Bike it like Köstinger: Neue Werbekampagne sorgt für Unmut

    Blog13. März 2019, 18:38
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    Die Tourismusindustrie will in den kommenden drei Jahren das Mountainbike-Paradies Österreich bewerben. Bleibt die Frage, wo genau sich das befindet

    Innsbruck – "You like it? Bike it!" Mit diesem Slogan wird die Österreich Werbung (ÖW) in den nächsten drei Jahren das Radland Österreich auf den internationalen Märkten anpreisen. Start für die neue Kampagne war vergangene Woche auf der größten Tourismusmesse Europas in Berlin. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) war eigens angereist – ob mit dem Fahrrad, ist der Redaktion leider nicht bekannt –, um die coole Kampagne offzukicken.

    Ministerin Elisabeth Köstinger überraschte auf der ITB mit diesem Auftritt.

    Allein, der etwas ungelenke Videoauftritt sorgte in der Mountainbikeszene eher für Verwunderung denn Begeisterung. Vielen war nicht ganz klar, was die für Landwirtschaft und Tourismus ressortzuständige Köstinger mit dem tollen Slogan meint. Denn angesichts der herrschenden Gesetzeslage in Österreich, wo Radfahren im Wald dezidiert verboten ist, kommt der neue Claim einem Aufruf zum Gesetzesbruch gleich. Dabei sollte die Ministerin sehr genau wissen, wie es um die Wegefreiheit in der Alpenrepublik bestellt ist. Immerhin ist es in erster Linie ihre Volkspartei, die sich seit Jahrzehnten erfolgreich aufseiten der Waldbesitzer stellt und jede Verbesserung verhindert.

    Team Celeste für Wegefreiheit?

    Leider war aus dem Büro von Köstinger bis Redaktionsschluss keine Antwort zu erhalten. So bleibt vorerst offen, ob die Ministerin in einer Ho-ruck-Aktion die Wegefreiheit in Österreich realisiert hat. Dass die ÖVP durchaus schnell handeln und Gesetze im Sinne ihrer Klientel ändern kann, hat sie ja gerade erst in Sachen Kuh-Urteil unter Beweis gestellt. Womöglich ist "You like it? Bike it!" der Deckname für diese neuentdeckte Liebe der Konservativen für die Biker? Der Farbwechsel der zur Bewegung mutierten Partei von Schwarz zu Celeste könnte ein erstes verstecktes Zeichen dafür gewesen sein.

    Doch die Realität ist banaler. Wie die Österreich Werbung bestätigt, handelt es sich bloß um eine "reine Imagekampagne". Dafür werde man in den nächsten drei Jahren satte zwei Millionen Euro investieren. Denn immerhin drei Prozent der Sommergäste im Land seien Mountainbiker. Und wiederum 75 Prozent davon seien mit dem Angebot hierzulande sehr zufrieden. Das "Angebot", von dem die ÖW dabei spricht, umfasst zwölf "Leitprodukte". Darunter sind die Bikeparks in Leogang und Serfaus-Fiss-Ladis sowie die Petzen. Der ganze Folder ist hier zu finden (PDF).

    Bike-Transitland Österreich

    Das Image Österreichs als Bikedestination mit einer Kampagne aufwerten zu wollen, ohne die seit Jahrzehnten virulente Problematik der Wegefreiheit anzugehen, stößt vielen in der Bikeszene sauer auf. Selbst im benachbarten Ausland wundert man sich bereits über die Werbekampagne des "Bike-Transitlands" Österreich. Diesen wenig schmeichelhaften Beinamen trägt die Alpenrepublik nämlich ob des pauschal geltenden Fahrverbots, übrigens einzigartig im Alpenraum, im Ziel- und Kernmarkt Deutschland. Denn um zu guten Bikedestinationen zu gelangen, muss man Österreich passieren.

    Diese Vorbehalte kann man seitens der ÖW nicht nachvollziehen. Die Kampagne ziele darauf ab, den Gästen "Orientierung und Sicherheit" zu bieten, indem auf die legalen Möglichkeiten für Mountainbiker verwiesen wird. Einen negativen Kontext ob der Verbote erkenne man nicht. Überhaupt ist man bei der ÖW nicht der Meinung, dass Mountainbiken in Österreich verboten sei. Vielleicht sollten die Zuständigen dazu bei Ministerin Köstinger nachfragen.

    Die Satireseite auf Facebook gibt es schon.

    Die heimische Bikeszene nimmt es indes mit Humor. Auf Facebook wurde bereits eine eigene Satireseite zur Kampagne eingerichtet. Manche, so hört man, überlegen auch schon, Sticker mit dem neuen, coolen Claim zu produzieren, um damit die vielen Fahrverbotstafeln in den heimischen Wäldern zu verzieren. Schließlich hat die Ministerin selbst gesagt: "You like it? Bike it!" Die Saison 2019 wird also ungeahnte neue Wege eröffnen. (Steffen Arora, 14.3.2019)

    • Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (Mitte) beim Kampagnenstart in Berlin, flankiert von Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer, und Österreich-Werbung-Geschäftsführerin Petra Stolba.
      foto: öw/paulenz

      Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (Mitte) beim Kampagnenstart in Berlin, flankiert von Petra Nocker-Schwarzenbacher, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer, und Österreich-Werbung-Geschäftsführerin Petra Stolba.

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