Zuzana Čaputová: Beharrliche Kämpferin für den slowakischen Rechtsstaat

    Kopf des Tages11. März 2019, 18:02
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    Die 45-jährige Juristin hat gute Chancen, bald Präsidentin der Slowakei zu werden

    Der sprichwörtliche Fisch im Wasser fühlt sich bestimmt anders: Eingeladen in einer Late-Night-Show, in der vor allem die Originalität des Talkmasters unter Beweis gestellt werden soll, wirkt Zuzana Čaputová oft etwas irritiert, ja fast scheu. Genau wie als Gast in den aufgeregten Politiksendungen, deren Moderatoren wohl sogar noch der Frage nach der Uhrzeit einen investigativen Ausdruck verleihen könnten.

    Aus der Ruhe bringen lässt sich Čaputová aber da wie dort nicht. Die 45-jährige Juristin, die gute Chancen hat, bald Präsidentin der Slowakei zu werden, ist keine, die im Scheinwerferlicht zur Höchstform aufläuft, aber das hat sie auch gar nicht nötig: Sie bleibt einfach freundlich und sachlich – und fällt schon allein deshalb auf im ansonsten hektischen Wahlkampfgetriebe, wo es vor spitzen Ellenbogen nur so wimmelt.

    Nachdem Čaputová in Umfragen zuletzt deutlich zugelegt hatte, gab Ende Februar der liberale Kandidat Robert Mistrík seinen Rückzug bekannt. Beide hatten ein ähnliches Wählersegment angesprochen und sich im Vorfeld darauf geeinigt, dass letztlich der oder die mit den besseren Chancen ins Rennen um die Präsidentschaft gehen sollte. Kurz vor dem ersten Wahlgang am 16. März ist Čaputová nun der neue Shootingstar der slowakischen Politik.

    Juristin einer Bürgerinitiative

    Nicht neu hingegen ist ihr Engagement für gesellschaftliche Anliegen. Nach ihrem Jusstudium in Bratislava arbeitete sie viele Jahre als Juristin einer Bürgerinitiative, die sich für Rechtsstaatlichkeit und mehr Transparenz bei öffentlichen Auftragsvergaben starkmacht.

    Einen besonders langen Atem bewies Čaputová, als sie in ihrer Heimatstadt Pezinok 14 Jahre lang gegen eine Mülldeponie kämpfte, die wegen massiver Umweltschutzbedenken in der Kritik stand. Schließlich siegte sie vor dem Obersten Gericht und nahm dafür 2016 in San Francisco den Goldman Environmental Prize entgegen, den "Grünen Nobelpreis".

    Inzwischen ist die geschiedene Mutter zweier Töchter Vizechefin der jungen Partei Progressive Slowakei. Ein Jahr nach dem noch nicht restlos aufgeklärten Mord an dem Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak steht Čaputovás zentrales Thema, die Rechtsstaatlichkeit, im Fokus des öffentlichen Interesses. Ihm wird sie sich auch weiterhin widmen. In welcher Rolle, das scheint für sie gar nicht so wichtig zu sein: "Auch als Staatsoberhaupt rettet man ja nicht gleich die Welt." (Gerald Schubert, 11.3.2019)

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      foto: vladimir simicek / afp
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