Surfgitarren-Pionier Dick Dale gestorben

    18. März 2019, 12:53
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    Dale machte in den 1960ern den Surfsound Kaliforniens bekannt. Sein Stück "Misirlou" war der Titelsong von Quentin Tarantinos "Pulp Fiction"

    Am bekanntesten wurde einer seiner Titel erst gut 30 Jahre nach dessen Einspielung. Als Titelmelodie von Quentin Tarantinos Film Pulp Fiction von 1994 wurde die Instrumentalnummer Misirlou zum späten Hit des Genres Surf-Rock.

    Der wilde, wüste Gitarrenritt mit der voluminösen, perkussiv gespielten Stakkatomelodie stammt vom 1937 als Einwanderersohn mit polnisch-libanesischer Herkunft geborenen Richard Anthony Monsour. Neben Einflüssen aus der Countrymusik sollten auch dank seiner Herkunft arabische Melodien, die "Dschungeltrommelrhythmen" des Jazzers Gene Krupa (Dick Dale lernte auch Klavier, Schlagzeug und Trompete) sowie diverses außermusikalisches Tiergebrüll eine Rolle spielen. Dick Dale liebte Wildtiere. Zeitweise lebte er in seiner kalifornischen Villa angeblich mit Tigern und Löwen.

    Klassischer Halleffekt

    Dick Dale ließ sich für seinen markanten Sound von der Firma Fender nicht nur den bis heute klassischen Halleffekt bauen, den er als einer der Ersten exzessiv einsetzte. Nachdem er damals weit vor der Zeit heutiger mächtiger Tonanlagen diverses Equipment ruiniert hatte, wurde ihm von Fender auch ein eigener monströser Verstärker mit 100 Watt gebaut. Dick Dale in einem Interview 2011:

    "Ich war der Testpilot für Leo Fenders Erfindungen. Er sagte immer: Wenn die Geräte die Bestrafungen und Racheakte von Dick Dale aushalten, dann sind sie bereit dafür, dass sie von normalen Menschen verwendet werden. Ich habe über 50 Verstärker zerstört. Deshalb nennen sie mich auch den Vater des Heavy Metal."

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    Große, schmerzbereite Lautsprecherboxen und extradicke Saiten sorgten auch dafür, dass Linkshänder Dick Dale bei schier unglaublicher Lautstärke sein Publikum mit einer Fender-Stratocaster-Gitarre niederbügelte, an deren Entwicklung er ebenfalls beteiligt war. Sein Linkshändermodell war originellerweise trotzdem mit den dicken Saiten unten und den dünnen oben bespannt.

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    Titel wie das Stück Let's Go Trippin', Jungle Fever und Surf Beat sowie das Album King of the Surf Guitar von Anfang der 1960er-Jahre gelten als das Genre konstituierende Klassiker. Im Gegensatz zu den bald darauf ungleich erfolgreicheren Beach Boys als "The Second Wave of Surf" stand Dale auch selbst auf einem Surfbrett. Er wusste also, worüber er vor Publikum temporeich verhandelte.

    Späte zweite Karriere

    Im Rahmen der von den Beatles gestarteten "British Invasion" in den USA wurde es dann ruhiger um ihn. Ab den 1970er-Jahren musste er sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Musikszene weitgehend zurückziehen. Nach der Wiederentdeckung durch Quentin Tarantino tourte Dick Dale allerdings wieder live durch die Welt und nahm Platten auf, zuletzt trotz erneuter Krebserkrankung und starker Schmerzen. Er brauchte das Geld schlichtweg, um seine teuren Medikamente bezahlen zu können. Am Samstag ist Dick Dale einem Herzversagen erlegen. Er wurde 81 Jahre alt. (Christian Schachinger, 18.3.2019)

    • Dick Dale, der König der Surf-Gitarre, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Hier sieht man ihn bei einem Konzert in New York im Mai 2007.

      Dick Dale, der König der Surf-Gitarre, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Hier sieht man ihn bei einem Konzert in New York im Mai 2007.

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