Knäckebrot für Sparbuchfans: Höhere Zinsen in weiter Ferne

    17. März 2019, 12:52
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    Mit der Verschiebung der Zinswende durch die EZB kann mit Sparbüchern weiterhin nicht einmal die Inflation hereingespielt werden

    Wien – Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. In der vergangenen Woche war es dennoch so weit: Der im Herbst aus dem Amt scheidende EZB-Chef Mario Draghi erteilte einer Leitzinserhöhung im heurigen Jahr endgültig eine Absage, was etliche Marktbeobachter und Volkswirte ohnedies bereits erwartet hatten. Bis ins Jahr 2020 und damit bis in die Amtszeit seines Nachfolgers soll laut Draghis Fahrplan der Leitzins bei null bleiben. Wahrscheinlich sogar länger, wenn man die derzeitige Konjunkturabkühlung in Europa mit ins Kalkül zieht.

    foto: standard/christian fischer
    Sparbuchfans tun sich schon seit Jahren schwer, ihr Erspartes über Wasser zu halten.

    Für die heimischen Sparer bedeutet dies wohl zumindest zwölf Monate weiterer Zwangsdiät bei den Zinserträgen, wenn nicht länger. Für alle, die dem Sparbuch dennoch treu bleiben wollen, bleibt es eine Herausforderung, zumindest die Kaufkraft des Ersparten zu erhalten. Zwar ist die Inflation in Österreich im Jänner mit 1,7 Prozent auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gesunken, allerdings ist der Geldentwertung auch auf diesem Niveau mit den aktuellen Zinsangeboten nicht beizukommen. Zumal ein Viertel der Zinsen als Kapitalertragssteuer (KESt) an das Finanzamt abgeführt wird. Ein Überblick, wie Sparbuchfans das Minus zumindest gering halten können:

    · Täglich fällig Die kurzfristig attraktivste Zinsofferte kommt laut dem Bankenrechner der Arbeiterkammer vom Österreich-Ableger der ING – allerdings nur für Neukunden. Diese bietet bis zu einer Höchsteinlage von 25.000 Euro zwei Prozent Zinsen pro Jahr, jedoch nur für die ersten vier Monate. Abzüglich KESt entspricht das einer Verzinsung von 1,5 Prozent, was zumindest nahe an die Inflation heranreicht. Nach vier Monaten fällt der Zinssatz auf 0,05 Prozent zurück. Einlagen bei der ING unterliegen der deutschen Einlagensicherung.

    Die attraktivste Offerte, die sich nicht nur an Neukunden richtet, ist das Online-Tagesgeld der Österreich-Niederlassung der RCI Banque, Teil des Renault-Konzerns. Bis zu einer Million Euro gibt es 0,5 Prozent Zinsen. RCI verfügt hierzulande über keine Filialen und unterliegt der französischen Einlagensicherung.

    · Bis zwei Jahre Bindung Bei sechsmonatiger Bindung bietet die Wiener Addiko Bank 0,8 Prozent Zinsen für Beträge zwischen 5000 und 500.000 Euro. Ein Prozent Zinsen zahlt die Sparkasse Amstetten für das S Prämiensparen einjähriger Bindung für laufendes Sparen. Monatlich können dabei bis maximal 300 Euro angespart werden.

    Für Einlagen bis zu einer halben Million gibt es beim Festgeld der Kommunalkredit mit einjähriger Bindung 0,9 Prozent Zinsen, für eineinhalb Jahre 0,92 Prozent. Bei zweijähriger Bindung hat das Festgeld der Autobank mit einem Prozent Zinsen pro Jahr die Nase vorn. Die Angebote mit Bindung unterliegen der österreichischen Einlagensicherung oder der Sparkassen-Haftungs-Gesellschaft.

    Wenig ratsam erscheinen Angebote mit längerer Bindungsdauer als zwei Jahre. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass die EZB bis dahin doch noch an der Zinsschraube dreht und heimische Banken nachziehen. (Alexander Hahn, 14.3.2019)

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