Thiem im Indian Wells-Finale gegen Federer

    Video16. März 2019, 21:36
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    Niederösterreicher feiert nach hochklassigem Tennis einen Dreisatzsieg gegen den Kanadier Raonic und trifft im Endspiel auf den Schweizer

    Liveticker: Indian-Wells-Finale: Thiem vs. Federer, 23.30 Uhr

    Indian Wells (Kalifornien) – Dominic Thiem hat am Samstag einen Meilenstein in seiner Tennis-Karriere gesetzt. Der 25-jährige Niederösterreicher bezwang in Indian Wells in einem hochklassigen Hartplatz-Match den wieder erstarkten Milos Raonic (CAN-13) nach 2:31 Stunden mit 7:6(3), 6:7(3), 6:4 und steht erstmals auf diesem Belag im Endspiel eines ATP-Masters-1000-Turniers. In diesem trifft er nun auf Superstar Roger Federer.

    Thiem, der damit ab Montag zumindest wieder Fünfter im ATP-Ranking ist, spielt am Sonntag (2. Match nach 21.00 Uhr MEZ/live Sky, ServusTV) zum insgesamt fünften Mal gegen Federer. Er hat 600 ATP-Zähler sowie ein Preisgeld von brutto 686.000 US-Dollar (606.650 Euro) sicher. Stellt er im Head-to-Head mit dem Schweizer auf 3:2, dann ist er sogar neue Nummer 4 und stellt sein bisher bestes Ranking ein. In bisher zwei Masters-1000-Finali (jeweils in Madrid 2017 und 2018) hat Thiem jeweils verloren.

    foto: apa/afp/getty images/yong teck l
    Beinahe schneller als sein Schatten.

    Der erste Satz war in einem der größten Tennis-Stadien der Welt vor 16.100 Zuschauern wie letztlich fast das gesamte Match von ausgezeichneten Aufschlag-Leistungen beider Spieler geprägt: Kein Spieler fand einen Breakball vor, und obwohl Thiem immer "hinterher" servieren musste, überzeugte der French-Open-Finalist in seinem ersten ATP-Masters-1000-Halbfinale auf Hartplatz im Freien mit vorbildlicher Coolness: Vier Games gewann Thiem zu Null, in zweien gab er nur einen Punkt ab. Auch Raonic, der mit sehr vielen Serve-Volley-Attacken immer wieder punktete, ließ keine Gefahr aufkommen.

    Kein einziger unerzwungener Fehler in Satz eins

    Im daher logischen Tiebreak war es aber Raonic, der mit einem Doppelfehler gleich zu Beginn ins Hintertreffen geriet. Vor den Augen von u.a. Bill Gates und Schauspieler Ben Stiller nutzte Thiem bei 6:3 gleich den ersten von drei Satzbällen zur Führung. Besonders bemerkenswert: In knapp 46 Minuten Spielzeit hatte Österreichs Tennis-Star zehn Winner geschlagen, aber keinen einzigen unerzwungenen Fehler begangen – eine Seltenheit auch im Vergleich zu allen anderen Matches. "Besser geht es kaum!", zog auch der daheimgebliebene Thiem-Coach Günter Bresnik eine Zwischenbilanz.

    foto: ap/ mark j. terrill
    Nicht nur starke Aufschläge und starke Returns: Thiem packte gegen Raonic sein bestes Tennis aus.

    Im zweiten Durchgang, zu dem sich später auch US-Tennis-Legende Pete Sampras als Zuschauer gesellte, ging es ähnlich weiter. Die erste Breakchance des Matches ging an Thiem bei 2:1, doch Raonic, der seit Anfang März den Franzosen Fabrice Santoro als Coach hat, wehrte souverän ab. Thiem hatte auch etwas mehr Schwierigkeiten beim Aufschlag, doch keinen Breakball abzuwehren und so ging es nach 91 Minuten neuerlich ins Tiebreak. In diesem lief alles ausgeglichen, doch ein unannehmbarer Netzroller zum 5:3 für Raonic brachte die Vorentscheidung – Raonic glich nach Sätzen aus.

    Vorentscheidendes Break

    Satz drei verlief weiter eng, doch dann gelang Thiem mit dem insgesamt dritten Breakball des Spiels endlich das erste Break der Partie zum 3:2 und Thiem erhöhte sicher auf 4:2. Bei 5:3 und Einstand, Aufschlag Raonic trennten Thiem nur zwei Punkte vom Sieg. Bei 5:4 sah sich Thiem bei 30:40 dem ersten Breakball gegenüber, doch er behielt die Nerven und streckte bald darauf im Jubel über den ersten Sieg über Raonic im dritten Duell die Hände gen Himmel.

    "Es war richtig gut von mir von Anfang bis zum Ende. Ich habe sehr wenige unerzwungene Fehler gemacht." Ein Sieg, der für ihn in seiner bisherigen Karriere "sehr weit vorne einzuordnen" ist. Das fünfte Duell mit Federer ist "immer noch etwas Besonderes" für ihn. "Er ist eine absolute Legende."

    An die bisher vier Begegnungen mit dem Weltstar erinnert sich Thiem gut. "Die ersten drei waren 2016. Ich bin mir sicher, dass Roger jetzt viel besser spielt als damals. Das war das Jahr, wo er ein paar Verletzungsschwierigkeiten gehabt hat, und dann nach Wimbledon eine Auszeit genommen hat." Beim bisher letzten Match vergangenen November bei den ATP Finals in London, das Thiem 2:6, 3:6 verloren hatte, schätzte Thiem, dass sie beide nicht in Topverfassung waren. "Ich hoffe, dass wir das jetzt beide sind." Er verstehe sich sehr gut mit dem Eidgenossen. Aber: "Auch wenn wir uns alle sehr mögen, wollen wir nur eines, und das ist gewinnen, wenn wir gegeneinander spielen."

    Hiobsbotschaft von Nadal

    Dass Thiem seinen Gegner schon beim Abgang kannte, lag an einer Hiobsbotschaft von Rafael Nadal, der schon zuvor den Schlager gegen Federer verletzt hatte absagen müssen. Der 32-jährige Weltranglisten-Zweite aus Mallorca konnte wegen einer bereits im Halbfinale gegen den Russen Karen Chatschanow aufgetretenen Verletzung am rechten Knie nicht antreten.

    "Gestern nach dem Match habe ich gespürt, dass da etwas am rechten Knie ist. Ich wollte nicht zu viel darüber sprechen, weil ich alles tun wollte, um antreten zu können", meinte der spanische Sandplatz-König und elffache Roland-Garros-Sieger. Bei einem leichten Training am Vormittag habe er aber gemerkt, dass sein Knie ein Antreten nicht erlauben würde. Damit fiel nach 38 Begegnungen (Nadal führt 23:15) erstmals ein Match zwischen den beiden Grand-Slam-Rekordspielern aus.

    Nadal wird auch beim nächsten Masters-1000-Turnier kommende Woche in Miami nicht antreten. "Ich werde nach Hause fliegen und beginnen, mich auf Sandplatz umzustellen, damit ich für Monte Carlo bereit bin", sagte der Mallorquiner. Sein nächster Einsatz wird daher erst Mitte April sein. (APA, 16.3.2019)

    • Eine brillante Leistung gegen Milos Raonic beschert Dominic Thiem ein Finalduell gegen Roger Federer.
      foto: ap/ mark j. terrill

      Eine brillante Leistung gegen Milos Raonic beschert Dominic Thiem ein Finalduell gegen Roger Federer.

    • Raonic war im Endeffekt gegen das nahezu perfekte Spiel von Thiem machtlos.
      foto: ap/ mark j. terrill

      Raonic war im Endeffekt gegen das nahezu perfekte Spiel von Thiem machtlos.

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