Minister Strache: "Österreich ist Vorbild, kein Dopingland"

    11. März 2019, 19:26
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    BK-Ermittler Dieter Csefan gab im Haus des Sports Einblick in die Ermittlungen

    Wien – Fünf Österreicher, drei Esten, ein Kasache – gemessen an den jüngsten Ausführungen von Dieter Csefan, waren die bisher nach der Operation Aderlass als Doper entlarvten bzw. aus der Reserve gelockten Sportler nur die Vorhut des Skandals. Für den seit Mitte Februar fix zum Leiter des Büros für organisierten Kriminalität im Bundeskriminalamt bestellten Ermittler (Jahrgang 1978) steht fest, dass der vor bald zwei Wochen in Erfurt festgenommene und seither in München in Untersuchungshaft sitzende Sportmediziner mit seinen Komplizen in mehreren Jahren eine kriminelle Organisation aufgezogen hat, die nicht nur über mafiaähnliche Strukturen verfügte.

    Also führte Csefan am Montag im Haus des Sports an der Seite von Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Michael Cepic, dem Chef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), aus, dass die Organisation über einen Kopf verfügte, arbeitsteilig agierte, für ihr Treiben ausländische Wertkartenhandys benutzte und zum Zwecke der illegalen Bereicherung arbeitete. Alle Voraussetzungen für eine kriminelle Organisation wie jene der russischen oder der italienischen Mafia seien damit erfüllt, sagte Csefan.

    Es sei nachweisbar, dass die Organisation des Erfurter Arztes seit Jahren weltweit bei Großveranstaltung aktiv an Athleten herangetreten sei, wunderbare Leistungssteigerungen durch illegale Stärkung versprochen und sogar kostenlose Proben ihres Könnens angeboten habe. Es liegt auf der Hand, dass neun international keineswegs namhafte Kunden nicht ausgereicht haben können, die Organisation finanziell zu befriedigen. Unmittelbar nach dem "Anti-Doping Arbeit in Österreich" betitelten Presseauftritt reiste Csefan nach München, um dem Verhör des Erfurter Arztes und dessen Vater bei der deutschen Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft beizuwohnen.

    Die österreichische Hilfe

    "Österreich ist kein Dopingland, sondern ein Vorbild in der Bekämpfung von Doping", sagte Minister Strache schon vor Csefans Ausführungen. Nicht zuletzt sei mit österreichischer Hilfe ein international agierender Dopingring aufgedeckt worden. Schlüsse aus diesem Erfolg seien allerdings erst nach Ende der Ermittlungen zu ziehen – auch, was eine eventuelle Mitverantwortung von Verbänden betreffe. Der Skiverband (ÖSV) blieb unerwähnt. Darin und auch in der Forderung nach zumindest europaweit einheitlicher Anti-Doping-Gesetzgebung sind sich Strache und Cepic einig. "Die gesetzliche Basis mit den Ermittlungsbehörden ist sehr gut gegeben. Anlassgesetzgebung ist für uns kein Mittel zu Lösung", sagte der Chef der Nada, dem Strache eine Aufstockung der Mittel für den Anti-Doping-Kampf in Aussicht stellte.

    Cepic stellte wiederum eine Anpassung der Nada-Aktivitäten in Aussicht. In Sachen Blutdoping hat die Razzia in Seefeld eindrucksvoll bewiesen, dass Kontrollen, die nicht wenige Stunden vor dem Wettkampf erfolgen, ins Leere laufen. Die sich daraus ergebenden Probleme sind noch nicht gelöst. Einem Sportler unmittelbar vor dem Start Blut abzunehmen kann den Wettbewerb schließlich ebenso verzerren wie Doping selbst. (Sigi Lützow, 11.3.2019)

    • Cepic, Strache und Csefan.
      foto: apa/herbert pfarrhofer

      Cepic, Strache und Csefan.

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