Zurückrudern der Notenbanken spricht für Gold

    18. März 2019, 11:00
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    Höhere Zinsen sind in der EZB und der Fed zuletzt fast zu Tabuthemen geworden – was Experten als günstiges Umfeld für Gold interpretieren

    Die besten Tage sind für Gold schon ein paar Jahre her, als der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls kurzzeitig über die Marke von 1900 US-Dollar lugte. Es folgten Ernüchterung in Form eines Kursrutsches und eine nunmehr fünfjährige Seitwärtsbewegung für den Goldpreis. In dieser Phase endeten alle Versuche eines neuerlichen Preisaufschwungs spätestens bei der Marke von rund 1360 Dollar. Auch in diesem Jahr scheiterte bereits ein Anlauf, ein darüber liegendes Kursniveau zu erreichen. Das könnte sich allerdings im Jahresverlauf ändern, denn Edelmetallexperten sehen in der Kehrtwende etlicher Notenbanken eine Triebfeder für Kursgewinne.

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    Die großen Zentralbanken rudern zurück: Die Normalisierung der Leitzinsen wurde von der US-Notenbank Fed bis auf weiteres ausgesetzt und in der Eurozone bisher erst gar nicht in Angriff genommen.

    Zunächst ließ der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, durchblicken, bei der Straffung der Zinszügel nun eine abwartende Haltung einzunehmen. Zuvor hatte sein Haus nach der extrem expansiven Geldpolitik im Zuge der Finanzkrise in sieben Trippelschrittchen den Leitzins von null auf die aktuelle Bandbreite zwischen 2,25 und 2,5 Prozent erhöht. "Die Fed hat einsehen müssen, dass die Abhängigkeit von niedrigen Zinsen und hoher Liquidität enorm ist", sagt Ronald Stöferle von dem Vermögensverwalter Incrementum über das Zurückrudern des Fed-Chefs.

    Bremsspuren in Konjunktur

    Dem Edelmetallexperten zufolge hat die geldpolitische Straffung der Fed wegen der zeitlichen Verzögerung erst im vierten Quartal des Vorjahres deutliche Bremsspuren in der US-Konjunktur hinterlassen, worauf die Notenbank habe reagieren müssen. Noch weniger rosig sieht für ihn die Lage auf dem Alten Kontinent aus, wo für EZB-Chef Mario Draghi eine Zinserhöhung im heurigen Jahr endgültig im Tisch ist und er stattdessen neue Liquiditätsspritzen für die Banken im Euroraum vorbereitet. Für Stöferle "ein massives Zeichen von Schwäche".

    "Wohin man schaut, trüben sich die Konjunkturzahlen ein", fährt der dem Gold tendenziell gewogene Experte fort. "Ich würde mich nicht wundern, wenn die Eurozone in eine Rezession schlittern würde."

    Die Notenbanken versuchen, mit expansiver Geldpolitik die Inflation in die Nähe von zwei Prozent zu hieven und das Wachstum zu fördern. Da das unverzinste Gold in Konkurrenz zu verzinsten Anlageklassen wie Spareinlagen oder Anleihen steht, sind tiefe oder sinkende Zinsen positiv für das Edelmetall. Stöferle sieht daher ein gedeihliches Umfeld für den Goldpreis. Zumal er auch kurzfristig eine nachlassende Produktion der Goldminen erwartet. Sieben der zehn größten Erzeuger hätten bereits 2018 weniger als im Jahr zuvor gefördert.

    Was das für die Preisentwicklung bedeutet? Zunächst gilt es den hartnäckigen charttechnischen Widerstand bei rund 1360 Dollar zu überwinden, woran der Preis bisher gescheitert ist. Heuer sollte es aber so weit sein, sagt Stöferle und nennt als Kursziel bis Jahresende 1450 Dollar.

    Mehr Nachfrage aus Asien

    Etwas weniger optimistisch, aber dennoch positiv sieht der Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank die Lage. Neben der Kehrtwende der Notenbanken führt er auch eine höhere Nachfrage nach Gold aus Asien ins Treffen. In China hätte diese zuletzt unter dem schwelenden Handelskonflikt mit den USA gelitten, in dem sich jedoch nun eine gütliche Lösung abzeichne.

    Ähnliches gilt ihm zufolge für Indien, das die weltweit zweitgrößte Nachfrage nach Gold aufweist. Dort sei Gold wegen der schwachen Rupie für Inder sehr teuer geworden, was sich dank der Erholung der Landeswährung nun wieder relativiert habe. Beides waren Fritsch zufolge "Hypotheken für den Goldpreis", die heuer wegfallen dürften: "Das spricht für höhere Preise." Fritsch geht bis Jahresende von einem moderaten Zuwachs um vier Prozent auf 1350 Dollar aus. Ein Kursziel, mit dem er "sich sehr wohlfühlt", wie der Commerzbank-Analyst betont. (Alexander Hahn, 18.3.2019)

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