Elite-Unis: Die Tricks für die Promi-Kinder

    16. März 2019, 12:00
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    Fotos wurden nachbearbeitet und Pädagogen bestochen, damit der Nachwuchs es nach Stanford, Yale oder auf die USC schafft. Dafür flossen Millionen

    William McGlashan sollte aus seinem Sohn einen vielversprechenden Footballspieler machen, um ihn der University of Southern California, einer Spitzenuniversität, zu empfehlen. So hatte es William Singer empfohlen, der Berater, der durch hohe Erfolgsquoten glänzte.

    Das Problem war nur, dass McGlashan Junior nicht Football spielte. An seiner Schule gab es keine American-Football-Mannschaft. Also beschloss Singer, ihn mithilfe einer Fotomontage zu einem Kicker zu machen, zu einem jener Athleten, deren Aufgabe es ist, den Ball durch die hoch in den Himmel ragenden Torstangen zu schießen. Er werde das Bild eines Kickers als Vorlage nehmen, es mit Photoshop-Software ein bisschen bearbeiten, am Ende werde es täuschend echt aussehen. Der Mann, der das größte Trainingscamp für Football-Kicker leite, sei im Übrigen ein guter Freund, fügte Singer hinzu, als er McGlashan das Prozedere erklärte.

    McGlashan, der mit der Rocklegende Bono den Rise Fund gegründet hatte, einen Fonds, der sich auf umweltbewusstes Investieren spezialisiert hat, ließ sich den Trick eine Viertelmillion Dollar kosten. Er ist einer von 50 wohlhabenden Amerikanern, gegen die das Justizministerium in Washington Klage erhoben hat. Die Schauspielerinnen Felicity Huffman und Lori Loughlin gehören ebenso zu dem Kreis wie diverse Unternehmer, ein Medizinprofessor und Gordon Caplan, Partner einer renommierten New Yorker Anwaltskanzlei.

    25 Millionen Dollar kassiert

    Insgesamt 25 Millionen Dollar soll Singer kassiert haben, um Teenager aus betuchten Verhältnissen an Universitäten mit klangvollen Namen unterzubringen, sei es Yale, sei es Stanford, sei es die USC, die University of Southern California.

    Mal bestach er Pädagogen, die Aufsicht führten, wenn Prüfungen abzulegen waren, damit sie im Nachhinein falsche Antworten korrigierten, um das Ergebnis aufzubessern. Mal kungelte er mit Trainern, deren Wort ins Gewicht fiel, wenn es darum ging, vermeintliche hochbegabte Nachwuchskräfte an ein College zu holen. Für sportliche Ausnahmetalente legen Hochschulen die Latte oft niedriger, als es normalerweise der Fall wäre. Uni-Mannschaften, die in der Spitze mitspielen können, sind eine Sache des Prestiges, und wer sie zu verstärken verspricht, für den gelten besondere Regeln. Es ist die Nische, auf die Singer sich spezialisierte.

    "The Key"

    Einst war er Basketballcoach einer Highschool, er wurde entlassen, weil er sich immer wieder mit Schiedsrichtern angelegt hatte. In Newport Beach, im riesigen Vorortgürtel um Los Angeles, gründete er ein Consulting-Unternehmen, das Schüler sowohl auf das Examen vorbereitete als auch auf das Aufnahmeverfahren einer Uni. "The Key": Schon der Name sollte Programm sein. Singer versprach, den Schlüssel zu liefern, damit sich die Türen begehrter Eliteschmieden öffneten, auch für Bewerber, die es sonst nicht geschafft hätten.

    Sein Talent, so setzte er es dem Spitzenanwalt Caplan auseinander, bestehe im Aufschließen von Seitentüren. Zum einen gebe es den Vordereingang, erläuterte er sein Konzept. Durch den könne gehen, wer durch Leistungen überzeuge. Zum anderen den Hintereingang, gedacht für die Kinder von Leuten, die einem College sehr viel Geld spenden, etwa für ein modernes Labor oder einen neuen Hörsaal. Was er benutze, sei die Seitentür, zehnmal billiger als der Hintereingang. Er könne Garantien geben, prahlte Singer.

    Ruderinnen und Wasserballer

    McGlashan Junior, der vermeintliche Football-Kicker, gilt nun als Symbol für all die privilegierten Kinder in einem Land, in dem sich Bildung und damit auch Karrierechancen erkaufen lassen. Lori Loughlin und ihr Mann, der Modedesigner Mossimo Giannulli, zahlten eine halbe Million Dollar, um ihre Töchter Olivia Jade und Isabella Rose als Kandidatinnen für den Ruderklub der USC auszugeben, obwohl keine der beiden je in einem Ruderboot gesessen waren. Der Geschäftsmann Devin Sloane ließ Grafikdesigner an einem Foto basteln, das seinen Sohn beim Wasserball zeigte, in dem Moment, in dem er den Ball aufs Tor wirft. "So hoch kommt niemand aus dem Wasser", bemängelte Singer den ersten Entwurf. Mit dem zweiten war er zufrieden.

    Es handelt sich um den größten Bestechungsskandal der Uni-Geschichte der Vereinigten Staaten. Nur sind es eben, so sehen es Experten wie Daniel Golden, lediglich die kriminellen Auswüchse einer Praxis, die es hinter der Fassade der Leistungsgesellschaft schon länger gibt. Das amerikanische Modell, nach Goldens Worten steht es für Chancengleichheit, für die Chance, die ein jeder haben müsse, um auf der Bildungsleiter nach oben zu klettern. Deshalb sei der Gedanke, die Reichen könnten ihren privilegierten Status fortschreiben, über Generationen hinweg eine Aristokratie bilden wie einst im alten Europa, ein solcher Affront gegen das Credo des Landes, legt der Journalist den Finger in die Wunde.

    Al Gores Kinder waren allesamt in Harvard

    Wie es hinter den Kulissen aussieht, hat Golden schon vor Jahren beschrieben, in einem Buch mit dem Titel "The Price of Admission". Al Gore etwa, der Vizepräsident an der Seite Bill Clintons, brachte all seine vier Kinder in Harvard unter, an der Uni, an der er selbst studiert hatte und die einem politisch Mächtigen gern einen Wunsch erfüllte. Oder Jared Kushner, heute Donald Trumps Schwiegersohn. Zur Überraschung seiner Lehrer durfte auch er trotz mäßiger schulischer Leistungen in Harvard studieren. Sein Vater Charles, ein Immobilienunternehmer, hatte der Ivy-League-Universität zuvor eine Spende in Höhe von 2,5 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Der Gang durch die Hintertür, wie William Singer es nennen würde. (Frank Herrmann aus Washington, 16.3.2019)

    • Die University of Southern California ist mittendrin im Bestechungsskandal.
      foto: afp/frederic j. brown

      Die University of Southern California ist mittendrin im Bestechungsskandal.

    • William Singer nach seiner Gerichtsanhörung in Boston.
      foto: reuters/brian snyder

      William Singer nach seiner Gerichtsanhörung in Boston.

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