Neues Duftstoff-Testgerät soll Tierversuche unnötig machen

    18. März 2019, 10:29
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    Die Prüfung des Umweltrisikos von Duftstoffen wird bislang an Fischen vorgenommen. Jetzt gibt es eine Alternative

    Dübendorf – Ein Gerät in der Größe eines Rubikwürfels könnte dabei helfen, Tierversuche zur Prüfung von Umweltrisiken zu reduzieren. Schweizer Forscher haben es entwickelt, um die Aufnahme von Duftstoffen im Darm von Fischen zu testen. Es könnte aber auch der Pharmaforschung dienen, wie das Team um um Hannah Schug und Kristin Schirmer von der Schweizer Forschungsanstalt Eawag im Fachblatt "Analytical Methods" berichten.

    Da Duftstoffe aus Kosmetika, Wasch- und Putzmitteln in Kläranlagen nicht immer vollständig abgebaut werden, müssen Hersteller sie auf ihr Umweltrisiko prüfen. Das Problem mit Tests dafür sei, dass die Duftmoleküle an Oberflächen haften und sehr flüchtig sind. Das führe dazu, dass die Gerüche im Laufe der Experimente sozusagen verpufften, erklärte Schug.

    Darmzellen in der Testkammer

    Sie und Kollegen entwickelten daher eine Kammer mit spiegelglatten Innenseiten, an denen die Duftstoffe nicht haften können. Der Innenraum der "TransFEr-Kammer", so der Name des Geräts, ist in zwei Kompartimente unterteilt, getrennt durch eine Wand aus Darmzellen, die den Darm von Fischen nachahmen. Dies wäre die Eintrittspforte für die Duftstoffe, um sich in den Tieren anzureichern.

    In das obere Kompartiment wird die Substanz gegeben, die untersucht werden soll, im unteren wird gemessen, wie viele Moleküle die Darmzellen durchdringen. So lässt sich überprüfen, wie stark Fische bestimmte Substanzen über ihren Darm aufnehmen. Das Gerät sei nicht nur für die Umwelttoxikologie interessant, sondern auch für die Pharmaforschung, so die Wissenschafter – zur Untersuchung, wie gut medizinische Wirkstoffe über den Darm aufgenommen werden können.

    Manche dieser Substanzen seien ähnlich schwierig zu testen wie Duftstoffe. So könnte die TransFEr-Kammer, bestückt mit menschlichen Zellen, auch in diesem Kontext erste Anhaltspunkte liefern: "Diejenigen Substanzen, welche die menschlichen Darmzellen in der TransFEr-Kammer nicht durchdringen können, müssten dann gar nicht erst an Tieren getestet werden", so Schug. (APA, red, 18.3.2019)

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