Mit Sport gegen Antriebslosigkeit

    17. März 2019, 06:00
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    Bewegung ist ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von Depression – das gilt auch für ältere Menschen

    Die Menschen in der westlichen Welt werden immer älter. Das ist eine gute Nachricht, doch gibt es auch eine Schattenseite. Viele Menschen kommen mit dem Älterwerden schlecht zurecht, nicht wenige entwickeln depressive Symptome, körperliche Beschwerden, Sorgen oder Einsamkeit können Auslöser sein.

    Nach einer Neu-Analyse einer früheren Studie mit 112 Patienten mit Altersdepression kann eine ergänzende Sportbehandlung die antidepressive Therapie messbar aufwerten. Sport wirkt sich dabei besonders auf die Stimmungssymptome aus. Effekte konnten im Rahmen dieser Untersuchung kurzfristig (in den ersten 4 Wochen), aber auch langfristig nach ein paar Monaten gemessen werden.

    Modul für die Therapie

    Körperliche Ertüchtigung, also Sport, wird zunehmend als Behandlungschance bei Depressionen erkannt. Dies gilt auch für ältere Betroffene. Es ist allerdings noch nicht klar, welche depressiven Symptome besonders durch den Sport verbessert werden. Depressionen führen schließlich nicht nur zu dem gefühlten tiefen Loch, Hoffnungs- und Antriebslosigkeit, sondern wirken sich beispielsweise auch auf Schlaf, Appetit und Verdauung aus. Auch ist noch nicht geklärt, wie rasch und wie langanhaltend sportliche Effekte sein können.

    Forscher analysierten dazu nun Daten einer früheren Studie neu. In der SEEDS-Untersuchung wurde die Wirkung eines Antidepressivums (Sertralin) mit und ohne Sport verglichen. Die Teilnehmer, 112 Patienten mit Altersdepression, nahmen dreimal wöchentlich in kleinen Gruppen an Sporteinheiten teil.

    Die depressiven Symptome der Betroffenen wurden vor Behandlungsbeginn sowie nach ein, zwei, drei und sechs Monaten ermittelt. Die Veränderungen der jeweiligen Symptome im Bereich Stimmung, Körperregulation, Ängste und Aufgewühltheit wurden schließlich mathematisch analysiert.

    Zusätzlich zu Medikamenten

    Im Vergleich zu der Patientengruppe, die ausschließlich das Antidepressivum erhielt, besserten sich die Stimmungs-Symptome der Gruppe mit Antidepressivum plus Sport deutlicher und statistisch signifikant – der Unterschied war also mit hoher Wahrscheinlichkeit kein zufälliges Ergebnis. Besonders ausgeprägt waren die Veränderungen im ersten Monat sowie in den letzten drei Monaten.

    Dabei besserten sich vorwiegend die depressive Stimmung und Symptome der psychomotorischen Retardation – damit sind Beeinträchtigungen in Denken und Handeln gemeint, die sich beispielsweise als Konzentrationsstörungen oder Verlangsamungen von Bewegung und Sprache äußern, aber auch solche typischen Effekte einer Depression einschließen: nicht aus dem Bett kommen; keine Anrufe beantworten können; Überforderung durch Aufgaben wie Einkaufengehen, Kochen oder Körperpflege.

    Für Sport gibt es kein Placebo

    Demnach kann eine ergänzende Sportbehandlung die antidepressive Therapie aufwerten und wirkt sich dabei besonders auf die Stimmungssymptome aus. Effekte konnten im Rahmen dieser Untersuchung kurzfristig (in den ersten vier Wochen), aber auch langfristig nach ein paar Monaten gemessen werden. Einschränkend ist an dieser Studie zu sehen, dass die Kontrollgruppe ohne Sport keine alternative Behandlung (Scheinbehandlung) erhielt – manche Effekte der Sportübungen könnten demnach auch dem Placeboeffekt zugeschrieben werden, oder aber eventuell auf eine Gruppendynamik der kleinen Sportgruppen schließen lassen.

    Schließlich kann auch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen Patienten Halt und Unterstützung geben. Grundlegend steht allerdings die antidepressive Wirkung von Sport inzwischen außer Frage und wird mit dieser Untersuchung bestätigt. (red, 17.3.2019)

    • Bewegung wirkt sich auf die Stimmung aus: Das gilt für jedes Alter. In diesem Sinne: "Turne bis zur Urne."
      foto: istockphoto

      Bewegung wirkt sich auf die Stimmung aus: Das gilt für jedes Alter. In diesem Sinne: "Turne bis zur Urne."

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