Neue Perspektiven für leere Parkplätze

    19. März 2019, 07:22
    236 Postings

    In Wien stehen viele Stellplätze leer, das kostet. Die Stadt hat mit einer Bauordnungsnovelle reagiert, was eine einfachere Umnutzung für Bauträger bedeutet

    Wien ist im Aufbruch, auch in Sachen Mobilität. Scooter und auch E-Scooter prägen neuerdings das Stadtbild, viele Carsharingautos sind unterwegs, und fleißige Radler sind die Wiener sowieso. All das trägt unter anderem dazu bei, dass die Anzahl der Einwohner in der Stadt seit dem Jahr 2002 stärker gestiegen ist als der Pkw-Bestand. Dieser Trend lässt sich vor allem in den innerstädtischen Bezirken feststellen, heißt es aus dem Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou.

    Laut Verkehrsexperten und Bauträgern stehen daher viele Stellplätze in Wohnbauten leer. Auf die veränderte Mobilität hat die Stadt Wien in den letzten Bauordnungsnovellen reagiert: War früher noch ein Stellplatz pro Wohnung vorgeschrieben, ist dieser seit 2014 nur noch pro 100 Quadratmeter Wohnfläche nötig. Seit der Novelle von 2018 gibt es zusätzlich auch Erleichterungen in der Umnutzung freier Stellplätze sowie beim Rückbau. Bauträger beginnen langsam, auf diese neuen Möglichkeiten zu reagieren.

    Erkennbare Trends

    Auch wenn es bei manchen aufgrund der Neuheit der Novelle noch keinen ausgearbeiteten Masterplan gibt, lässt sich dennoch erkennen, in welche Richtung es gehen könnte.Die Wohnbauvereinigung WBV-GPA etwa hatte in den vergangenen fünf Jahren einen durchschnittlichen Leerstand von rund 5,5 Prozent. Der gemeinnützige Bauträger ist laut eigenen Angaben recht gut in der Vergabe – auch weil er Plattformen wie die Gemeinnützigen-Parkplatzbörse Wien nützt, die ursprünglich von der Gesiba initiiert wurde. Dennoch kommt die Neuerung den Bauträgern sehr entgegen, denn: "Wir merken, dass die Wiener weniger mit dem Auto fahren. Die meisten Leerstehungskosten haben wir wegen leerer Parkplätze, nicht wegen leerer Wohnungen", sagt ein Sprecher der WBV-GPA. Diese Kosten seien für Gemeinnützige und in weiterer Folge auch die Mieter und Eigentümer ein Problem.

    Einen Masterplan aufgrund der Lockerung habe man allerdings noch nicht.Ähnliches erfuhr der Standard bei einem Rundruf auch von der Sozialbau: "Wir haben noch keine konkreten Pläne, werden aber sicher alle Möglichkeiten der neuen Bauordnung aufgreifen und prüfen, was möglich ist." Anbieten würden sich etwa der Umbau in Fahrradabstellplätze, Scooterabstellplätze und E-Ladestationen sowie Lagerräume. Das hat vor kurzem auch das Österreichische Siedlungswerk (ÖSW) aufgegriffen: Der gemeinnützige Bauträger lässt eine Umnutzung von Stellplätzen in Self-Storage-Räume prüfen.

    Mehr Fahrradabstellplätze nötig

    WKO-Bauträgersprecher und Chef des gleichnamigen privaten Bauträgers, Hans Jörg Ulreich, dessen Unternehmen zu 90 Prozent Gründerzeithäuser saniert, sieht in der Umnutzung der vorhandenen Stellplätze kein großes Thema: "Schlagend wird die Neuregelung allerdings bei der zukünftigen Wohnraumerrichtung." Am sinnvollsten sei aus seiner Sicht aber der Umbau leerer Stellplätze in Fahrradabstellplätze. Das werde innerstädtisch zusehends wichtiger und gerade Altbauten hätten davon viel zu wenig. Im Wohnungseigentum ist die rechtliche Umsetzung für eine Umnutzung in jede Richtung zwar machbar – aber juristisch einigermaßen komplex."

    Forderung: Gar keine Stellplatzpflicht

    Die Novelle hat die lange bestehenden und von uns als Branche und Branchenvertreter viel kritisierten Stellplatzprobleme bei nachträglichen Dachgeschoßausbauten endlich gelöst", so Ulreich. Dennoch wäre durchaus "mehr drin" gewesen außer der Abspeckung auf einen Stellplatz pro 100 Quadratmeter. Er hat größere Ziele: "Wir als Branche wissen, dass Garagen die mit Abstand größten Kostentreiber im Wohnbau sind und wollen wie in Berlin oder Basel überhaupt keine Stellplatzpflicht. Dort, wo wir solche für unsere Kunden benötigen, werden wir schon welche errichten, alles andere ist einfach nicht zukunftsorientiert."

    Währenddessen sieht man im Büro Vassilakou leere Parkplätze in Garagen als Chance dafür, das Parken an der Oberfläche unter die Erde zu verlagern. Denn im 2014 vom Wiener Gemeinderat beschlossenen Fachkonzept Mobilität hat sich die Stadt zum Ziel gesetzt, in kontinuierlichen Schritten das Dauerparken von der Straße insbesondere in Wohnsammelgaragen zu verlagern. Damit soll oben mehr Platz für Zufußgehen, Radfahren, öffentlichen Verkehr, Bepflanzung und konsumfreie öffentliche Bereiche geschaffen werden. (Marietta Adenberger, 19.3.2019)

    Share if you care.