Trapattoni wird 80: Die Wutrede im Wortlaut

    15. März 2019, 11:26
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    1998 erlangte Giovanni Trapattoni Kultstatus. Am Sonntag feiert die Trainer-Ikone seinen 80. Geburtstag. Den Ruhestand hat er akzeptiert

    Wien – Mit seiner Wutrede bei Bayern München ist Giovanni Trapattoni zur Kultfigur geworden. Seine Ausdrücke "Flasche leer", "Ich habe fertig" und "Was erlauben Strunz?" sind den deutschsprachigen Fußballfans heute noch in bester Erinnerung. Am Sonntag feiert die Trainerlegende, die Salzburg 2007 zum Meistertitel führte, ihren 80. Geburtstag.

    Trapattoni ist einer der populärsten und zugleich erfolgreichsten Trainer der Welt und längst ein lebendiges Stück italienischer Fußballgeschichte. 21 nationale und internationale Titel holte "Trap", nachdem er bereits als Spieler sieben Triumphe gefeiert hatte. Juventus Turin führte er zu sechs italienischen Meisterschaften (1977, 1978, 1981, 1982, 1984, 1985), schlug danach auch mit Inter Mailand (1989), Bayern München (1997), Benfica Lissabon (2005) und Salzburg zu. Im Herbst seiner Trainerlaufbahn betreute er von 2008 bis 2013 die Iren, die er 2012 zur EM in Polen und der Ukraine führte.

    Dass er auf der Insel mit einer rauen Mischung aus Italienisch, Deutsch und Englisch kommunizierte, überraschte im deutschen Sprachraum niemanden mehr. Dort erlangte er spätestens mit seiner Wutrede im März 1998, in der er die Berufsauffassung einiger Bayern-Kicker geißelte, höchste Popularität. "Ehrlich gesagt, hätte ich mir nie vorstellen können, dass so eine Pressekonferenz auch noch nach 20 Jahren so populär ist", erklärte Trapattoni nun der dpa. "Eine Erklärung könnte der tragikomische und unerwartete Aspekt der Pressekonferenz sein. Niemand hat jemals eine solche Reaktion eines Trainers der Bayern erwartet."

    Worte, Gesten, Grimasse

    Seine Worte, Gesten, Grimassen als Trainer erheiterten zwar die Beobachter, allerdings nicht immer die Spieler, die sich oft nicht auskannten, was der "Maestro" im Sinn hatte. Wenn Trapattoni "verständlich" sprechen wollte, dann sagte er es auf italienisch und durch einen Dolmetscher – in seiner Salzburger Zeit ein stets adrett gekleideter Herr namens Gianni Giulietti. "Das größte Hindernis war sicher die Sprache", betonte Trapattoni nun im Hinblick auf seine Zeit bei den Bayern. "Ein wahrlich knallharter Gegner, den ich unterschätzt hatte. Ohne die richtigen Ausdrücke habe ich es nicht geschafft, so wie ich wollte, mit der Mannschaft zu kommunizieren. Und das hat viele Probleme mit sich gebracht."

    Probleme, die auch in Österreich offensichtlich wurden. "Ich verstehe Kritik über Ergebnis. Ich kann nicht akzeptieren die Kritiken über Profi, unsere Arbeit", leitete Trapattoni nach der ÖFB-Cup-Halbfinal-Niederlage gegen Mattersburg 2008 einen gut zehnminütigen, teilweise unverständlichen Monolog an die Pressevertreter ein. Deren Kritik an der Trainingsarbeit hielt er für verfehlt: "Unser Training ist stark, ist modern. Was verstehen Sie von Training?" Von Trapattonis Salzburger Zeit bleibt aber nicht nur jenes skurrile Bild- und Tondokument, sondern auch der erste Meistertitel der Red-Bull-Ära 2007. Schon ein Jahr später verließ der Verfechter eines defensiven Spielstils aber nach zwei Saisonen die "Bullen" Richtung Irland.

    Seine Gedanken seien stets um Fußball gekreist, meinte Trapattoni. "Ich war immer unterwegs, und auch wenn ich zuhause war, habe ich immer an Fußball gedacht. Jetzt versuche ich dagegen, diese Zeit zurückzugewinnen", erklärte Trapattoni, der mit Hilfe seines Enkels einen Instagram-Account betreibt. "Ich muss sagen, es macht mir Spaß, mit meinem Enkel Sachen zu posten", betonte er. Zukunftsprojekte könne er mit 80 freilich nicht mehr viele machen. "Sagen wir es so, ich fühle mich, als hätte ich die 90 Minuten meines Spiels beendet. Von jetzt an beginnt das Golden Goal."

    Die Trapattoni-Wutrede im Wortlaut

    "Sind Sie bereit? (sortiert die Kabel eines Mikrofons vor ihm auf dem Podium)

    Stellen mir die Frage, wenn hören oder verstehen schlecht meine Wörter, bitte. (legt die Zettel vor sich zurecht, stützt sich mit beiden Armen auf dem Podium auf)

    Es gibt im Moment in diese Mannschaft, oh, einige Spieler, vergessen ihnen Profi, was sie sind. (hebt den linken Zeigefinger und fasst sich ans rechte Ohr) Ich lese nicht sehr viele Zeitungen, aber ich habe gehört viele Situationen.

    Erstens: Wir haben nicht offensiv gespielt. (wird lauter) Es gibt keine deutsche Mannschaft spielt offensiv (fuchtelt mit der linken Hand) o dynam-offensiv wie Bayer. Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen (zeigt Daumen, Zeige- und Mittelfinger der linken Hand): Elber, Jancker und dann Zickler. Wir mussen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen – mehr Mehmet, eh mehr eh Basler.

    Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich euch gesagt? Dann. Offensiv, offensiv ist wie maken wir in Platz.

    Zweite: Ich habe erklär mit diese zwei Spieler, nach Dortmund brauchen vielleicht Halbzeitpause. (gestikuliert) Ich habe auch andere Mannschaft gesehen in Europa nach diese Mittwoch. Ich habe geseh auch zwei Tage de Training. Ein Trainer ist nicht ein Idiot! (zeigt mit dem rechten Zeigefinger nach vorne) Ein Trainer sehen was passieren in Platz. (gestikuliert mit der linken Hand, ruft) In diese Spiel, wie zwei oder drei oder vier Spieler waren schwach wie eine Flasche leer!

    Haben Sie gesehen Mittwoch? Welche Mannschaft hat gespielt Mittwoch? Hat gespielt Mehmet (haut mit der rechten Hand aufs Podium), or gespielt eh Basler, (gestikuliert) or hat gespielt Trapattoni? (lauter, gestikulierend) Diese Spieler beklagen mehr als spiel! Wissen Sie, warum die Italia-Mannschaft kaufen nicht diese Spieler? Weil wir haben gesehen viele Male dumme Spiel. Haben gesagt, sind nicht Spieler für die italienische, eh, Meisters.

    (ruft) Strunz! Strunz ist zwei Jahre hier (gestikuliert), hat gespielt zehn Spiel, ist immer verletzt. (haut mit der linken Hand aufs Podium, gestikuliert) Was erlauben Strunz? Letzte Jahre Meister geworden mit Hamann (haut zwei Mal mit der linken Hand aufs Podium), eh, Nerlinger. (gestikuliert) Diese Spieler waren Spieler, eh, waren Meister geworden. (schreit) Ist immer verletzt! Hat gespiele 25 Spiele in diese Mannschaft, diese Verein! (gestikuliert) Musse respektiere die andere Kollega! Haben viel nette Kollegan (zeigt mit der rechten Hand in den Kabinentrakt hinter ihm). Stellen Sie die Kollega die Frage! Haben keinen Mut antworten, (haut mit rechts auf das Podium) weil ich weiß, was denken über diese Spieler!

    (haut zwei Mal mit der rechten Hand aufs Podium) Mussen zeigen jetzt, (gestikuliert) ich will, Samstag, diese Spieler mussen zeigen mich (zeigt mit der rechten Hand auf sich). eh, zeigen de Fans (zeigt, gestikuliert, schreit), mussen alleine die Spiel gewinnen. Mussen alleine die Spiel gewinnen. Ich bin müde jetzt Vater diese Spieler, eh, verteidige diese Spieler! Ich habe immer die Schulde über diese Spieler. Einer ist Mario (haut mit der rechten Hand aufs Podium), einer ist, andere ist Mehmet! (wischt mit der rechten Hand durch die Luft) Strunz ich sage nicht, hat nur gespielt 25 Prozent des Spiel.

    (faltet seine Zettel zusammen, ruhiger) Ich habe fertig! (geht ab; dreht sich noch einmal um, gestikuliert)

    Wenn ist nachfragen, eh, ich kann Worte wiederholen, eh." (geht ab)

    (APA, sid, 15.3.2019)

    • Einst bei Salzburg mit dem heutigen Bayern-Coach Niko Kovac ...
      foto: apa/ap/kerstin joensson)

      Einst bei Salzburg mit dem heutigen Bayern-Coach Niko Kovac ...

    • ... und als Spieler des AC Milan.
      foto: imago/buzzi

      ... und als Spieler des AC Milan.

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