Wie Menschenaffen auf Kamerafallen reagieren

    24. März 2019, 10:47
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    Die Anwesenheit von Kameras beeinflusst das Verhalten von Schimpansen & Co in unterschiedlicher Weise

    foto: k. langergraber, m. robbins, s. lucchesi
    Schimpansen, Gorillas und Bonobos (im Uhrzeigersinn): Sie alle wurden schon von Kamerafallen erfasst.

    Leipzig – Um die Antwort auf die im Titel gestellte Frage vorwegzunehmen: höchst unterschiedlich. Es gibt keine einheitliche Verhaltensweise, in der Menschenaffen auf Kamerafallen reagieren, die man in ihren Revieren platziert hat. Allerdings lassen sich einige Trends ablesen, berichtet das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie.

    "Unser Ziel war es, die Reaktionen von Schimpansen, Bonobos und Gorillas auf unbekannte Objekte in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, da in der vergleichenden Psychologie häufig Experimente mit neuen Objekten gemacht werden, und wir herausfinden wollten, ob die drei Menschenaffenarten unterschiedlich darauf reagieren", sagt die Primatologin Ammie Kalan.

    Art- und altersspezifische Unterschiede

    Nach dem Vergleich zeigte sie sich vor allem von den deutlichen Unterschieden zwischen Schimpansen und Bonobos überrascht, immerhin stehen sich diese beiden Arten rein genetisch extrem nahe. "Die Schimpansen interessierten sich generell eher weniger für die Kamerafallen – sie schienen ihre Anwesenheit kaum zu bemerken und fühlten sich im Allgemeinen nicht von ihnen gestört", sagt Kalan. "Die Bonobos hingegen fühlten sich von den Kamerafallen gestört. Sie näherten sich ihnen nur zögerlich oder hielten sich sogar absichtlich von ihnen fern."

    Aber auch innerhalb derselben Art zeigten sich starke Unterschiede. Offenbar kann eine dauerhafte Präsenz von Menschen in der Nachbarschaft die Affen etwas desensibilisieren. Unbekannte Gegenstände wie eben eine Kamerafalle finden diese dann nicht mehr so interessant.

    Auch das Alter der Tiere scheint eine Rolle zu spielen: "Jüngere Menschenaffen erforschen die Kamerafallen intensiver, indem sie sie über längere Zeiträume hinweg anstarren", sagt Kalan. "Wie Menschenkinder nehmen auch junge Menschenaffen viele Informationen auf, um mehr über ihre Umgebung zu erfahren. Ihre Neugier hilft ihnen dabei."

    Keine vollkommen unbeteiligte Beobachtung

    Allen gemeinsam war nur ein Umstand, nämlich dass sie auf die Kameras reagierten. Die scheinbar unbeteiligte Beobachtung hat also Einfluss auf das Verhalten der Tiere – ein Umstand, den Forscher laut Kalan in Zukunft berücksichtigen müssen: "Wenn wir Beobachtungsdaten sammeln, könnte es durchaus problematisch sein, dass sich das Verhalten der Tiere angesichts der Aufzeichnungsgeräte je nach Art oder Individuum verändert." (red, 24. 3. 2019)

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