Vorerst doch keine neuen Lokale am Wiener Donaukanal

    11. März 2019, 17:14
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    Weil die Stadt einen Rechtsstreit mit dem bisherigen Pächter von Flächen am Kanal führt, hängen zwei Gastroprojekte in der Warteschleife. Für die Fortführung des Tel Aviv Beach übernimmt die Stadt ein Prozessrisiko

    Wien – Noch ist ziemlich tote Hose am dieser Tage äußerst windigen Wiener Donaukanal. Spaziergänger, Läufer und Radfahrer freuen sich, dass sie die Erholungsmeile mitten in der Stadt exklusiv nutzen können. In wenigen Wochen, wenn sich die Frühlingssonne dann dauerhaft gegenüber der Winterkälte behauptet, wird aber wieder die Saison eingeläutet. Und diese wird viel weniger Neues bringen, als es sich die Stadt Wien erhofft hat.

    Wie berichtet wurden im Herbst 2017 gleich sechs Flächen ausgeschrieben, auf denen Gastronomiebetrieb möglich ist. Neben vier bereits etablierten Projekten (Tel Aviv Beach, Feuerdorf, Central Garden und Hafenkneipe) kamen bei der Neuvergabe im Oktober 2018 auch zwei Neue zum Zug. Wegen laufender juristischer Streitereien mit dem Vorpächter der Flächen werden diese heuer aber sicher nicht umgesetzt.

    grafik: der standard
    Vienna Waterfront (bei der Adria Wien) und Fräuleins fabelhafter Sommergarten (bei der Badeschiff-Vorkaifläche) werden heuer vorerst nicht umgesetzt.

    Ganzjahreslokal muss warten

    Dabei handelt es sich einerseits um Vienna Waterfront: Die Gastronomen Figar & Seiler sowie der Gastro-Container-Spezialist Boxircus wollen nördlich und südlich des Glashauses bei der Adria Wien unter anderem ein einstöckiges Ganzjahreslokal realisieren.

    foto: vienna waterfront
    So soll Vienna Waterfront rund um das Glashaus einmal aussehen – wobei das Glashaus nicht Gegenstand der Flächenvergabe war.

    Andererseits hängt Fräuleins fabelhafter Sommergarten in der Warteschleife: Stephanie Edtstadtler, die die Ausschreibung für die Badeschiff-Vorkaifläche gewonnen hat, will hier einen großen Biergarten umsetzen. Auch die Möglichkeit zum Do-it-yourself-Grillen soll es geben. Verträge konnten aufgrund der Rechtsstreitigkeiten aber noch nicht unterschrieben werden.

    Die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) macht Donaukanal-Pionier Gerold Ecker für die verzwickte Lage verantwortlich. Dieser hatte sowohl die Badeschiff-Vorkaifläche als auch das Areal von der Adria bis zum Tel Aviv Beach seit Jahren gepachtet. Da Ecker nicht räumen wolle, "verhindert er tolle Projekte", sagte Sima.

    Räumungsklagen laufen

    Sima und Martin Jank, Geschäftsführer der Wiener Gewässer Management GmbH, führten aber mehrere erstinstanzliche Urteile ins Treffen. Demnach wurden Räumungsklagen gegen Ecker betreffend die Vorkaifläche sowie die Fläche von Tel Aviv Beach bis Salztorbrücke zugunsten der Grundstückseigentümerin, der Donau Hochwasserschutz Konkurrenz (DHK), entschieden – was Sima freute. Sie rechnet aber mit weiteren Einsprüchen Eckers. Die juristische Klärung dürfte zumindest noch mehrere Monate in Anspruch nehmen.

    Ecker selbst pocht darauf, dass die Stadt ihm gegenüber "Zusagen der Vertragsverlängerungen" gemacht habe. Bis zur abschließenden Klärung "werden wir unsere Betriebe weiterführen", sagte Ecker. Er bespielt damit weiter die Flächen vor dem Badeschiff sowie die Adria inklusive Glashaus. Das Badeschiff selbst ist von den erbitterten Rechtsstreitigkeiten übrigens nicht betroffen: Hier läuft der Vertrag mit Ecker noch bis 2029.

    Sonderfall Tel Aviv Beach

    Ein Sonderfall ist die Fläche des Tel Aviv Beach, der von der Familie Molcho betrieben wird. Hier hat die Stadt Wien die Fläche "in Besitz genommen", wie Sima sagt. Denn auch hier ist der Rechtsstreit zwischen Ecker, der das Areal unterverpachtet hat, und der DHK noch nicht entschieden. Die Stadt nimmt laut Sima aber das Prozessrisiko in Kauf. Damit kann das Lokal im April wiedereröffnen – inklusive neuer WC-Anlagen, neuer Terrasse, mehr Beach-Bereich und einer zusätzlichen Bar.

    foto: peter mayr & @neni_food
    Der Tel Aviv Beach wird runderneuert und soll eine zusätzliche Bar erhalten.

    David Figar erfuhr wie seine Projektpartner erst am Montag, dass Vienna Waterfront heuer auch nicht in Teilbereichen umgesetzt werden kann. "Die Enttäuschung ist riesengroß", sagte Figar, der zumindest mit 200 bis 300 temporären Sitzplätzen für die Sommersaison plante. Im Endausbau soll das 1,3-Millionen-Euro-Projekt indoor und outdoor Platz für weit mehr als 500 Gäste bieten. (David Krutzler, 11.3.2019)

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