Tomas Hoke im Kärntner Museum Moderner Kunst

    18. März 2019, 15:58
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    Stahl und Tusche treffen auf Leuchtstoffröhren – dem Wiener Künstler ist eine Personale gewidmet

    Dass mit dem Museum Moderner Kunst Kärnten erst jetzt eine kulturelle Großinstitution dem bereits vier Jahrzehnte anhaltenden Schaffen Tomas Hokes eine Personale widmet, ist erstaunlich. Sicher, in seinem grauen Arbeitsoverall kann man Tomas Hoke äußerlich leicht mit dem Hausinstallateur verwechseln. Jede Vermarktungsstrategie ist dem 1958 in Wien geborenen Künstler fern.

    Aber einem aufgeweckten Kulturbetrieb hätte die Konzentration, in der hier ästhetische mit wissenschaftlichen Positionen zur Reaktion gebracht werden, eigentlich schon früher auffallen müssen. Dafür ist die Ladung jetzt ziemlich geballt: Das Museum im Herzen Klagenfurts präsentiert in zehn Sälen einen Überblick über das "vierdimensionale" Werk von Hoke, in der Alpen-Adria-Galerie wird das "zweidimensionale" Werk beleuchtet, und in der Rittergallery eine Auswahl der in den letzten Jahren entstandenen, abstrakten Tuschebilder "Sumi-e", quasi gemalte Haikus, gezeigt.

    Ästhetische Verwandtschaft

    Von den zehn Sälen in der Klagenfurter Burggasse hat man schon neun absolviert, bevor man auf eine Art Ursprung stößt. Da hängt der Johannes mit dem ab geschlagenen Arm, ein Hauptwerk des 2015 verstorbenen Giselbert Hoke, des Vaters von Tomas Hoke. Und es gibt sie wirklich, eine ästhetische Verwandtschaft dieses Johannes mit den daneben platzierten Vier Kriegern des Sohnes.

    Gefaltete Stahlplatten gemahnen von der Technik her an ein "Landschaftsbild", dem man in einem der davor liegenden Räume begegnet. Eigentlich eine Struktur, verblüffend einfach, aber über Jahrhunderte der Kunstgeschichte als Grundmuster der Landschaftsdarstellung lesbar: Sechs querlaufende Stahlrinnen, die unteren drei breit, die oberen drei schmal. Genug, dass unsere Vorstellung Himmel und Erde daraus macht. Sie ist überhaupt immer da, unsere Vorstellung, selbst, wo die Halskrausen Hokes, der sich auch als Schmuckdesigner betätigt hat, gelbblau schillernde Verfärbungen infolge extremer Erhitzung aufweisen.

    Perspektivenverschiebung

    Neben Stahl haben es Hoke Neonröhren und Spiegel angetan. Vervielfältigung und Perspektivenverschiebung hat er anhand von glatten oder gebogenen hochglanzpolierten Edelstahlplatten durchgespielt. Anderes wird durch Annäherung zu Farbveränderungen gebracht. Wie überhaupt der menschliche Körper überall dazugedacht wirkt. Bis in die Darstellung einer Wolke hinein wirken Form und Windung des Gehirns als Vorbild. Und die "neurora", in der sich sprachlich Neuronen und Aurora zu überlagern scheinen, führt mit ihren Lichteffekten in die Unendlichkeit des Kosmos wie in die Winzigkeit der einzelnen elektrisch reizbaren Nervenzelle. (Michael Cerha, 18.3.2019)

    • Den Kopf in den Wolken, heißt es sprichwörtlich: Tomas Hokes wolkige Lichtinstallation "neurora" hat den Querschnitt eines menschlichen Gehirns zum Vorbild.
      foto: museum moderner kunst kärnten

      Den Kopf in den Wolken, heißt es sprichwörtlich: Tomas Hokes wolkige Lichtinstallation "neurora" hat den Querschnitt eines menschlichen Gehirns zum Vorbild.

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