Wirbel um Trauerbekundungen für Neonazi in Chemnitz

    11. März 2019, 17:55
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    Ein Neonazi-Skandal hält den Chemnitzer FC in Atem. Nach umstrittener Trauerbekundung erstattete der Klub nun gar Strafanzeige

    Chemnitz – Der Chemnitzer FC droht im braunen Sumpf zu versinken, auch wenn er am Montag nach Kräften gegen die Strömungen von rechts ruderte. Es geht um nicht weniger als die Unterdrückung eines ostdeutschen Fußball-Traditionsklubs, der in der vierten Leistungsstufe spielt, durch rechtsradikale Teile seiner eigenen Fans. Der Skandal um die Trauerbekundungen für den verstorbenen Chemnitz-Fan Thomas H. gipfelte in einer Strafanzeige des Klubs und mehreren Entlassungen.

    Denn der Regionalligist wehrt sich gegen Neonazis in der Kurve, ächzt aber auch unter dem Druck seiner Anhänger. Vor dem Spiel der Chemnitzer gegen VSG Altglienicke (4:4) am vergangenen Samstag war der mutmaßlich rechtsradikale Thomas H. mit Pyro-Show und Schweigeminute ausgiebig gewürdigt worden. Geplant war das nicht. Wie der Klub am Montag mitteilte, sollen dieser Abweichung vom normalen Prozedere möglicherweise strafbare Handlungen vorausgegangen sein.

    Es drohten massive Ausschreitungen

    "Nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter drohten massive Ausschreitungen. Dieser Umstand begründet zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist", sagte Insolvenzverwalter Klaus Siemon. Deshalb ging am Montag bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz eine CFC-Strafanzeige gegen unbekannt ein.

    Der Deutschen Fußball-Bund (DFB) regierte entrüstet. Vize-Präsident Rainer Koch teilte mit, dass sich der DFB "in aller Deutlichkeit von den Vorkommnissen im Chemnitzer Stadion" distanziere. Der zuständige Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) beauftragte sein Sportgericht derweil mit Ermittlungen und bekräftigte, dass er sich "gegen den Missbrauch von Fußballspielen und die Nutzung für parteipolitische und anderweitige Zwecke" ausspreche.

    Einschlägiger Schläger

    Für die Trauer-Feierlichkeiten soll laut Angaben des CFC nicht nur "die Verwendung der sonst üblichen Fahnen von bis zu 99 Fanclubs unterbunden" worden sein, außerdem sei in Erfahrung gebracht worden, "dass einschlägig bekannte Personen aus der rechtsextremen Szene für diesen Tag aus anderen Städten nach Chemnitz und Sachsen gereist" seien. Laut Berichten der Freien Presse war H. Begründer der rechtsextremen Gruppe "HooNaRa".

    Den Chemnitzer FC setzt der Fall stark unter Druck. Schon am Sonntag war Geschäftsführer Thomas Uhlig als Reaktion auf die Vorkommnisse zurückgetreten. Am Montag trennte sich der Klub von der CFC-Fanbeauftragten und SPD-Stadträtin Peggy Schellenberger, die auf ihrer Facebook-Seite offiziell kondoliert hatte und dafür massive Kritik einstecken musste. Neben ihr wurden ein Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung und der Stadionsprecher freigestellt.

    "Gemeinsame Trauer"

    Der CFC hatte am Sonntag die Trauerbekundungen in einer offiziellen Pressemitteilung noch gerechtfertigt. "Die Ermöglichung der gemeinsamen Trauer stellt keine Würdigung des Lebensinhalts des Verstorbenen dar", hieß es dort und es sei "ein Gebot der Mitmenschlichkeit", die Gelegenheit zur Trauer zu geben. Erst am Montag teilte der Verein mit, er sei "nicht bereit, vor diesen Ideologien zurückzuweichen und den Fußball in Chemnitz aufzugeben".

    Fanforscher Gunter A. Pilz sieht die Politik des CFC kritisch. "Die Erklärung des Vereins ist meines Erachtens höchst scheinheilig. Sich so zu verstecken. Da fällt mir nicht viel zu ein", sagte er dem SID. Laut seiner Meinung hätte sich der Chemnitzer FC an Staatsschutz oder Polizei wenden müssen, um die Geschehnisse zu verhindern.

    "Und wenn das nicht geht, kann ich das Spiel ja notfalls auch absagen. Aber ich kann mich doch nicht erpressen lassen und Rechtsradikalen dieses Stadion als Raum für ihre Demonstrationen geben", betonte er. (sid, red, 11.3.2019)

    • Chemnitz.
      foto: imago images / härtelpress

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