Wall Street droht herber Rücksetzer, erst dann kommt Aufschwung

    17. März 2019, 13:00
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    Bis 2021 sollte der übergeordnete Aufwärtstrend deutlich höhere Kurse bringen, erwartet Experte Timothy Hayes von Ned Davis Research

    Ernüchternde Nachrichten hat der Anlagestratege Timothy Hayes vom US-Analysehaus Ned Davis für jene Anleger im Gepäck, die an eine Fortsetzung der seit Jahresbeginn laufenden Kursrally an den Aktienmärkten glauben. Aus seiner Sicht handelt es sich dabei nämlich um eine sogenannte Bullenfalle, also ein nicht nachhaltiges Strohfeuer. Warum er dieser Meinung ist? Aus mehreren Gründen, wie Hayes weiter erläutert.

    foto: apa/afp/getty images
    Das nächste Zwischentief der Wall Street stellt für Timothy Hayes eine günstige Kaufgelegenheit dar.

    Seit dem Tiefpunkt am 24. Dezember des Vorjahres hat der Dow Jones bis dato fast 14 Prozent dazugewonnen, also weit mehr als eine durchschnittliche Jahresrendite am Aktienmarkt. Im gleichen Zeitraum haben sich Hayes zufolge aber die Konjunkturdaten eingetrübt, und es sind die Gewinnschätzungen der US-Unternehmen zurückgekommen – was bei steigenden Kursen die Bewertung in Richtung teuer treibt. "Es wurde zu viel Optimismus eingepreist", folgert Hayes – was die Basis für herbe Enttäuschungen schaffe.

    Anleihen malen anderes Bild

    Zudem werde an den Anleihemärkten ein konträres, weil düstereres Bild gezeichnet. Denn die Renditen seien nun tiefer als zu Beginn der Rally am Aktienmarkt. Wo wird die richtige Geschichte erzählt, bei Aktien oder bei Rententiteln? "Der Anleihemarkt erzählt die korrekte Story", ist der Anlagestratege sicher. Daher hat sein Haus Aktien unter- und Anleihen übergewichtet. Noch.

    "Die nächsten Monate werden sehr herausfordernd", sagt Hayes. Er erwartet, dass die Wall Street nochmals in die Gegend der Tiefs von Weihnachten zurückfällt – womit ihm zufolge der Grundstein für nachhaltige Kursanstiege gelegt wäre.

    Der Experte unterteilt die Börsenphasen grundsätzlich in einen langfristigen, übergeordneten Bullenmarkt – also einer seit 2009 laufenden Phase steigender Kurse. Dazwischen treten zyklische, also mittelfristige Bärenmärkte auf, die für fallende Kurse sorgen. Aktuell befinden sich die Aktienmärkte noch in einer solchen Phase, der dritten seit Beginn des Aufschwungs im Jahr 2009.

    "Hervorragende Kaufgelegenheit"

    "Der nächste Tiefpunkt am Aktienmarkt wird eine hervorragende Kaufgelegenheit innerhalb des übergeordneten Bullenmarkts", betont Hayes und empfiehlt, dann Aktien wieder höher zu gewichten zulasten von Anleihen. Dann wird ihm zufolge die nächste zyklische Aufwärtsphase starten, die zumindest bis ins Jahr 2021 anhalten sollte. Je länger die aktuelle Korrektur nach unten dauert, desto länger werde sich auch der folgende Aufwärtstrend halten. Im historischen Durchschnitt dauert eine solche Aufwärtsbewegung etwa zweieinhalb Jahre, in denen der Aktienmarkt um rund 77 Prozent steigt.

    Ob damit dann endgültig das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird und die Aktienbörsen in einen langfristigen Abwärtstrend einschwenken werden, ist für Hayes noch offen. Aus seiner Sicht können dann weitere Zyklen von abwechselnden, zyklischen Bären- und Bullenmärkte folgen.

    Eine entscheidende Rolle werden dabei die Bewertungen der Aktien spielen. Der aktuelle übergeordnete Bullenmarkt startete 2009, als das Kurs-Gewinn-Verhältnis am Aktienmarkt einstellig, dieser also sehr billig war. Diese Kennzahl sagt aus, wie viele Jahre dauert, um mit den derzeitigen Unternehmensgewinnen den Preis der Firma hereinzuspielen. Beim Platzen der Internetblase im Jahr 2000 lag dieser Wert bei fast 45, Aktien waren also sehr teuer. Damals begann ein übergeordneter Bärenmarkt, der bis 2009 dauern sollte. Derzeit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Wall Street übrigens bei 21,6.

    Bis Inflation anspringt

    Hayes geht zudem davon aus, dass der aktuelle übergeordnete Bullenmarkt erst dann endet, wenn die Inflation nachhaltig anspringt. Da die Notenbanken so wie derzeit in "Phasen der Abkühlung" die Märkte mit so viel Liquidität stützen, um die Konjunktur anzufachen, sollte dies langfristig zu höherer Teuerung führen. Anzeichen dafür sollten die Anleihenrenditen liefern, die auch Aufschluss auf die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer geben. Auch deutlich steigende Rohstoffpreise könnten die Phase der Inflationierung ankündigen. Bis dahin werde es aber noch dauern, sagt Hayes, denn "dafür gibt es derzeit noch keine Anzeichen".

    Das Gespräch fand auf Vermittlung der Kathrein Privatbank statt. Diese hat mit dem "NDR Active Allocation" einen aktiv gemanagten Investmentfonds im Angebot, der auf den Erkenntnissen von Ned Davis Research basiert.

    foto: ned davis research
    Timothy Hayes ist seit 1986 für Ned Davis Research tätig, derzeit als Chief Global Investment Strategist. Das Gespräch mit ihm fand auf Vermittlung der Kathrein Privatbank statt. Diese hat mit dem "NDR Active Allocation" einen Investmentfonds im Angebot, der auf den Erkenntnissen von Ned Davis Research basiert.

    (Alexander Hahn, 17.3.2019)

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