Gesperrte Balkanroute: Mit allen Mitteln

Kommentar14. März 2019, 07:21
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Die kroatische Grenzpolizei geht mitunter brutal gegen jene vor, die versuchen, nach Kroatien zu gelangen

Wer die bosnische Stadt Bihac besucht, findet sofort Migranten, die Verletzungen zeigen, die von Polizeiprügeln herrühren. Die kroatische Grenzpolizei geht mitunter brutal gegen jene vor, die versuchen, nach Kroatien zu gelangen. Einige Migranten berichten, dass die Beamten überhaupt nicht reden, sondern sie sofort wieder über die Grenze zurücktreiben. Diese ist seit dem Vorjahr zum neuen EU-Außenwall geworden.

Die Menschenrechtsverletzungen, die mit dieser Politik einhergehen, sind kein großes politisches Thema in der EU, weil die Innenminister – und viele Bürger hinter ihnen – nurmehr darauf achten, dass niemand mehr hereinkommt. Dafür sind offenbar alle Mittel recht, auch wenn man dabei selbst ein Mindestmaß an Zivilisation aufgibt.

Das arme Bosnien-Herzegowina ist bei der Versorgung der Migranten auf internationale Hilfe angewiesen. Doch selbst diese reicht nicht aus, um das Schlimmste zu verhindern. Laut der Plattform "Balkaninsight" starben vergangenes Jahr zehn Migranten, weil sie den Gefahren auf der Route nicht gewachsen waren. Allein die bosnische Grenzpolizei hat die menschlichen Überreste von drei Migranten, einem Pakistaner, einem Jordanier und einem Marokkaner, überstellt. Weitere Menschen werden vermisst.

Es mag angenehmer sein, wenn man wie die drei Affen Augen, Ohren und Mund verschließt. Doch das heißt nicht, dass vor der Haustür der EU nichts Schlimmes passiert. (Adelheid Wölfl, 13.3.2019)

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