die gleichen Shops. Wir können das Unterschiedliche liefern."

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foto: auhofcenter

Solange eben nicht jede Mall eine Achterbahn hat. In Österreich setzt man aber ohnehin derzeit noch auf etwas anderes.

Immer öfter werden gleichwohl auch in österreichischen Einkaufszentren Flächen an Entertainment-Anbieter oder Dienstleister vergeben. Bei der jüngsten Erweiterung des Auhofcenters wurden etwa schon 50 Prozent der neuen Flächen an Nichthandelsbetriebe vermietet, heißt es beispielhaft im jüngst erschienenen EHL-Geschäftsflächenbericht. Unter anderem findet sich dort nun der 2.000 Quadratmeter große Indoor-Action-Spielplatz "Tiger's World".

Und auch The Mall in Wien-Mitte wird im Sommer um eine 900 Quadratmeter große "multimediale Kindererlebniswelt" namens Alice erweitert.

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foto: cc real

Direkt gegenüber dieser Erlebniswelt beim Ausgang zur Invalidenstraße wird außerdem schon im April ein neues Konzeptgastronomielokal namens Josh aufsperren.

Generell steigt auch der Anteil an Gastronomieflächen in Einkaufsstraßen und Einkaufszentren. "Vor allem die Systemgastronomie ist bereit und in der Lage, Quadratmetermieten in ähnlicher Höhe wie Einzelhändler zu bezahlen, und sucht so viele Flächen wie nie zuvor", heißt es in dem EHL-Bericht.

Als Beispiel wird auch das neue Center "Hey!" in Steyr mit 15.000 Quadratmetern Verkaufsfläche angeführt, das am 11. April eröffnet wird. Unter den 35 Shops befinden sich gleich drei Gastronomieanbieter, darunter eine "L'Osteria". Bundesweit sei die Gastronomie im Vormarsch, 400 Standorte werden laut EHL derzeit gesucht.

Bild: Gastrobereich in "Wien Mitte – The Mall"

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foto: standard/cremer

Einzelhandelsflächen in Wien gehen zurück

Die Verkaufsflächen gehen hingegen immer mehr zurück. Heuer kommen kaum neue Flächen auf den Markt, schon 2018 waren es nur 9.000 Quadratmeter. Gleichzeitig werden laufend Flächen vom Markt genommen. "Vor allem Arztpraxen, aber auch Kindergärten und Büros werden verstärkt in ehemaligen Einzelhandelsflächen realisiert", heißt es im EHL-Bericht.

Die Spitzenmieten in Top-Zentren (A-Lagen) sind im Vorjahr leicht von 125 auf 120 Euro je Quadratmeter zurückgegangen. In B-Lagen reichen die Mieten bis 40 Euro, in Bezirkszentren bis zwölf Euro. In diesen weniger attraktiven Lagen geht der Preistrend nach unten. Einen Preisdruck registriert man aber auch bei Neuvermietungen in der Mariahilfer Straße (Bild). Der auch dort voranschreitende Wechsel unter anderem von Textil zu Gastronomie erfordere zudem hohe Investitionen der Vermieter. Und generell seien in der zwei Kilometer langen wichtigsten Einkaufsstraße Wiens unterschiedliche Trends feststellbar. Am positivsten entwickle sich die zentrale Fußgängerzone, die die höchsten Frequenzen aufweist. (Martin Putschögl, 23.3.2019)

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