Geburtsreihenfolge hat keinen Einfluss auf den Wagemut

    15. März 2019, 14:28
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    Hypothese von höherer Risikobereitschaft der Letztgeborenen kann statistischer Überprüfung nicht standhalten

    Berlin – Seit den 1990er Jahren wurde in der Psychologie und darüber hinaus die Hypothese diskutiert, dass die Geburtsreihenfolge die Persönlichkeit beeinflusse. Der Wissenschaftshistoriker und Darwin-Experte Frank Sulloway war der Frage nachgegangen, warum Menschen politische oder wissenschaftliche Revolutionäre werden, und glaubte entdeckt zu haben, dass es unter diesen statistisch gesehen mehr Letztgeborene gibt.

    Als Erklärung entwickelte er ein Modell der Familiendynamik, nach dem sich die Erstgeborenen der privilegierten Aufmerksamkeit der Eltern sicher sein konnten, wohingegen die jüngeren Geschwister sich erst eine familiäre Nische erkämpfen und dafür Risiken eingehen müssten, was ihre Persönlichkeit präge. Inzwischen wird Sulloways Familiendynamikmodell kritischer gesehen – und jüngste Studien können keinen Zusammenhang zwischen Geburtsreihenfolge und Persönlichkeit im Allgemeinen nachweisen.

    Neu aufgerollt

    Dazu zählt nun auch eine Studie, die ein deutsches Forscherteam im Fachjournal "PNAS" vorlegte. Nach umfangreichen Datenanalysen kamen die Forscher zum Schluss, dass kein Zusammenhang zwischen der Geburtenreihenfolge und der individuellen Risikobereitschaft bestehe, berichtet das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

    In drei großen Datenanalysen fahndeten die Wissenschafter nach möglichen Zusammenhängen. "Die These, dass die Dynamik in der Familie, die wiederum durch die Geburtsreihenfolge geprägt sein könnte, die Risikobereitschaft beeinflusst, scheint durchaus intuitiv und plausibel", erklärte Max-Planck-Forscher Ralph Hertwig, Mitautor der Studie. Weder in Umfragen noch in experimentellen Versuchen oder in Stichproben historischer Persönlichkeiten seien jedoch Hinweise für diese These gefunden worden.

    Auch Erstgeborene haben das Potenzial zum Revolutionär

    Die Forscher werteten Daten aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) in Deutschland und aus der sogenannten Basel-Berlin Risk Study aus, bei der sich Erwachsene experimentellen Verhaltenstests und einer Selbsteinschätzung unterzogen. Zudem recherchierten die Experten die Geburtsreihenfolge von fast 200 historischen Entdeckern und Revolutionären. Doch auch hier fanden sich "keine statistischen Auffälligkeiten", wie Erstautor Tomas Lejarraga berichtet.

    Auch die Erstgeborenen Martin Luther, Christoph Kolumbus und die britische Abenteurerin Mary Kingsley zeigen, dass es wohl andere Faktoren als die Geburtsreihenfolge geben muss, die dazu führen, dass Menschen sich für ein risikoreiches Leben entscheiden – so das Fazit der Forscher. (APA, red, 15. 3. 2019)

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