10.000 Handys für mehr "Likes": So sieht eine chinesische Klickfarm aus

    13. März 2019, 12:23
    215 Postings

    Virtualisierung funktioniert oft nicht, die Betreiber müssen daher echte Smartphones anschaffen

    Wer nach Möglichkeiten sucht, die eigene Social-Media-Präsenz zu stärken, muss nicht lange suchen, um auf dubiose Angebote zu stoßen. Likes, Follower, Rezensionen – oft für wenig Geld versprechen allerlei dubiose Anbieter ein flottes Wachstum und hohe Sichtbarkeit. Dabei wirbt man auch gern mit angeblich echten Followern, die die eigenen Konten und Postings rein aus Interesse mögen und verfolgen würden.

    Die Realität sieht freilich oft ganz anders aus. Einen sehr direkten Einblick gibt ein russischer Reporter, der eine in China angesiedelte "Klickfarm" besuchen konnte. Sein kurzes Video zeigt ein kleines Büro mit mehreren Regalen. Darauf finden sich, fein säuberlich nebeneinander platziert und verkabelt, mehrere hundert Smartphones. Soweit auf der Aufnahme erkennbar ist, scrollen diese über verschiedene Seiten und klicken automatisch auf Schaltflächen.

    Die Fernsteuerung der Mobiltelefone übernehmen wenige Mitarbeiter an Rechnern entlang einer Tischreihe. Sie koordinieren die Klickziele gemäß den erhaltenen Aufträgen. Neben den zu sehenden Handys soll die Farm noch 10.000 weitere Geräte im Einsatz haben.

    Rüstungswettlauf

    Facebook, Instagram, Twitter, Amazon sowie viele weitere Netzwerke und Händler sind seit Jahren in einer Art Rüstungswettlauf mit solchen Anbietern. Durch verschiedene technische Mittel hat man es mittlerweile stark erschwert, Endgeräte rein auf Softwarebasis vorzutäuschen. Daher sind die Anbieter von gekauften Likes, Followern und Rezensionen dazu übergegangen, einfach kistenweise solche Geräte anzuschaffen.

    Um welche Modelle es sich bei den gefilmten Modellen handelt, ist unklar. Es ist aber als wahrscheinlich, dass es sich um günstig erwerbbare White-Label-Smartphones mit Android handelt, die pro Stück schon um niedrige zweistellige Eurobeträge zu haben sind. Die Leistung muss ausreichen, um in schneller Abfolge automatisiert Webseiten laden und "benutzen" zu können, andere Kriterien dürften kaum eine Rolle spielen.

    Seltsame Entwicklungen in Österreich

    Fake-Follower sind auch in Österreich kein unbekanntes Phänomen mehr. So fand DER STANDARD bei einer Untersuchung 2017 zehntausende Nutzer von zweifelhafter Echtheit unter der Onlineanhängerschaft von Sebastian Kurz (ÖVP, damals Außenminister, heute Kanzler) und Ex-Kanzler Christian Kern (SPÖ) sowie weiteren Politikern. Kurz darauf verzeichnete auch die Facebook-Seite von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ein gar rätselhaftes Wachstum von über 40.000 Followern an einem Tag – die FPÖ argumentierte mit einer Seitenzusammenlegung.

    Mittlerweile greifen auch Behörden gegen die Vermittlung falscher Fans ein. Anfang 2018 begannen US-Behörden mit Ermittlungen gegen eine Agentur namens Devumi. Sie soll an Politiker und Promis rund 200 Millionen Follower "vermittelt" haben. Der Haken daran: Es soll sich um Bots gehandelt haben.

    Die Überprüfung der Echtheit von Fans auf Twitter und Co ist für Außenstehende oftmals schwer. Zwar gibt es etwa Tools wie Twitteraudit, die einen solchen Service anbieten, diese sind aber oft kostenpflichtig. (red, 13.3.2019)

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